Aus dem Nichts

EURO-STUDIO Landgraf
Aus dem Nichts
Politthriller nach dem gleichnamigen Film von Fatih Akin
(Drehbuch: Fatih Akin, Hark Bohm)
Bühnenfassung für das EURO-STUDIO: Miraz Bezar

ca. 27.09.2019 – 10.11.2019

Regie: Miraz Bezar
Ausstattung: Monika Maria Cleres
Video: Philipp Figueroa

Mit Anna Schäfer (Katja), Mathias Kopetzki, Christian Meyer, Martin Molitor, Maika Troscheit,
Constanze Aimée Feulner, Philip Wilhelmi

Anna Schäfer hat gerade die Dreharbeiten zur sechsteiligen ARD-Serie „Bonusfamilie“ abgeschlossen. Außerdem ist sie u. a. in „Tatort“ zu sehen, in der ZDF-Krimireihe „Stralsund“ (Folge: „Kein Weg zurück“) sowie an der Seite von Sophie von Kessel im TV-Thriller „Du bist nicht allein“.

Es gab in der Geschichte der Bundesrepublik nur vier Prozesse, die international für Aufsehen sorgten und als Meilensteine für die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte gelten:
• die Nürnberger Prozesse ab 1945, in denen ein internationales Militärtribunal die Haupt-NS-Täter für ihre Verbrechen zur Verantwortung zog
• die Auschwitz-Prozesse ab 1963 in Frankfurt, in denen durch die Auseinandersetzung mit dem Holocaust erstmals auch die Mittäter für ihre Beihilfe zum Massenmord in den Vernichtungslagern zur Rechenschaft gezogen wurden
• die Stammheim-Prozesse ab 1975 in Stuttgart gegen einige Mitglieder der terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF)
• und der Münchner NSU-Prozess ab 2013

2017 brachte der auch international renommierte Hamburger Filmemacher Fatih Akin einen Film über rechtsextremistische Morde in Deutschland aus Sicht der Opfer und Hinterbliebenen heraus. Jetzt geht der brandaktuelle Stoff über den Umgang des deutschen Rechtsstaats mit Opfern und Tätern nationalsozialistischer Verbrechen als Bühnenstück mit dem EURO-STUDIO auf Tournee!

„Aus dem Nichts“ zieht den Zuschauer in einen seelischen und moralischen Konflikt von schier antiker Wucht hinein. [Das macht das Thema] zu einem eindringlichen berührenden Drama.
Ursula März, www.zeit.de/audio, 22.11.2017

 

Der Journalist und Publizist Wolf Wetzel ist Autor des Buchs „Der NSU-VS-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund – wo hört der Staat auf?“ und hat am 06.11.2019 einen Artikel über den Film und unser Theaterstück „Aus dem Nichts“ auf der politischen Website NachDenkSeiten veröffentlicht.

Zum Inhalt
Es ist eine Geschichte, die man nie erleben möchte, ein emotionales Drama über Verlust und Trauer, das noch lange beschäftigt: An einem Nachmittag bringt Katja ihren kleinen Sohn Rocco ins Büro ihres deutsch-kurdischen Mannes Nuri. Als sie am Abend zurückkehrt, sind beide tot. Eine vor dem Büro deponierte Nagelbombe hat alles zerfetzt. Katjas Welt hat sich aus dem Nichts heraus für immer verändert. Vor dem Anschlag hatte sie am Tatort eine junge Frau gesehen, die ihr mit einem schwarzen Behälter bepacktes Fahrrad an einer Laterne abstellte. Doch statt diese Spur zu verfolgen stürzt sich die Polizei lieber auf Nuris angebliche Kontakte ins Rotlichtmilieu und hält das Opfer für einen Täter. Dann gehen den Beamten zufällig die wahren Täter ins Netz. Hauptverdächtig ist das Neonazipärchen Möller. Aber der Prozess entwickelt sich anders als Katja erhofft. Obwohl ihr Anwalt Danilo von einer wasserdichten Beweislage ausgeht – in der Garage des Paares werden alle Bestandteile für den Bau einer Bombe gefunden –, gelingt es dem Verteidiger der Angeklagten durch eine perfide Verteidigungsstrategie, die eindeutigen Indizien in Frage zu stellen und den Prozess zu deren Gunsten zu entscheiden: Die Möllers werden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Gedemütigt und entsetzt weiß Katja nicht mehr, was sie tun soll. Doch dann gibt es neue Erkenntnisse…

Der Regisseur und Autor Fatih Akin besuchte für die Recherche zu seinem hochaktuellen Filmdrehbuch drei Gerichtsverhandlungen des NSU-Prozesses. Anlässlich der Premiere seines Films in Cannes sagte er: »Der Skandal bestand nicht darin, dass deutsche Neonazis zehn Menschen getötet hatten. Der eigentliche Skandal bestand darin, dass die deutsche Polizei, die Gesellschaft und die Medien alle überzeugt waren, dass die Täter Türken oder Kurden sein müssten, dass irgendeine Mafia dahintersteckte.« Diese Frustration war für ihn eine Initialzündung, das Drehbuch zu „Aus dem Nichts“ zu schreiben.

„Aus dem Nichts“ ist ein meisterhafter Politthriller vor dem Hintergrund der deutschen NSU-Morde, der auf ein provozierendes Ende hinausläuft. Die Parallelen zu der Mordserie von Uwe Mundlos, Uwe Bönhardt und Beate Zschäpe sowie zum anschließenden NSU-Prozess liegen auf der Hand. Die rechtsradikalen Terroristen ermordeten mutmaßlich zehn Menschen und verübten Raubüberfälle und drei Sprengstoffanschläge. Die Polizei tappte jahrelang im Dunkeln und suchte im Umkreis der sowieso schon traumatisierten Opfer nach den Tätern, oder – noch schlimmer – machte die Opfer zu Tätern. Niemand vermutete die Täter im rechten Milieu.

„AUS DEM NICHTS“ – Der Film
2017, 27. Mai: Weltpremiere des Films beim Filmfestival in Cannes.
Hauptdarstellerin Diane Kruger wurde für ihre Leistung mit dem Darstellerpreis als beste Hauptdarstellerin geehrt.

Auszeichnungen
2017 Prädikat »besonders wertvoll«
»Auch wenn die Zuschauer die Fakten kennen (…) ist „Aus dem Nichts“ spannend bis zum Schluss. Ein hervorragend erzähltes, mutiges Drama, das die Jury durch seine minutiöse Dramaturgie überzeugt hat. Sehr nuanciert arbeitet Akin das auf, was nach einer solchen Katastrophe vermutlich geschieht. Schock, Wut, Hass, Trauer, Verzweiflung.« Für diese Leistung erteilte die Jury einstimmig das Prädikat »besonders wertvoll«.
2018 Golden Globe – die nach dem OSCAR höchste Auszeichnung Hollywoods (als Bester nicht-englischsprachiger Film)
2018 Critics’ Choice Award – auch diesen von über 300 Kritikern verliehenen Preis erhielt der Film in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film
2018 Im OSCAR-Rennen um den Besten nicht-englischsprachigen Film stand „Aus dem Nichts“ auf der Shortlist der letzten neun Werke aus insgesamt 92 Ländern.
2018, 27. April: Deutscher Filmpreis für das Beste Drehbuch.

Zum Thema
Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU)
Der NSU war eine neonazistische terroristische Vereinigung in Deutschland, die um 1999 zur Ermordung von Mitbürgern ausländischer Herkunft aus rassistischen und fremdenfeindlichen Motiven gebildet wurde und bis 2011 bestand. Die Haupttäter Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe stammten aus Jena und lebten ab 1998 untergetaucht in Chemnitz und Zwickau. Sie ermordeten zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin, verübten drei Sprengstoffanschläge (Nürnberg 1999, Köln 2001 und 2004) und 15 Raubüberfälle. Der NSU wurde ab dem 4. November 2011 öffentlich bekannt, als Mundlos und Böhnhardt tot in einem ausgebrannten Wohnmobil gefunden wurden und Zschäpe ihre Zwickauer Wohnung abbrannte sowie Bekennervideos versandte. Bis dahin hatten die Ermittler der Polizei rechtsextreme Hintergründe der Verbrechen weitgehend ausgeschlossen und Täter im Umfeld der Opfer gesucht, was viele Angehörige stigmatisierte. Inlandsnachrichtendienste hatten die rechtsextreme Szene jahrelang beobachtet und durch V-Leute im NSU-Umfeld indirekt finanziell gefördert. Vielschichtiges Versagen und widersprüchliche Beweislagen u. a. zum Tod von Mundlos und Böhnhardt, führten zu einer tiefen Krise der deutschen Sicherheitspolitik. Am 6. Mai 2013 wurde der NSU-Prozess gegen Zschäpe und vier mutmaßliche Gehilfen vor dem Oberlandesgericht München eröffnet. Am 11. Juli 2018 verurteilte das Gericht Beate Tschäpe zu lebenslanger Haft bei besonderer Schwere der Schuld, die Mittäter zu geringeren Haftstrafen. Die Verteidiger aller Angeklagten legten Revision ein, die Bundesanwaltschaft lediglich im Fall von André E.

„Aus dem Nichts“ erzählt auch die Geschichte »des deutschen Rechtsstaates im Umgang mit der NSU«.
Ursula März, ZEIT Online, 22.11.2017 (Filmkritik)

Anna Schäfer (Foto: Bernd Brundert)ANNA SCHÄFER – Katja
Verletzlichkeit, Angst, Verlust, selbstzerstörerische Aggression, dünnhäutige Hilflosigkeit — einer Schauspielerin, die wie Anna Schäfer viele verschiedene Charaktere gespielt hat, ist die Rolle der Katja, die Ausbrüche ebenso wie die Zwischentöne der Verzweifelten, die sie auch ohne Worte spielen muss, quasi auf den Leib geschrieben. Ihre Ausbildung, die sie um einen Acting-Workshop bei Susan Batson vom Actors Studio New York ergänzte, absolvierte die gefragte Schauspielerin und Sängerin von 1995 bis 1999 an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Schon bei ihrem Theaterdebüt an den Hamburger Kammerspielen konnte sie in der Hauptrolle der Lilian in „Happy End“ ihre Vielseitigkeit bei den mit spezifischem Stil zu singenden Kurt-Weill-Songs beweisen. Weitere Gastengagements führten die Tochter der Thalia-Theater-Schauspielerin Angelika Thomas und des Regisseurs Roland Schäfer über das Renaissance Theater Berlin (Käthchen in „The Black Rider“) zu den Bad Hersfelder Festspielen. Im Anschluss an ihr Engagement am Stadttheater Bern (1999-2001) spielte sie die Buhlschaft im Hamburger „Jedermann“ (2001). Gastauftritten bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen, am Maxim Gorki Theater Berlin und am Schauspiel Köln folgten Festengagements, z. B. am Theater Krefeld-Mönchengladbach (2003-2006), wo sie u. a. als Hope in Cole Porters Musical „Anything Goes“ zu sehen war. Anschließend ging sie ans Schauspielhaus (2007/2008) und ans Prinz Regent Theater Bochum (2010/11). Ihre in Heidelberg zu sehende Interpretation der Rosalinde in Shakespeares „Wie es euch gefällt“ war »ein Meisterstück«. (Harald Raab, nachtkritik.de, 14.12.2012). Seit 1994 ist Anna Schäfer auch in vielen Fernsehproduktionen zu sehen, u. a. in so erfolgreichen Reihen und Serien wie „Alles außer Mord“, „St. Angela“, „Polizeiruf 110“, „Alarm für Cobra 11“, „Abschnitt 40“, „Die Bergretter“, „Heldt“, „SOKO Kitzbühel/Köln/Wismar“, „Inga-Lindström“ oder „Tatort Dortmund“. Neben vielen Fernsehfilmen wie u. a. „Zwei Männer am Herd“ (1998), „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ (2013) oder „Stralsund – Kein Weg zurück“ (2017) drehte sie Kinofilme (u. a. 2014 „Die dunkle Seite des Mondes“ nach dem Bestseller von Martin Suter). Von 2011-2015 stellte die Allrounderin ihr komisches Talent in der Comedy-Serie „Knallerfrauen“ an der Seite von Martina Hill (Deutscher Comedypreis 2012 und Deutscher Fernsehpreis als Beste Sketch-Comedy) unter Beweis. Einem breiten Fernsehpublikum wurde sie ab 2009 in der Sat.1-Seifenoper „Eine wie keine“ bekannt, in der sie 146 Folgen lang die Rolle der verrückten Designerin Emily Körner spielte. 2019 ist sie u. a. in „Tatort“ zu sehen, in der ZDF-Krimireihe „Stralsund“ (Folge: „Kein Weg zurück“) sowie an der Seite von Sophie von Kessel im TV-Thriller „Du bist nicht allein“. Die Schauspielerin mit der schönen Mezzosopran-Stimme ist auch deutschlandweit mit satirisch-musikalischen Programmen und ihrer von einen hochklassigen Team produzierten Jazz-Formation ANNA & der SWING CLUB unterwegs. Unter anderem ist auch ihr Liederabend „Seemannsbraut ist die See“ zusammen mit ihrer Mutter auf CD erschienen.

MATHIAS KOPETZKI – Danilo, Katjas Anwalt
Der in Osnabrück geborene Schauspieler und Autor absolvierte nach Abitur und Zivildienst von 1994-1998 sein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst ‚Mozarteum‘ in Salzburg. Es folgten Festengagements am Berliner Ensemble, am Schauspiel Köln, am Schauspielhaus Graz und am Volkstheater Rostock. Seit 2006 ist er freischaffend tätig und hatte Gastengagements u. a. bei den Salzburger Festspielen, an der Dresdner Semperoper, bei den Wiener Festwochen, beim Edinburgh International Festival, am Bremer Theater, Hans Otto Theater Potsdam, Theater Essen, Oldenburgischen Staatstheater, Staatstheater Cottbus und am Theater Siegen. In bislang knapp 80 Inszenierungen arbeitete er mit über 50 renommierten Regisseuren zusammen, z. B. mit Peter Zadek, Claus Peymann, Robert Wilson, Peter Stein, Volker Hesse, Torsten Fischer sowie mit Musikgrößen wie Herbert Grönemeyer oder Christian Thielemann. Darüber hinaus tritt Mathias Kopetzki mit zahlreichen Eigenproduktionen und Lesungen auf, u. a. beim Internationalen Literaturfestival Berlin, beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens, für die Tucholsky-Gesellschaft oder die bundesweit veranstalteten Shuttle-Lesungen. Daneben ist er für Funk, Film und bei allen TV-Sendern im Bereich Krimi und Unterhaltung tätig. Er synchronisierte zahlreiche Spielfilme und Fernsehserien, spricht TV-Dokus, Werbespots oder Hörbücher ein, gibt Theater- und Literaturkurse an Volkshochschulen, war Dozent an diversen Schauspielschulen und tourte jahrelang mit seiner eigenen Band Kästner gets the Blues durch die Lande. 2002 erhielt er gemeinsam mit dem Rest des Grazer Ensembles für „LKH – eine Theatersoap“ den österreichischen ‚Theater-Oscar“ NESTROY und war 2000 mit zwei Kölner Produktionen zum Berliner Theatertreffen bzw. den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Sein autobiografisches Romandebüt „Teheran im Bauch“, mit dem er bei über 70 Lesungen, im Fernsehen und Rundfunk auftrat, erschien 2011 bei Random House. Ein Jahr später folgte die Bahnsatire „Im Sarg nach Prag“ im Piper Verlag und wurde ein kleiner Bestseller. 2017 veröffentlichte er den ebenfalls autobiografisch geprägten Roman „Bombenstimmung – Wenn alle denken, Du bist ein Terrorist“ bei Bastei Lübbe, der aktuell bei Lesungen in ganz Deutschland und der Schweiz sowie von der Presse gefeiert wird.

Aktualisiert am