Endlose Aussicht

Produktion Kunstfest Weimar
(Künstlerische Leitung: Rolf C. Hemke) /
EURO-STUDIO Landgraf
ENDLOSE AUSSICHT
Schauspiel von Theresia Walser

Einzeltermine nach Absprache in der ganzen Spielzeit möglich

Mit Judith Rosmair

Regie: Judith Rosmair & Theresia Walser
Dramaturgische Begleitung: Rolf C. Hemke & Marlies Kink
Video: Theo Eshetu

Uraufführung: 3. September 2020
Alte Feuerwache Weimar, im Rahmen des Kunstfests Weimar 

Online-Beitrag von MDR Kultur:
Globalisierung und Spaßgesellschaft – Theresia Walsers „Endlose Aussicht“
Am Freitag, den 11.09.2020 sendet das ZDF einen Beitrag um 23 Uhr in „aspekte.

Kunstfest Weimar: Auf dem trunkenen Schiff
Judith Rosmair spielt Theresia Walsers Monolog
„Endlose Aussicht – Ferien auf dem Seuchendampfer“

Michael Helbing (Thüringer Allgemeine, 06.09.2020)
Weimar. Ein Harald-Juhnke-Bonmot erlebte im Corona-Frühjahr neue Konjunktur: „Meine Definition von Glück? Keine Termine und leicht Einen sitzen.“ Insofern müssten wir uns Jona als glücklichen Menschen vorstellen. Doch weit gefehlt. „Das ganze Unglück der Menschheit“, erklärt uns Jona, „rührt daher, dass es der Mensch nicht mit sich allein in einem leeren Zimmer aushält.“ Genau das aber ist die Aufgabe. Jona – das verweist auf den biblischen Propheten, den ein Wal verschluckte. Doch sehen wir hier eine alleinstehende Frau, die von der Zeit verschluckt wird. Jona befindet sich auf Kreuzfahrt, 32 Kondome im Gepäck. Zehn Tage Karibik. Jetzt sind‘s schon zwanzig. Mindestens. Und von 3228 Passagieren sind drei schon tot. Die „Tamburin“ ist ein trunkenes Schiff, aber „kein gesundes“. Sie liegen vor Bora Bora und haben die Lungenpest an Bord. Alle in Quarantäne… mehr

Ferien auf dem Seuchendampfer
Jona sitzt in ihrer Kabine vor ihrem Frühstücksei. 10 Tage Rundreise Pazifik, Panamakanal, Karibik. Ihre Geschwister haben ihr diese Kreuzfahrt geschenkt. Nur dass die Reise längst vorbei ist. Und sie noch immer hier sitzt: 38 oder 40 Tage? Wobei sie nicht sicher ist, ob es bereits wieder Abend ist. Zum Ei ein Schlückchen Weißwein, da macht man nichts verkehrt. Schließlich verschwimmen die Zeitzonen in diesen Gewässern. Und was bedeutet schon Zeit angesichts dieser endlosen Brühe da draußen? Immerhin hat sie eine Einzelkabine, zwar ohne Fenster, aber mit Kabelfernsehen! Selbst das Meer geht ihr inzwischen auf die Nerven. Mit ihrem Smartphone versendet Jona Nachrichten, Lebenszeichen, Berichte von einem Schiff, das seit Wochen auf dem Meer herumtreibt wie ein riesiger fauler Backenzahn. Ihr Monolog kennt viele Stimmen: Sie redet nicht nur mit sich, sie redet mit allen, die nicht mehr um sie sind. Längst ist sie Teil einer Kreuzfahrtgesellschaft, die sich an die monströse Normalität gewöhnt hat. Zum Glück ist auch das Glück eine Erfindung!

Theo Eshetu (c) Theo EshetuTheresia Walser ist eine der erfolgreichsten Dramatiker*innen ihrer Generation. Der Text wird von Judith Rosmair zum Leben erweckt, die bereits als Protagonistin an vielen der führenden deutschsprachigen Bühnen zu sehen war. Für das Videodesign zeichnet der DOCUMENTA-Künstler Theo Eshetu (Foto links) verantwortlich.

 

Biografien

Theresia Walser (c) Susanne JeffsTHERESIA WALSER
Die 1967 in Friedrichshafen geborene jüngste Tochter des bekannten Schriftstellers Martin Walser gehörte nach ihrer Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Bern zwei Jahre lang zum Ensemble am Jungen Theater Göttingen. 1997 wurden ihre ersten beiden Stücke uraufgeführt: „Das Restpaar“ in Stuttgart und „Kleine Zweifel“ an den Münchner Kammerspielen. Über Nacht berühmt wurde sie dann 1998 nach der Uraufführung ihres Stücks „King Kongs Töchter“ am Zürcher Theater am Neumarkt. 1998 wählte sie die Kritikerauswahl der Zeitschrift Theaterheute zur besten Nachwuchsautorin, 1999 sogar zur Autorin des Jahres. Weitere Preise und Auszeichnungen folgten, u. a. 1998 die Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises des Landes Baden-Württemberg, 1999 der Übersetzungspreis des Goethe-Instituts und 1999 sowie 2001 jeweils der Stücke-Förderpreis des Goethe-Instituts. 2006 erhielt sie ein Stipendium der BHF-Bank-Stiftung für die Frankfurter Positionen. Ein guter Gradmesser dafür, ob man es als Dramatiker*in geschafft hat, ist sicher die Einladung zu den jährlich stattfindenden Mülheimer Theatertagen. Hier sucht eine Jury aus Theaterfachleuten aus den neuen Stücken der Saison die sieben besten aus. Bislang vier Mal hatte Theresia Walser schon die Ehre, für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert zu sein: 1999 für „King Kongs Töchter“, 2001 für „So wild ist es in unseren Wäldern schon lange nicht mehr“, 2005 für „Die Kriegsberichterstatterin“ und 2008 für „Morgen in Katar“. Vor „Endlose Aussicht“ (UA 2020 im Rahmen des Kunstfests Weimar) wurden zuletzt Theresia Walsers Stücke „Nach der Ruhe vor dem Sturm“ (UA 2018 am Nationaltheater Mannheim) und „Die Empörten“ (UA 2019, Salzburger Festspiele in Koproduktion mit Staatstheater Stutttgart) unter der Regie von Burkhard C. Kosminski uraufgeführt. Im Programm der Konzertdirektion Landgraf lief die EURO-STUDIO-Produktion ihres Stücks „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ 2014-2017 u. a. mit Doris Kunstmann, Saskia Valencia und Reinhild Solf (Regie: Hans Hollmann) erfolgreich auf Tournee.
Theresia Walser lebt bei Freiburg im Breisgau.

Judith Rosmair (c) Manu TheobaldJUDITH ROSMAIR 
Die von der Zeitschrift Theater heute 2007 als Schauspielerin des Jahres ausgezeichnete Darstellerin Judith Rosmair wuchs mit acht Geschwistern in der Nähe von München auf und interessierte sich bereits in der Schulzeit für Musik und Tanz. Ihre Ausbildung zur Bühnenkünstlerin machte sie dann an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, an der sie gleich bei ihrem allerersten Schauspielschul-Vorsprechen angenommen wurde. Ihr erstes Engagement führte sie danach direkt an das renommierte Schauspielhaus Bochum, wo sie Gelegenheit hatte, mit so bekannten Regisseuren wie u. a. Leander Haußmann, Frank Castorf, Jürgen Gosch oder Dimiter Gotscheff zu arbeiten. Hier verkörperte sie u. a. große klassische Rollen wie Gretchen in Goethes „Urfaust“, Ariel in Shakespeares „Der Sturm“ oder Klara in Hebbels „Maria Magdalena“. Bei den Nibelungen-Festspielen Worms besetzte sie Regisseur Dieter Wedel 2002 als Brünhild in „Die Nibelungen“. Von 2000 bis 2008 war sie fest am Thalia Theater Hamburg engagiert und spielte u. a. in Inszenierungen von Franz Wittenbrink (Kismet in Wittenbrinks „Vatertag“), Nicolaus Stemann (Gudrun Ensslin in Jelineks „Ulrike Maria Stuart“), Dimiter Gotscheff (Dorinde in Molières „Tartuffe“), Niklaus Helbling (Franziska in Lessings „Minna von Barnhelm“) und Martin Kusej (in Feydeaus „Der Floh im Ohr“ und Marlowes „Edward II.“). Im Anschluss ging sie an die Schaubühne Berlin, wo sie von 2008-2012 zum festen Schauspielensemble gehörte. An diesem Haus arbeitete sie mit Regisseur*innen wie u. a. Ivo van Hove (Molières „Der Menschenfeind“), Falk Richter/Anouk van Dijk („Protect Me“, „Trust“, Schillers „Kabale und Liebe“) und Thomas Ostermeier (Shakespeares „Hamlet“, „Der Schnitt“ von Mark Ravenhill). Es folgten Engagements am Düsseldorfer Schauspielhaus, Schauspiel Köln, Renaissance-Theater Berlin (u. a. in Theresia Walsers „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“, Regie: Tina Engel) und St. Pauli Theater Hamburg (in Dennis Kellys „Waisen“, Regie: Wilfried Minks, Rezas „Bella Figura“, Regie: Ulrich Waller). Am Pariser Colline Théâtre National spielte sie in Wajdi Mouwads multilingualem Stück „Tous des Oiseaux“ unter der Regie des Autors höchstpersönlich. Mit Regisseur Torsten Fischer erarbeitete sie bereits Stücke wie „Wir lieben und wissen nichts“ von Moritz Rinke (Renaissance Theater Berlin 2014), Henry Purcells „King Arthur“ (Gärtnerplatz Theater München 2016), „Willkommen“ und „Wunschkinder“ von Lutz Hübner/Sarah Nemitz (Renaissance-Theater Berlin 2017) und 2018 Rezas „Der Gott des Gemetzels“ am Theater in der Josefstadt Wien. Neben ihrer erfolgreichen Bühnentätigkeit steht sie aber auch immer wieder für TV-Serien vor der Kamera (u. a. für „Bella Block“, „Doppelter Einsatz“, „Großstadtrevier“, „Tatort“, Polizeiruf 110“, „München Mord“) und dreht Fernsehfilme wie u. a. „Mein Sohn Helen“ (ARD 2014), „Inspektor Jury“ (ZDF 2016) oder „Berthold Beitz – Ein unruhiges Leben“ (ARD 2019). Und auch im Kino war sie bereits zu sehen: 2012 im Kinderfilm „Das kleine Gespenst“ (Regie: Alain Gsponer) und 2018 in David Dietls „Rate your Date“.

Zuletzt aktualisiert: 11.09.2020