Aus dem Nichts


EURO-STUDIO Landgraf
Aus dem Nichts
Politthriller nach dem gleichnamigen Film von Fatih Akin

ca. 27.09.2019 – 10.11.2019

Regie: Miraz Bezar

Mit Mathias Kopetzki (Katjas Anwalt),
Christian Meyer (Verteidiger des Neonazi-Pärchens) u. a.
ca. 11 Mitwirkende

Zur Bühnenfassung
Am Theater Bremen wird am 14.02.2019 die Dramatisierung von Armin Petras uraufgeführt. Danach wird entschieden, ob wir diese Adaption übernehmen oder eine eigene Fassung in Auftrag geben.

Es gab in der Geschichte der Bundesrepublik nur vier Prozesse, die international für Aufsehen sorgten und als Meilensteine für die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte gelten:
• die Nürnberger Prozesse ab 1945, in denen ein internationales Militärtribunal die Haupt-NS-Täter für ihre Verbrechen zur Verantwortung zog
• die Auschwitz-Prozesse ab 1963 in Frankfurt, in denen durch die Auseinandersetzung mit dem Holocaust erstmals auch die Mittäter für ihre Beihilfe zum Massenmord in den Vernichtungslagern zur Rechenschaft gezogen wurden
• die Stammheim-Prozesse ab 1975 in Stuttgart gegen einige Mitglieder der terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF)
• und der Münchner NSU-Prozess ab 2013

2017 brachte der auch international renommierte Hamburger Filmemacher Fatih Akin einen Film über rechtsextremistische Morde in Deutschland aus Sicht der Opfer und Hinterbliebenen heraus. Jetzt geht der brandaktuelle Stoff über den Umgang des deutschen Rechtsstaats mit Opfern und Tätern nationalsozialistischer Verbrechen als Bühnenstück mit dem EURO-STUDIO auf Tournee!

„Aus dem Nichts“ zieht den Zuschauer in einen seelischen und moralischen Konflikt von schier antiker Wucht hinein. [Das macht das Thema] zu einem eindringlichen berührenden Drama.
Ursula März, www.zeit.de/audio, 22.11.2017

Zum Inhalt
Es ist eine Geschichte, die man nie erleben möchte, ein emotionales Drama über Verlust und Trauer, das noch lange beschäftigt: An einem Nachmittag bringt Katja ihren kleinen Sohn Rocco ins Büro ihres deutsch-kurdischen Mannes Nuri. Als sie am Abend zurückkehrt, sind beide tot. Eine vor dem Büro deponierte Nagelbombe hat alles zerfetzt. Katjas Welt hat sich aus dem Nichts heraus für immer verändert. Vor dem Anschlag hatte sie am Tatort eine junge Frau gesehen, die ihr mit einem schwarzen Behälter bepacktes Fahrrad an einer Laterne abstellte. Doch statt diese Spur zu verfolgen stürzt sich die Polizei lieber auf Nuris Dealer- bzw. Gefängnis-Vergangenheit und ermittelt im Rotlichtmilieu. Dann gehen ihnen zufällig die wahren Täter ins Netz. Hauptverdächtig ist das Neonazipärchen Möller. Aber der Prozess entwickelt sich anders als Katja erhofft. Obwohl ihr Anwalt Danilo von einer wasserdichten Beweislage ausgeht – in der Garage des Paares werden alle Bestandteile für den Bau einer Bombe gefunden –, gelingt es dem Verteidiger der Angeklagten durch eine perfide Verteidigungsstrategie, die eindeutigen Indizien in Frage zu stellen und den Prozess zu deren Gunsten zu entscheiden: Die Möllers werden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Gedemütigt und entsetzt beschließt Katja, das Gesetz selbst in die Hand nehmen.

Der Regisseur und Autor Fatih Akin besuchte für die Recherche zu seinem hochaktuellen Filmdrehbuch drei Gerichtsverhandlungen des NSU-Prozesses. Anlässlich der Premiere seines Films in Cannes sagte er: »Der Skandal bestand nicht darin, dass deutsche Neonazis zehn Menschen getötet hatten. Der eigentliche Skandal bestand darin, dass die deutsche Polizei, die Gesellschaft und die Medien alle überzeugt waren, dass die Täter Türken oder Kurden sein müssten, dass irgendeine Mafia dahintersteckte.« Diese Frustration war für ihn eine Initialzündung, das Drehbuch zu „Aus dem Nichts“ zu schreiben.

„Aus dem Nichts“ ist ein meisterhafter Rachethriller vor dem Hintergrund der deutschen NSU-Morde, der auf ein provozierendes Ende hinausläuft. Die Parallelen zu der Mordserie von Uwe Mundlos, Uwe Bönhardt und Beate Zschäpe sowie zum anschließenden NSU-Prozess liegen auf der Hand. Die rechtsradikalen Terroristen ermordeten mutmaßlich zehn Menschen und verübten Raubüberfälle und drei Sprengstoffanschläge. Die Polizei tappte jahrelang im Dunkeln und suchte im Umkreis der sowieso schon traumatisierten Opfer nach den Tätern, oder – noch schlimmer – machte die Opfer zu Tätern. Niemand vermutete die Täter im rechten Milieu.

„AUS DEM NICHTS“ – Der Film
2017, 27. Mai: Weltpremiere des Films beim Filmfestival in Cannes.
Hauptdarstellerin Diane Kruger wurde für ihre Leistung mit dem Darstellerpreis als beste Hauptdarstellerin geehrt.

Auszeichnungen
2017 Prädikat »besonders wertvoll«
»Auch wenn die Zuschauer die Fakten kennen (…) ist „Aus dem Nichts“ spannend bis zum Schluss. Ein hervorragend erzähltes, mutiges Drama, das die Jury durch seine minutiöse Dramaturgie überzeugt hat. Sehr nuanciert arbeitet Akin das auf, was nach einer solchen Katastrophe vermutlich geschieht. Schock, Wut, Hass, Trauer, Verzweiflung.« Für diese Leistung erteilte die Jury einstimmig das Prädikat »besonders wertvoll«.
2018 Golden Globe – die nach dem OSCAR höchste Auszeichnung Hollywoods (als Bester nicht-englischsprachiger Film)
2018 Critics’ Choice Award – auch diesen von über 300 Kritikern verliehenen Preis erhielt der Film in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film
2018 Im OSCAR-Rennen um den Besten nicht-englischsprachigen Film stand „Aus dem Nichts“ auf der Shortlist der letzten neun Werke aus insgesamt 92 Ländern.
2018, 27. April: Deutscher Filmpreis für das Beste Drehbuch.

Zum Thema
Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU)
Der NSU war eine neonazistische terroristische Vereinigung in Deutschland, die um 1999 zur Ermordung von Mitbürgern ausländischer Herkunft aus rassistischen und fremdenfeindlichen Motiven gebildet wurde und bis 2011 bestand. Die Haupttäter Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe stammten aus Jena und lebten ab 1998 untergetaucht in Chemnitz und Zwickau. Sie ermordeten zwischen 2000 und 2007 mutmaßlich neun Migranten und eine Polizistin, verübten drei Sprengstoffanschläge (Nürnberg 1999, Köln 2001 und 2004) und 15 Raubüberfälle. Der NSU wurde ab dem 4. November 2011 öffentlich bekannt, als Mundlos und Böhnhardt tot in einem ausgebrannten Wohnmobil gefunden wurden und Zschäpe ihre Zwickauer Wohnung abbrannte sowie Bekennervideos versandte. Bis dahin hatten die Ermittler der Polizei rechtsextreme Hintergründe der Verbrechen weitgehend ausgeschlossen und Täter im Umfeld der Opfer gesucht, was viele Angehörige stigmatisierte. Inlandsnachrichtendienste hatten die rechtsextreme Szene jahrelang beobachtet und durch V-Leute im NSU- Umfeld indirekt finanziell gefördert. Vielschichtiges Versagen und widersprüchliche Beweislagen u. a. zum Tod von Mundlos und Böhnhardt führten zu einer tiefen Krise der deutschen Sicherheitspolitik. Am 6. Mai 2013 wurde der NSU-Prozess gegen Zschäpe und vier mutmaßliche Gehilfen vor dem Oberlandesgericht München eröffnet.
Am 11. Juli 2018 verurteilte das Gericht Beate Tschäpe zu lebenslanger Haft bei besonderer Schwere der Schuld, die Mittäter zu geringeren Haftstrafen. Die Verteidiger aller Angeklagten legten Revision ein, die Bundesanwaltschaft lediglich im Fall von André E. (vgl. www.wikipedia.org)

„Aus dem Nichts“ erzählt auch die Geschichte »des deutschen Rechtsstaates im Umgang mit der NSU«.
Ursula März, ZEIT Online, 22.11.2017 (Filmkritik)