Der Wal

EURO-STUDIO Landgraf
DER WAL
(The Whale)
Schauspiel von Samuel D. Hunter
Deutsch von Stephan Hoffmann

ca. 2. – 22. Dezember 2024
ca. 5. – 31. Januar 2025

Mit Torsten Münchow, Derya Flechtner*, Rajko Geith, Franziska Endres, Iris Boss
5 Mitwirkende
* Verhandlungen noch nicht abgeschlossen.

Regie: Stephan Hoffmann

Deutschsprachige Erstaufführungsproduktion


Uraufführung: 19. Januar 2012, Ricketson Theatre, Denver Center for the Performing Arts, Denver

Off-Broadway-Premiere: 12. Oktober 2012, Playwrights Horizons at Peter J. Sharp Theatre, New York

Aufführungsrechte:
Carstensen & Oegel International
Theater und Medien, Berlin

Ausgezeichnet mit dem Lucille Lortel Award 2013 als Bestes Stück
Gewinner des Drama Desk Special Award 2013 für einen bedeutenden Beitrag zum Theater

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Inhalt
Erst am emotional überwältigenden Schluss erfährt der Zuschauer, warum ein Aufsatz über Herman Melvilles Literaturklassiker „Moby Dick“ sich als wichtiger roter Faden durch die herzzerreißende Geschichte des Online-Englischlehrers für argumentatives Schreiben zieht. Nach einer persönlichen Tragödie ist der ehemalige Universitätsprofessor Charlie auf einer Couch in Nord-Idaho – wie Autor Hunter schreibt – »gestrandet«. Kontakt hat er nur zu seiner Krankenschwester, zu Elder Thomas, einem Mormonen, und seit kurzer Zeit wieder zu seiner Ex-Frau und seiner Teenager-Tochter Ellie. Dass das hoch gelobte, schmerzlich berührende, aufwühlende wie humorvolle Stück noch lange nach der Vorstellung für viel Gesprächsstoff sorgt, liegt nicht an dem monströsen Übergewicht Charlies und seinem himmelhohen Blutdruck, sondern an dem ungewöhnlichen Blick des Dramatikers auf seine Figuren und an seinem Talent, auf mehreren emotionalen Ebenen komplexe Charaktere zu erschaffen, die in Erinnerung bleiben. Wie Puzzleteile verbindet er in Szenen von großer Intensität Charlies gegenwärtigen Zustand mit den zerbrochenen Beziehungen zu Personen aus seiner Vergangenheit, die sein Leben schicksalhaft mitbestimmt haben.

Hunters für zärtliche und wütende, ernsthafte und humorvolle Nebentöne hellhörigen Dialoge kommen besonders in den Szenen mit seiner Tochter zur Geltung. Charlie möchte sie davor bewahren, durch Verlusterfahrung, Verachtung und Frustration in eine existenzielle Abwärtsspirale zu geraten und dadurch in ihrer Gefühlswelt so eingesperrt zu werden, wie er in seinem Körper.
(Birgit Landgraf)

Autor Hunter:
»Er versucht, ihr beizubringen, wie man einen guten Aufsatz schreibt. Aber indem er ihr beibringt, wie man einen guten Aufsatz schreibt, versucht er ihr beizubringen, wie man unabhängig denkt und wie man mit anderen Menschen umgeht. Letztendlich bringt er ihr bei, Empathie zu haben«
(Veröffentlicht auf Playwrightshorizons.org am 04.07.2012. Abgerufen am 21.04.2023)

Autor Samuel D. Hunter über „The Whale“:
»Ich habe mich früh in meiner Karriere entschieden, dass ich kein zynischer Autor sein wollte. Für mich ist Zynismus zu einfach, eine intellektuelle Bankrotterklärung. Viel schwieriger ist es, an jemanden zu glauben und Hoffnung zu haben, gerade in der jetzigen Zeit. Meine Hoffnung ist, dass die Leute spüren, dass es in dieser Geschichte um hart erkämpfte Hoffnung geht, um Würde und darum, wie wichtig es ist, Vertrauen in andere Menschen zu haben – etwas, das Charlie im Überfluss besitzt. Die Welt hat ihm jeden Grund gegeben, zynisch zu werden und kein Vertrauen zu anderen zu haben, doch er weigert sich, dieses Vertrauen zu verlieren. Das ist das Herz des Films.«
(„A ‚Whale‘ of a Tale“, Interview mit Sarah Epstein Moninger für die Website der University of Iowa, abgerufen 23.04.2023)

Regisseur Darren Aronofsky über seine Reaktion auf das Theaterstück
»Ich machte die Erfahrung, die die meisten Zuschauenden machen werden. Als das Stück begann, hatte ich zu keiner der Personen einen Bezug. Aber innerhalb von 10, 15 Minuten begann ich mehr und mehr mit ihnen zu fühlen, und am Ende brachen sie mir das Herz«
(Aus einem vom British Film Institute am 23.02.2023 veröffentlichten Gespräch mit Lou Thomas)

Ein Preis- und Nominierungsregen prasselte nach der Uraufführung auf den Autor nieder. Das Theatermagazin Playbill erklärte 2014 sogar zum »Hunter-Jahr« weil nicht nur „The Whale“, sondern auch seine ebenso klug strukturierten und zugleich lustigen wie verstörenden Stücke „The Few“ (»Einer unserer besten jungen Dramatiker setzt seinen Aufstieg fort«. Time Out New York), „A Great Wilderness“ und „Rest“ auf vielen Spielplänen standen.

Die Verfilmung „The Whale“ von Regisseur Darren Aronofsky, für die Autor Samuel D. Hunter selbst das Drehbuch schrieb, feierte am 4. September 2022 bei den Filmfestspielen Venedig eine umjubelte Weltpremiere und ist seit dem 27. April 2023 in den deutschen Kinos zu sehen. Brendan Fraser wurde für seine anrührende Darstellung des Charlie mit einem OSCAR als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet und erhielt auch den Critics‘ Choice Award in dieser Kategorie. Einen zweiten OSCAR gewann der Film für das beste Make-up. Hong Chau in der Rolle der Liz war für einen OSCAR als beste Nebendarstellerin nominiert.

Brendan Fraser und Torsten Münchow_c_Sebastian Grabsch

OSCAR-Preisträger Brendan Fraser (Bild oben, links), der amerikanische Hauptdarsteller, fasst Hunters emotional zerreißende Geschichte bei der Präsentation des Films in Berlin so zusammen: »Es ist ein Film über Liebe und Erlösung und über hart erkämpfte Hoffnung. Ich bin mir sicher, dass man ein Herz aus Stein haben muss, wenn man am Ende nichts fühlt. Ich glaube, dass wir mit diesem Film die Herzen und Köpfe verändern können. Und jeder, der diesen Film sieht und Vorurteile hat, wird seine Empfindungen in Frage gestellt sehen«.

Torsten Münchow (Bild oben, rechts) wurde im April 2023 in Lübeck mit dem erstmals ausgeschriebenen „Cinestar Dubbing Award“ für die Synchronisation von OSCAR-Preisträger Brendan Fraser geehrt.

Preise und Auszeichnungen (Auswahl) Samuel D. Hunters
2011 Obie Award in der Kategorie Theaterstücke für „A Bright New Boise“
2011 Gewinner des Sky Cooper New American Play Prize der Marin Theatre Company für „The Whale“
2012 Gewinner des Whiting Award in der Kategorie Drama
2013 Gewinner des Drama Desk Award in der Kategorie Outstanding Play für „The Whale“
2013 Gewinner des Lucille Lortel Award in der Kategorie Outstanding Play für „The Whale“
2014 Gewinner eines Stipendiums der McArthur-Stiftung („Genius Grant“)
2022 Gewinner des New York Drama Critics‘ Award für das Beste Stück für „A Case for the Existence of God“
Nominierungen für den Drama Desk Award in der Kategorie Outstanding Play
2011 „A Bright New Boise“
2013 „The Whale“
2019 „Lewiston/Clarkston“
2020 „Greater Clements“

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Pressestimmen

Zum Stück

Dieses Stück ist alles andere als zurückhaltend. Es ist intensiv, witzig, anrührend und hilft einem, sich selbst genauer unter die Lupe zu nehmen.
DENVER Michael Mulhern, Broadway World, 26.01.2012

Wunderschön niederschmetternd. […] Eines der allerbesten Stücke 2012. Hunter […] ist ein beeindruckendes Schreibtalent.
CHICAGO, Chris Jones, Chicago Tribune, 16.04.2013

Scharfsinnig und oft witzig. […] Erschütternd gut.
NEW YORK Dave Cote, Time Out New York, 05.11.2012

Gleichermaßen dynamisch wie erschütternd […] Mein Blick klebte an der Bühne […] Das Stück ist so fesselnd, dass man nichts verpassen möchte.
NEW YORK Rex Reed, New York Observer, 06.11.2012

Außergewöhnlich […] Hunter konstruiert ein übergroßes Schauer-Szenario in zärtlicher Miniatur.
NEW YORK Scott Brown, Vulture/New York Magazine, 07.11.2012

Zur Verfilmung

„The Whale“ ist ein psychologisch nuanciertes Drama über einen überaus reichhaltigen, komplexen und widersprüchlichen Charakter, der eben auch über die Maßen dick ist.
Sandra Kegel, FAZ.net, 26.04.2023

Darren Aronofskys Drama „The Whale“ ist ein Film, vor dem man eigentlich warnen müsste, weil er so verstörend ist – und den man doch wärmstens empfehlen will. […] Die Geschichte dieses Mannes ist herzzerreißend.
Walli Müller, NDR kultur, 24.04.2023

Tatsächlich erweckt die drastische Eröffnungssequenz den Eindruck, der Umgang mit Fettleibigkeit im Film sei von zweifelhafter Sensationssucht geprägt. […] In Wahrheit ist es aber, wie das mit der Wahrheit oft so ist, wesentlich komplizierter. „The Whale“ ist als Parabel, die mindestens so zartfühlend wie schonungslos von Empathie und Erlösung handelt, etwas viel Ehrlicheres und damit Kostbareres.
Arabella Wintermayr, TAZ.de, 26.04.2023

Durch Fatsuit und Gesichtsprothesen hindurch lässt Fraser seine Figur erstrahlen, die trotz fataler Selbstzerstörung nicht aufhört, in anderen Menschen zuerst das Gute zu sehen.
Martin Schwickert, RP-Online, 26.04.2023

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Biografien

Samuel D. Hunter  Autor
Samuel D. Hunter, geboren 1981 in Moscow, Idaho, ist ein bestens ausgebildeter Theaterschriftsteller, der seinen Beruf von der Pike auf erlernte. Einen großen Teil seiner Schulzeit verbrachte er an einer evangelikalen Schule im heimatlichen Idaho, die er jedoch verlassen musste, als er sich als homosexuell outete. Dank der Ermutigung eines Lehrers an seiner neuen Schule wandte er sich dem Schreiben zu und setzte den Startschuss für seine Karriere als Theaterautor. Sein erstes Stück schrieb Hunter mit 16 und konnte tatsächlich das örtliche Community Theatre dazu überreden, es für eine Summe von 300$ zu produzieren. Dabei lernte er vor allem, dass er noch einiges zu lernen hatte, um ein guter Bühnenschriftsteller zu werden. So bewarb er sich direkt nach der High School für das Bachelor-Programm in dramatischem Schreiben an der New York University. Nach dem Abschluss dort erhielt er ein Stipendium für den Playwrights Workshop der University of Iowa, ein Master-Programm in dramatischem Schreiben, das er 2007 erfolgreich abschloss. Im Anschluss ging er für ein Graduiertenstudium an die renommierte Juilliard School in New York. Bereits während seiner Zeit an der University of Iowa wurden drei seiner Stücke von studentischen Theatergruppen der Uni gezeigt. Eines davon, „I Am Montana“ wurde 2009 auch am Londoner Arcola Theatre aufgeführt und brachte ihm seinen Platz an der Juilliard School ein. Seit seinem New York-Debüt „Jack’s Precious Moment“ im Jahr 2010 verging kaum ein Jahr ohne eine New York-Premiere eines seiner Stücke. Publikum und Kritik zeigten sich immer wieder begeistert von Hunters kritischem Blick auf kontroverse Themen und seiner zutiefst empathischen Darstellung von Menschen, die in der Theaterliteratur sonst nicht so häufig vorkommen: Niedriglohnverdienende, Supermarktmitarbeiter*innen, ganz normale Menschen, oft verortet in den kleinstädtischen Milieus des mittleren Westens der USA, die Hunter aus eigener Erfahrung kennt. Bereits 2011 wurde mit „A Bright New Boise“ eines seiner ersten in New York gezeigten Werke mit dem Obie Award ausgezeichnet und für den renommierten Drama Desk Award in der Kategorie Bestes Stück nominiert. Weitere Nominierungen und Preise folgten, darunter 2013 ein Drama Desk Special Award für „The Whale“. Zuletzt feierte im April 2022 „A Case for the Existence of God“ eine umjubelte Premiere am Signature Theatre. Das Stück wurde mit dem New York Drama Critics‘ Award als bestes Stück ausgezeichnet. Nach dem überwältigenden Kinoerfolg der Filmadaption von „The Whale“ brachte das Signature Theatre im Januar 2023 zudem eine Neuinszenierung von „A Bright New Boise“ auf die Bühne.

Neben seiner Arbeit als Theaterautor war Hunter auch als Autor und Produzent an der Emmy-prämierten Comedy-Serie „Baskets“ beteiligt, die in vier Staffeln von 2016 bis 2019 beim US-Fernsehsender FX lief. Samuel D. Hunter lebt und arbeitet in New York, wo er derzeit als Haus-Autor (‚Writer in Residence‘) am Signature Theatre tätig ist.

Von großer Anerkennung für das in Hunter und seinem Werk steckende Potential zeugt seine Auszeichnung mit einem Stipendium der McArthur-Stiftung im Jahr 2014. Mit dieser informell auch „Genius Grant“, also „Genie-Förderung“, genannten und hoch dotierten Auszeichnung werden seit 1981 jährlich ausgewählte US-Bürger bedacht, die sich durch besondere Originalität und Hingabe in ihrem kreativen oder wissenschaftlichen Schaffen hervortun.

Stephan Hoffmann  Regie
Stephan Hoffmann wurde 1960 in Trier geboren. Er absolvierte seine Schauspielausbildung von 1980 bis 1983 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz. Seit 1986 ist er in München und Berlin als Schauspieler, Sprecher, Autor und Synchronregisseur freischaffend tätig. … mehr

TORSTEN MÜNCHOWTorsten Muenchow_c_Andreas Baethe
Torsten Münchow, in West-Berlin geboren, ist Schau- und Stimmspieler sowie Regisseur und „Kultur-Brückenbauer“ zwischen Deutschland und Polen. Neben seiner Bühnentätigkeit in München, Hamburg, Berlin, Wien und Danzig steht Münchow auch für Film und Fernsehen vor der Kamera wie für die Kinofilme „Keep On Running“, „Superbrain“ (mit Oliver Reed) mehr