Gott

EURO-STUDIO Landgraf
GOTT
Schauspiel von Ferdinand von Schirach
(„Terror“)

ca. 28. September – 10. November 2022

Regie: Miraz Bezar („Aus dem Nichts“)
Ausstattung: Stephan Mannteuffel

Mit Ernst Wilhelm Lenik („Vater“), Klaus Mikoleit („Buddenbrooks“, „Der Zauberberg“ usw.),
Karin Boyd („Die Wahrheit“, „Zweifel“), Pia Hänggi, Christian Meyer („Terror“, „Aus dem Nichts“), Wolfgang Seidenberg („Hexenjagd“, „Zweifel“, „Amadeus“), Martin Molitor („Tod eines Handlungsreisenden“, „Aus dem Nichts“), Susanne Theil („Tod eines Handlungsreisenden“)

Aufführungsrechte: Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH

Wie schon bei „Terror“ haben auch diesmal zwei Theater das Rennen um die Uraufführung gewonnen. Am 25.04.2020 kommt Ferdinand von Schirachs zweites Theaterstück zeitgleich am Düsseldorfer Schauspielhaus, inszeniert von Robert Gerloff, und am Berliner Ensemble zur Uraufführung. Regie in Berlin führt Oliver Reese, der – damals noch Intendant am Schauspiel Frankfurt – auch Schirachs erstes Theaterstück „Terror“ als Erster auf die Bühne brachte.

DIASHOW

Inhalt
Unser Tod soll nicht erschrecken, er soll andere nicht behelligen, er soll selbstbestimmt und friedlich sein. Können wir diese Entscheidung für uns treffen und auf Beistand hoffen? Also: Wahltod statt Qualtod? Bis vor Kurzem war dies nach geltendem deutschem Recht nicht möglich. Paragraf 217 des Strafgesetzbuches vom Dezember 2015 verbot die »geschäftsmäßige Förderung« von Suizid. Dagegen hatten Ärzte, Privatpersonen,Sterbeorganisationen, Pfleger und Rechtsanwälte Verfassungsbeschwerde eingelegt. Das Verbot – so die Beschwerdeführer – verletze ihre Grundrechte. Denn wenn der Staat Sterbehilfe verbiete, so verwehre er das Recht auf selbst bestimmtes Sterben. Am 26. Februar 2020 hat das Verfassungsgericht dieses Verbot nun für verfassungswidrig erklärt. Doch was bedeutet das für unsere Zukunft? Wie wird der Gesetzgeber handeln, um die Suizidhilfe mit Erlaubnisvorbehalten, Aufklärungs- und Wartepflichten etc. zu regulieren? Und: Ist das Ganze überhaupt wünschenswert, ethisch vertretbar und zukunftsweisend — oder treten wir damit eine Lawine los, deren Ausmaße wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht absehen können…?

In seinem zweiten Theaterstück widmet sich Ferdinand von Schirach erneut einem Thema von höchster gesellschaftspolitischer Relevanz. „Gott“ stellt Fragen, die die menschliche Freiheit, Autonomie und Selbstbestimmung betreffen. Fragen, die im Spannungsfeld von Moral, Christentum und Politik seit Jahren unterschiedlich und leidenschaftlich diskutiert werden. Wie schon in „Terror“ muss der Zuschauer seine moralischen Wertvorstellungen im Hinblick auf die im Grundgesetz garantierte Würde des Menschen und die Verantwortung jedes einzelnen für jeden einzelnen überprüfen. „Gott“ will eine Debatte anstoßen, die der Gesetzgeber und die Gesellschaft öffentlich führen müssen.

TRAILER

Der Autor FERDINAND VON SCHIRACH
Kaum ein anderer Schriftsteller ist zur Zeit so gefragt wie Ferdinand von Schirach. Der 1964 in München geborene Strafrechtsverteidiger und Autor wurde als Zehnjähriger im Jesuiten-Internat in St. Blasien im Schwarzwald eingeschult und machte dort 1984 Abitur. Nach Studium in Bonn und Referendariat in Köln und Berlin ließ er sich 1994 als auf Strafrecht spezialisierter Rechtsanwalt in Berlin nieder. Dass der durch einige Aufsehen erregende Prozesse zum bekannten Strafverteidiger gewordene Anwalt heute nur noch Beratungsmandate annimmt, aber keine Hauptverhandlungen mehr führt, hat einen spektakulären Grund: Die Veröffentlichung von elf Kriminal- und Justizgeschichten unter dem Titel „Verbrechen“ stellte das bisherige Leben des 45-Jährigen 2009 total auf den Kopf. Buchstäblich über Nacht wurde er durch die Kriminalstorys, die Fällen aus seiner Anwaltskanzlei nachempfunden waren, nicht nur bei uns, sondern international zum Bestsellerautor. Die Rechte wurden in über 30 Länder verkauft. Für das »meistbeachtete Debüt« erhielt er 2010 den Kleist-Preis, eine der angesehensten Auszeichnungen, die der deutsche Literaturbetrieb zu vergeben hat.

Die suggestiv erzählten Geschichten, in denen er (als Anwalt und Autor) die Leserinnen und Leser zum Nachdenken darüber zwingt, was einen Täter zum Täter macht, und warum es zu einem Verbrechen kommt, standen 54 Wochen auf der SPIEGEL-Belletristik-Bestsellerliste. Die theoretische Frage, ob sich der Überraschungserfolg von „Verbrechen“ wiederholen würde, stellte sich erst gar nicht: Als hätten sie nur darauf gewartet, stürmten die Leserinnen und Leser 2010 die Läden und bescherten von Schirachs Nachfolgewerk „Schuld“ sofort den Spitzenplatz der SPIEGEL-Bestsellerliste. »Wie „Verbrechen“, nur besser«, urteilte die Kritik über die 15 verstörenden, sich wieder einer einfachen Kategorisierung entziehenden Geschichten, in denen von Schirach – wie immer unter Wahrung des Persönlichkeitsrechts seiner Mandanten – erneut das Spannungsfeld, in dem sich Täter und Opfer bewegen, in den Mittelpunkt stellte. Auf der Suche nach der Wahrheit versteht man beim Lesen am Ende den Täter, aber nicht die Tat. Nicht vorhersehbar war, ob von Schirach auch mit einem Roman seine fulminant begonnene literarische Karriere fortsetzen könnte. Aber schon „Der Fall Collini“ über einen politisch brisanten Mordprozess wurde zum internationalen Bestseller, den das Wall Street Journal zu den »10 Best Mysteries 2013« zählte. Ebenso erfolgreich wurde der 2013 veröffentlichte Roman „Tabu“, in dem ein Künstler und ein Anwalt versuchen, zu begreifen, dass Wirklichkeit und Wahrheit verschiedene Dinge sind. Um aktuelle juristische Fragestellungen geht es in der im August 2014 erschienenen Essaysammlung „Die Würde des Menschen ist antastbar“. Die Würde des Menschen ist unantastbar, sagt das Grundgesetz. Aber was heißt Würde? Wie sie angetastet wird, beschreibt von Schirach in den wie immer präzise und überzeugend formulierten, zwischen 2010 und 2013 für den SPIEGEL geschriebenen Essays. Sie erhalten ihre Dramatik dadurch, dass der Autor aufwühlende Taten dem rationalen Prozess der Rechtsfindung gegenüberstellt. Wie schon die Romane „Der Fall Collini“ 2011 und „Tabu“ 2013 stieg 2014 auch „Die Würde ist antastbar“ auf Platz 2 der SPIEGEL-Bestsellerliste ein und im Juni 2020 stand der Band „Trotzdem“, ein Gespräch zwischen Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge über die gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie , auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. In „Du bist, wer du bist“, einem der darin enthaltenen Essays, schreibt von Schirach über seinen Großvater Baldur. Der für den Abtransport der jüdischen Menschen verantwortliche Gauleiter von Wien wurde 1946 bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen zu 20 Jahren Haft wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Der Autor war zwei Jahre alt, als sein Großvater 1966 aus dem Gefängnis Spandau entlassen wurde. Mit seinem ersten Theaterstück „Terror“ (UA 2015) gelang Ferdinand von Schirach dann auch noch ein fulminanter internationaler Bühnenerfolg. Das Stück wurde in 14 Sprachen übersetzt und beschäftigt seitdem in zahlreichen Inszenierungen das Publikum in Europa, Asien, Australien, Afrika, Nord- und Südamerika. Auf der Website https://terror.theater/ sind die Abstimmungsergebnisse aller Aufführungen des Stückes von 106 Theatern weltweit seit der Uraufführung dokumentiert. Das EURO-STUDIO Landgraf erhielt für seine Produktion „Terror“, die von 2017 bis 2019 tourte, den 1. INTHEGA-Preis 2017. Auch die Fernsehverfilmung (ARD/ORF/SRF 2016) erhielt Spitzen-Einschaltquoten und wurde im Anschluss rege diskutiert.

Auszüge aus Pressestimmen

Die Frage von Leben und Tod
Ferdinand von Schirach greift in seinen Texten grundlegende ethische Fragen auf, indem er diese bis aufs äußerste zuspitzt und dadurch zur offenen Auseinandersetzung provoziert. In „Gott“ geht es um Sterbehilfe und somit um Leben und Tod.
Mit Gärtner beginnt das Stück. Er trägt bei seinem Auftritt eine Kiste. Die Kiste birgt Erinnerungen, darunter auch ein leichtes Sommerkleid seiner Frau, mit dem er noch im Halbdunkel der Bühne gefühlvoll tanzt.
Der Deutsche Ethikrat verhandelt auf der Bühne die Frage nach der Rechtmäßigkeit von Sterbehilfe und damit auch die nach dem individuellen Recht auf einen selbstbestimmten Tod.
Entlang dieser Argumentationslinien entwickelt sich eine mit großem Ernst und Engagement geführte Debatte. Im Publikum ist und bleibt es ungewohnt mäuschenstill, bis es darüber abstimmen soll, ob Richard Gärtner die geforderte Hilfe erhalten soll.
Eine tief bewegende Inszenierung mit großartigem Ensemble, die jeden zwingt, über die eigene Haltung zu dieser Frage von Leben und Tod nachzudenken.
TITISEE-NEUSTADT Erich Krieger, Badische Zeitung, 17.10.2020

Bewegendes Stück 
Achtköpfiges Ensemble bewegte die Zuschauer mit einem leidenschaftlichem Diskurs: Wer bestimmt über mein Leben?
Ferdinand von Schirach ist Strafverteidiger. Aber nicht nur. Als Schriftsteller und Dramatiker hat er immer wieder die Bestseller-Listen angeführt. Sein aktuelles Stück greift das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur sogenannten geschäftsmäßigen Sterbehilfe auf.
Das Votum am Ende des Stücks zeigt die Ambivalenz des Themas: Womöglich gibt es nicht die eine richtige oder falsche Haltung. Sondern Pluralismus auch hier, Wertschätzung für andere Maßgaben und Umstände, echte Toleranz?
Ein eindrucksvoller Theaterabend, dessen Essenz sicher bei so manchem Zuschauer noch lange nachklingen dürfte.
Ein eindrucksvoller Theaterabend, dessen Essenz sicher bei so manchem Zuschauer noch lange nachklingen dürfte.
BAD OEYNHAUSEN GAP, Westfalen-Blatt, 28.09.2020

Brandaktuelles Thema
Am Ende gibt es jubelnden Applaus und stehende Ovationen – nicht nur für das engagiert angegangene Thema, sondern auch für die überzeugende Umsetzung durch das EURO-STUDIO Landgraf.
BAD OEYNHAUSEN Elke Niedringhaus-Haasper, Neue Westfälische Zeitung, 28.09.2020.

Zerrieben im Widerstreit von Experten
Hier fehlte alles, was ein Bühnenstück ausmacht: Leidenschaft und Dramatik, Humor, Tragik, Bühnenbild, Identifikationsfiguren. Also ein Flop im Lessingtheater? Nichts von dem. Das Werk „Gott – Wer entscheidet über unseren Tod?“ von Ferdinand von Schirach beeindruckte mit messerscharfer Prägnanz und kompromissloser Formenstrenge. Und das erzeugte eine Handlungsdichte, die die Zuschauer bis zum Schluss packte. (…) Und dann die Tragik der Hauptperson. Da leistet sich der so auf Objektivität achtende Autor, oder ist es die Regie, bewusst einen dramaturgischen, parteinehmenden Bruch: Plötzlich erscheint auf einer Leinwand das Bildnis der sterbenden Ehefrau. Der gequälte Mensch als Anfang und Ausgangspunkt des Falles. Eine aufwühlende Zäsur. (…)
Eine überzeugende schauspielerische Ensembleleistung. Langer dankbarer Beifall.
WOLFENBÜTTEL Rainer Sliepen, Braunschweiger Zeitung, 03.11.2020

Ernst Wilhelm Lenik_Copyright_Sabine HaymannERNST WILHELM LENIK
Aus jeder Rolle, die er spielt, macht Ernst Lenik, der sein überragendes Handwerk an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München lernte, etwas Besonderes. Erste Engagements führten ihn nach Kiel, Zürich, Frankfurt, ans Staatstheater Stuttgart (unter Claus Peymann) sowie nach München und Berlin. In Aachen, wo er bis zu seinem Wechsel nach Stuttgart engagiert war, spielte er u. a. Titelrollen in Lessings… mehr

Portrait Klaus Mikoleit©Klaus MikoleitKLAUS MIKOLEIT
Nach den mit jeweils über 200 Vorstellungen sehr erfolgreichen EURO-STUDIO Landgraf-Produktionen „Der Zauberberg“ und „Buddenbrooks“ (2. INTHEGA-Preis 2009), in denen er als Hofrat Behrens bzw. Konsul Johann Buddenbrook glänzte sowie seiner Tournee mit Lionel Goldsteins Zwei-Personen-Stück „Halpern & Johnson“ (2014/15) freuen wir uns, dass Klaus Mikoleit in der kommenden Spielzeit erneut… mehr

Portrait Karin Boyd©Henry HusenKARIN BOYD
Auch wenn die gebürtige Berlinerin deutsch-amerikanischer Herkunft dem Publikum aus Fernsehproduktionen wie „Ein Fall für Zwei“, „Das Traumschiff“, „Polizeiruf 110“, „Tiefenrausch“, „Familiengeheimnisse“, „Nur eine kleine Affäre“ (GRIMME-Preis 1995) und vielen anderen mehr – vor allem aber als Tänzerin Juliette Martens in István Szabós OSCAR-prämiertem Film „Mephisto“ an der Seite von Klaus Maria Brandauer aus dem Jahr… mehr

Christian Meyer ©Sarah StockCHRISTIAN MEYER
Bühnentalent zeigte der in Dresden geborene und ab 1992 bei Frankfurt am Main aufgewachsene Schauspieler bereits im zarten Alter von 13 Jahren im seinerzeit renommierten Schultheater der CWS Usingen unter Leitung des Autors und Theaterkenners Thomas Striebig – und später in lokalen Amateurtheater-Ensembles. Im Sommer 2004 gewann er bei einem Vorsprechen ein Stipendium an der ehemaligen Münchner… mehr

Wolfgang Seidenberg (c) Sabine HaymannWOLFGANG SEIDENBERG
Der gebürtige Siegburger Wolfgang Seidenberg absolvierte seine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. In Wien hatte er auch seine ersten Theaterengagements, u. a. am Akademietheater, am Schauspielhaus und an der Kleinen Komödie. Unter der Intendanz von Peter Lotschak spielte er über zwölf Jahre bei den Bad Hersfelder Festspielen, u. a. die Titelrollen… mehr

Martin Molitor ©Sarah MundMARTIN MOLITOR
Martin Molitor arbeitete lange in unterschiedlichsten Jobs im Ruhrgebiet, bevor er an verschiedenen Theatern zwischen Münster und Bonn engagiert war, v. a. immer wieder am Prinzregenttheater in Bochum. Nach seinem Umzug nach Berlin im Jahr 2000 spielte er in der Hauptstadt u. a. am Ballhaus Ost, am Theaterdiscounter, am Deutschen Theater, in den Sophiensaelen, am Hebbel am Ufer (HAU), an der… mehr

Susanne Theil ©Magdalena PohlusSUSANNE THEIL
Die zur Zeit in Stuttgart lebende Schauspielerin absolvierte ihre Ausbildung an der Freiburger Schauspielschule im E-Werk. Es folgte ein Festengagement am Sandkorn Theater Karlsruhe. Ab der Spielzeit 2010/2011 gehörte sie bei Intendant Manfred Langner zu den Stammschauspieler*innen an den Schauspielbühnen in Stuttgart: am Alten Schauspielhaus war sie u. a. zu sehen in Shakespeares „Othello“ und „Viel Lärm um nichts“… mehr

Zuletzt aktualisiert: 18.08.2022