Die Kehrseite der Medaille

EURO-STUDIO Landgraf
DIE KEHRSEITE DER MEDAILLE
(L’envers du décor)
Komödie von Florian Zeller

Deutsch von Annette und Paul Bäcker

ca. 25. September – 25. Oktober 2021
ca. 25. April – 15. Mai 2022

Mit Timothy Peach, Nicola Tiggeler, Martin Armknecht, Dominique Siassia
4 Schauspieler*innen

Regie: Pascal Breuer

UA: 15.1.2016, Théâtre de Paris, Paris
DSE: 5.12.2016, St. Pauli Theater, Hamburg (unter dem Alternativtitel „Hinter der Fassade“)

Sagen wir immer, was wir denken? In „Die Kehrseite der Medaille“ legt der mit allen Handlungsaufbau-Theaterwassern gewaschene Autor das Interesse weniger auf das Gesagte als auf das normalerweise Nicht-Gesagte.
Dabei gelingt es ihm bei aller Leichtigkeit und komödiantischer Dynamik auch das Konfliktpotenial für die Stimmungsschwankungen der Beteiligten immer spürbar zu machen.

Dass die vielen Theaterpreise, die der Star-Autor schon erhalten hat, kein Zufall sind, beweisen auch die anderen Werke Zellers, die ebenfalls über mehrere Spielzeiten im Spielplan der Konzertdirektion Landgraf zu sehen waren: das emotional berührende Stück „Vater“ (ausgezeichnet mit dem 2. INTHEGA-Preis 2017), die Komödie „Eine Stunde Ruhe“ sowie die Komödie „Die Wahrheit“, mit der Zeller von jetzt auf gleich den Pariser Theater Olymp erreichte und seine geradezu atemberaubende literarische Karriere begann.

Schon in „Eine Stunde Ruhe“, einem anderen Komödien-Juwel von Florian Zeller, standen Nicola Tiggeler und Timothy Peach gemeinsam auf der Bühne. Die Inszenierung von Pascal Breuer sorgte – wie Helmut Fischer in der Amberger Zeitung vom 7.1.2019 bestätigt – »für pausenlose Spannung«.

Zum Inhalt
Wenn ein intelligenter und gewiefter Meister des gehobenen Boulevards eine Beziehungskomödie „Die Kehrseite der Medaille“ nennt, ist vorhersehbar, dass er nicht nur wie gewohnt das Enthüllungs- und Spannungslevel auf die Spitze treibt, sondern mit einem dramaturgisch brillanten Clou überraschen wird, mit dem er gleichzeitig beide Seiten einer Medaille zeigen kann: die glänzende Schauseite, die repräsentative äußere Fassade, und die dazu im Kontrast stehende Realität der ungeschminkten Seite einer Beziehung, die man normalerweise verbirgt.

Zu seinem Welterfolg „Die Wahrheit“, in dem alles, was die Figuren voneinander wussten, nur die halbe Wahrheit war, weil natürlich fast nie die Wahrheit gesagt wurde, musste Zeller mit „Die Lüge“ noch ein Gegen-Stück schreiben, in dem es wieder nicht nur darum ging, herauszufinden, wer mit wem, wann und wo, sondern auch um die existenziellste aller Fragen: Wie viel Wahrheit steckt in der Lüge und wie viel Lüge in der Wahrheit?

Der „Wahrheit“-Personenkonstellation – Isabelle und Daniel sind das seit langem verheiratete Ehepaar, Patrick und Laurence dessen langjährige Freunde – ist Zeller auch in „Die Kehrseite der Medaille“ treu geblieben. Nur hat Patrick jetzt eine Neue an seiner Seite. Sie heißt Emma und ist sehr attraktiv. Natürlich gehen Isabel und Daniel auf Distanz. Unglücklicherweise hat Daniel seine Frau überredet, die beiden zum Essen einzuladen. Dass der vorhersehbar nicht sehr erfreulich verlaufende Abend in dieser mit französischem Esprit geschriebenen Komödie für den (schadenfrohen!) Zuschauer zum Vergnügen wird, liegt nicht nur an den brillanten Dialogen, sondern auch an dem oben erwähnten virtuosen Clou: Das Publikum hört die höfliche Konversation der vier Personen und die heimlichen, nicht immer sehr freundlichen Gedanken, die sie normalerweise voreinander verbergen. Zeller greift dafür auf ein fast vergessenes Stilmittel des Theaters zurück: das A-part (Beiseite)sprechen. Natürlich nutzt der Autor diesen Kunstgriff, durch den die Figuren das Publikum zum Komplizen machen, auf so amüsante wie perfide Weise.

Das Publikum darf sich auf eine rundherum gelungene Komödie freuen, auf intelligente Unterhaltung mit französischem Esprit und jenem Hauch von Schadenfreude, der wirklich guten Gesellschaftskomödien eigen ist.

Pressestimmen
zur Pariser Uraufführung:

Das Paradox zwischen Denken und Sprechen schafft komische Situationen, die von einem Schockquartett auf die Spitze getrieben werden.
Marie-Laure Atinault, WebThéâtre, 30.01.2016

Florian Zeller zeigt uns die Vorderseite der Medaille – nämlich das, was die Charaktere sagen – und deren Rückseite – die zur Seite gesprochenen wahren Gedanken beider Paare. Diese Technik der sich widersprechenden Aussagen ist perfekt für das Genre der Komödie geeignet. Der Autor setzt sie dazu ein, um die Herzen seiner Protagonisten um die 50 zu erkunden, die mit der Realität der Vergänglichkeit und dem Wunsch konfrontiert sind, Dinge zu erleben, die weit abseits ihres Alltags liegen. Gehen Sie als Paar oder mit Freunden hin, aber Vorsicht: Versuchen Sie nicht zu erahnen, was die anderen denken…
Tout Pour Les Femmes, 25.01.2016

Die Originalität von „Die Kehrseite der Medaille“ liegt in der Tatsache, dass der Zuschauer sowohl Zeuge als auch Empfänger von Gedanken der Protagonisten wird, die sie beiseite sprechend ausdrücken. Was in „Die Wahrheit“ oder „Die Lüge“ verborgen blieb, wird hier zum Hauptgegenstand und gleichzeitig zum Quell der Situationskomik. Die Schauspieler jonglieren ständig mit den Wirkkräften der Doppelbödigkeit – und so entsteht eine komische, grausame und wunderbar erbärmliche Wahrheit.
Armelle Héliot, Le Figaro, 27.01.2016

zur DSE am St. Pauli Theater Hamburg:

Der Abend verging unter Lachsalven wie im Fluge. Bereits in Paris erreichte die Uraufführung mit Daniel Auteuil mehr als 100.000 Zuschauer. (…) Zeller reizt das klassische Commedia-dell’arte-Mittel des ‚A-part‘, mithin Beiseitesprechens aus. Rein praktisch heißt das: Wo das Gespräch beim Essen der befreundeten Paare stockt, also offiziell auf der Bühne Schweigen herrscht, wird munter drauflosgeplappert. Der Zuschauer kann den Figuren praktisch in die Köpfe gucken, sie verraten ihre wahren Gedanken, Gefühle, Sehnsüchte. Aus dem krassen Spannungsverhältnis zwischen Gesagtem und Gedachtem resultiert das Gros der Komik des Abends. (…)
Die Wortkaskaden aus den Gedankenwelten eskalieren bis zum Finale.
BERLIN Stefan Grund, Die Welt, 07.12.2016

Biografien 

FLORIAN ZELLER
So etwas wie die geradezu atemberaubende literarische Karriere von Florian Zeller gibt es eigentlich nur im Märchen: Was immer der französische Autor beginnt – es gelingt ihm. Der am 28.6.1979 in Paris geborene Florian Zeller gehört zu den wenigen, die am elitären L’institut d’études politiques in Paris zugelassen wurden. Heute ist er dort Dozent für Literatur. Gleich sein erster Roman „Neiges artificielles“, den der 22jährige 2002 veröffentlichte, katapultierte ihn an die Spitze der französischen Literaturszene. Er wurde dafür mit dem renommierten Prix… mehr

Timothy PeachTIMOTHY PEACH
Unterschiedlicher könnten sie nicht sein, die Rollen, durch die das Tournee-Theater-Publikum den in München geborenen britischdeutschen Schauspieler bisher kennen gelernt hat. 2006 besetzte Ellen Schwiers ihn mit der Traumrolle des Tellheim in Lessings „Minna von Barnhelm“. In der EUROSTUDIO Landgraf-Produktion „Kleine Eheverbrechen“ von… mehr

Nicola Tiggeler (c) Michael LeisNICOLA TIGGELER
Die Mutter ist Geigerin, der Vater Opernregisseur – da war Nicola Tiggeler schon früh klar, was sie werden wollte: nämlich Opernsängerin. Mit acht Jahren sang sie bereits ihre erste Rolle an der Staatsoper Hannover. Nach dem Abitur s tudierte sie Gesang an der Hochschule für Musik in Hamburg und schloss 1986 mit der Diplom- Prüfung in Oper und Gesangspädagogik… mehr

Martin Armknecht (c) Valentina KurscheidMARTIN ARMKNECHT
Jeder Schauspieler träumt davon, dass ihm eine TV-Serien-Titelrolle auf den Leib geschrieben wird. Für Martin Armknecht, der in der für den INTHEGA-Preis 2020 nominierten Tournee-Theater THESPISKARREN Produktion „Chaos auf Schloss Haversham“ – „The Play That Goes Wrong“ Chris bzw. Inspektor Carter spielt, wurde dieser Traum mit den 1997/1998 ausgestrahlten… mehr

Dominique Siassia (c) Nela KnigDOMINIQUE SIASSIA 
Da die 2014 in Stuttgart für ihre Darstellung der Emmi in „Gut gegen Nordwind“ als Schauspielerin des Jahres ausgezeichnete Dominique Siassia mit ihren deutsch-kongolesischen Eltern abwechselnd im Kongo, dem Heimatland ihres Vaters, und in ihrem Geburtsort Osterburg in der Altmark aufwuchs, spricht sie neben Deutsch, Englisch und Französisch auch fließend Kikongo. Nach… mehr

Zuletzt aktualisiert: 26.10.2020