Amadeus

EURO-STUDIO / Schauspielbühnen in Stuttgart
AMADEUS
(Amadeus)
Schauspiel in zwei Akten von Peter Shaffer

Deutsch von Nina Adler

ca. 5. Februar – 10. März 2022

Mit Delio Malär (in der Titelrolle), Wolfgang Seidenberg (als Salieri),
Kirsten Hansen* (Constanze), Dirk Waanders, Gideon Rapp u. a.
*Vertragsverhandlungen noch nicht abgeschlossen
Die ca. 24 Rollen werden von 10 Schauspieler*innen gespielt.

Regie: Udo Schürmer

Uraufführung: 2.11.1979, National Theatre London
Broadway-Premiere: 17.12.1980, Broadhurst Theatre
Die Aufführungsserie am Broadway wurde en suite bis 1983 mehr als 1.000-mal gespielt.
Deutschsprachige Erstaufführung: 27.12.1981, Burgtheater Wien

Theaterpreise
1979 Evening Standard Award als Bestes Stück
1981 Drama Desk Award als Herausragendes neues Stück
1981 Tony Award (der Theater-Oscar) als Bestes Stück

Inhalt

In dem auch an deutschen Bühnen überaus erfolgreichen Stück setzt Shaffer sich mit einem Gerücht auseinander, das seit dem frühen ungeklärten Tod Mozarts immer wieder die Gemüter bewegt hat: Wurde Mozart von dem damaligen Hofkompositeur Antonio Salieri vergiftet?1 Diese Legende biegt Shaffer höchst bühnengerecht zu einem perfekt konstruierten Reißer um – mit Bombenrollen und effektvollen Situationen.2

Bereits als Kind von dem Wunsch besessen, ein berühmter Musiker zu werden, hat der junge Salieri mit Gott einen »Pakt« geschlossen. Er gelobt  ihm einen moralisch einwandfreien Lebenswandel, wofür er sich als Lohn den künstlerischen Erfolg erhofft. Dies scheint in der Tat einzutreffen, da er es rasch zum Hofkapellmeister in Wien bringt. Doch dann taucht Mozart in Wien auf. Salieri erkennt sofort dessen überlegene Genialität. Er ist durch die geradezu provozierende Leichtigkeit des Mozart zugefallenen Talents schockiert.1 Sein Entsetzen verwandelt sich in Hass, als Mozart den braven Marsch, den Salieri zur Begrüßung des Jüngeren komponiert hat, aus dem Stegreif in eine geniale Komposition verwandelt. Er ist „Amadeus“, der von Gott Geliebte.3 Durch seinen Einfluss gelingt es Salieri, Mozart in Wien zu isolieren, die Aufführung seiner Werke zu verhindern, ihn schließlich in die materielle Katastrophe zu treiben. Dann erst setzt die von Salieri erwartete Strafe Gottes ein: während Mozart zu unvergänglichem Ruhm aufsteigt, fällt Salieri noch zu Lebzeiten der Vergessenheit anheim. Und auch sein Versuch, wenigstens als Mörder Mozarts unsterblich zu werden, mißlingt.1 In ineinander übergehenden, bilderbogenartigen Episoden, in denen die Musik Mozarts eine wichtige dramatische Funktion hat, zeigt Shaffer in seiner mit vielen internationalen Theaterpreisen ausgezeichneten weltweit gefeierten Liebeserklärung an Mozart und seine Musik, den immerwährenden Kampf des Talents gegen das Genie, des Mittelmäßigen gegen das Absolute.3

1 H. Z. in Knaurs Großer Schauspielführer. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 1985 S. 601/602. Geringe Kürzungen und Ergänzungen sind nicht gekennzeichnet.
2 Grete Müller, Südkurier, 06.03.1983
3 Text der Redaktion

Pressestimme
zur Deutschsprachigen Erstaufführung in Wien

Ausgerechnet der Engländer Peter Shaffer ist es, der gegenwärtig wienerische Häme am boshaftesten und treffendsten darzustellen weiß. Shaffers Erfolgsstück „Amadeus“, am Burgtheater gerade deutschsprachig erstaufgeführt – bundesdeutsche Bühnen landauf, landab werden folgen –, gibt sich zwar als metaphysisch aufgestatzter Reißer über die tragische Feindschaft zwischen Genie und künstlerischem Mittelmaß, exemplifiziert an den beiden Hofkompositeuren Mozart und Salieri; aber das Wiener Publikum erlebt „Amadeus“ anders – nämlich als eine Art Rezeptstück für die hohe Kunst der Intrige. »Das Geheimnis der Intrige ist«, sagte Peter Shaffer, der zur Premiere nach Wien gekommen war, »daß sie eine tödliche Bosheit ist, die sich nicht nachweisen lässt.« Bei Shaffer ist auch der Rufmord buchstäblich tödlich. Durch zehnjährigen geduldigen Hass und umsichtiges Abschneiden aller Existenzmöglichkeiten bringt Shaffers Salieri seinen Rivalen Mozart ums Leben, auch ohne Gift. Für den garantiert spurenlosen Rufmord genügt schon ein vergifteter Nebensatz, im richtigen Moment bei der richtigen Person platziert, beispielsweise bei Kaiser Joseph, der einen Musiklehrer für die Erzherzogin Elisabeth sucht. Er denkt an Mozart, aber der Hofkapellmeister Salieri weiß es elegant zu verhindern: »Ich kann Euer Majestät unmöglich reinen Gewissens empfehlen, dass Mozart bei Hof unterrichtet – man hört zu viele Geschichten.« Das genügt. Und das Wiener Publikum kichert verständnisinnig. Der meistbelachte Einfall Shaffers sind denn auch die beiden ‚Venticelli‘, die Lüftchen, Tratsch-Zuträger und Adabeis, die die gezielte Verbreitung von Klatsch zu ihrer Profession gemacht haben. »Niemand«, sagt Salieri zum Publikum, »hätte sich damals in Wien ohne bezahlte Informanten am Leben halten können – heute übrigens auch nicht.« Das Publikum lacht ertappt. Der heikelste Part, für Wien wenigstens, ist freilich „Amadeus“ selber. Wie das »Urbild des Wieners« nistet auch das Urbild des Mozart Wolferl in den Köpfen als eine Art in Marzipan gemeißelter Cherubino. Und gerade dieses Klischee wollte Shaffer nicht bedienen. Sein Amadeus, wie er in London und New York feixend über die Bühne tölpelte, war ein kindischer Possenreißer, ständig eine Zote im Munde und zugleich (zu Salieris Empörung) die holdseligste Musik im Kopfe. Nicht erst seit Hildesheimer wissen wir, dass der vulgäre Witzbold der historischen Wahrheit über den Salzburger Genius peinlich nahe kommt.

Vor der Premiere noch hatte sich Shaffer wegen der Reaktionen der Wiener Mozart-Anbeter Sorgen gemacht. Das war unnötig. In Wien nahm sich Publikumsliebling Michael Heltau, Chansonsänger und langjähriger Charmeur vom Dienst, des Wolferl Amadé an. Heltau ist als Schauspieler ein Garant dafür, dass selbst die ärgste Ferkelei noch quasi mit Kratzfuß daherkommt. Er bringt es fertig, mit sonniger Treuherzigkeit Shaffers Intentionen in ihr Gegenteil zu verkehren. Wo Shaffer den Klischee-Mozart demolieren wollte, richtet ihn Heltau mit welkem Cherubino-Charme aufs neue auf. Durch die Hintertür rollt die Mozartkugel wieder auf die Szene. Zum Entzücken des Publikums. Über die Hartnäckigkeit mancher wienerischen Lebenslügen denke nach, wer mag.
HAMBURG Sigrid Löffler, DIE ZEIT, 20.03.1981

Biografien 

PETER SHAFFER
Für Peter Shaffer hatten kreative Schöpfungen immer ihren Ursprung in autobiografischen Tatsachen. Vielleicht finden sich deshalb so viele kontrastierende, gleich starke Hauptfiguren in seinen Stücken, die aus Shaffers Kindheitserfahrungen als Zwillingsbruder herrühren mögen, z. B. Jill und Alan in „Equus“, die Titelfiguren in „Laura und Lotte“ – und Mozart und Salieri in „Amadeus“. Am 15. Mai 1926 erblickte in Liverpool zwischen 9:30 Uhr und 9:35 Uhr das wohl erfolgreichste Zwillingspaar der Literaturgeschichte das Licht der Welt… mehr

Delio Malär (c) Andreas SchlieterDELIO MALÄR
Der Senkrechtstarter erobert derzeit die deutschsprachigen Bühnen im Sturm. Der 1992 in Richterswil am Ufer des Zürichsee geborene Schauspieler spielte schon als Schüler der Stiftschule Einsiedeln Theater, lernte mehrere Instrumente und Sprachen und schrieb erste Songs für seine eigene Band, die er bei Rockshows aufführt. Nach seinem Abitur und… mehr

Wolfgang Seidenberg (Foto: Uwe Neumann)WOLFGANG SEIDENBERG
Der gebürtige Siegburger Wolfgang Seidenberg absolvierte seine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. In Wien hatte er auch seine ersten Theaterengagements, u. a. am Akademietheater, am Schauspielhaus und an der Kleinen Komödie. Unter der Intendanz von Peter Lotschak spielte er über zwölf Jahre bei den Bad Hersfelder Festspielen, u. a. die Titelrollen in „Jedermann“ und „Tartuffe“… mehr

DIRK WAANDERS
Er studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg und gehörte den Ensembles am Deutschen Theater Göttingen, am Volkstheater Rostock, am Theater Trier und am Staatstheater Mainz an. Seit 2000 ist Dirk Waanders freiberuflich tätig, u. a. an der Komödie Düsseldorf, am Fritz Rémond Theater im Zoo und an der Komödie Frankfurt… mehr

Zuletzt aktualisiert: 03.12.2020