Ellen Babić

EURO-STUDIO Landgraf
ELLEN BABIĆ
Schauspiel von Marius von Mayenburg

ca. 22. Oktober – 19. November 2025
ca. 10. – 30. April 2026

Mit Nina Petri, Heio von Stetten u. a.

3 Mitwirkende

Regie: Tilo Nest

„Ellen Babić“ ist der zweite Teil der aus den Stücken „Ex“, „Ellen Babić“ und „Egal“ bestehenden sogenannten Lockdown-Trilogie.
„Ex“, inszeniert von Marius von Mayenburg, wurde am 30.9.2021 vom Riksteater Stockholm, „Egal“ – wie „Ellen Babić“ in der Regie von Benedict Andrews – am 10.2.2023 am Isländischen Nationaltheater Reykjavik uraufgeführt.

Uraufführung: 26.12.2022, Isländisches Nationaltheater Reykjavik

Deutschsprachige Erstaufführung: 24.2.2024, Berliner Ensemble

Aufführungsrechte: Carstensen & Oegel International GmbH, Berlin

Spieldauer:
1 Stunde und 40 Minuten. Das Stück wird ohne Pause gespielt.

Inhalt
Der raffinierte Clou in dem virtuos konstruierten klassischen Konversationsstück „Ellen Babić“ ist, dass die Titelrolle, trotz ihrer zentralen Bedeutung, nie auftritt.

Die Stücke von Marius von Mayenburg sind ein Paradebeispiel für das Well-Made-Play, das durch psychologische Genauigkeit der Charaktere und treffsichere Dialoge geprägt ist. Auch seine perfekt getimten, auf eine unvermeidliche Eskalation zulaufenden Beziehungssaltos und die Balance zwischen Unterhaltung und Anspruch sind charakteristisch für das Genre, das durch Yasmina Reza berühmt wurde.

Die Englischlehrerin Astrid lebt mit ihrer deutlich jüngeren ehemaligen Schülerin Klara seit zehn Jahren zusammen. Als Astrid ihren Vorgesetzen, den Schulleiter Wolfram Balderkamp nach Hause einlädt, um eine in der Schule begonnene Unterhaltung über einen brisanten »Vorfall«, der während ihrer Klassenfahrt nach Trier stattgefunden hat, fortzusetzen, reagiert Klara – wie sich im Verlauf der Handlung leider bestätigt – mit Recht nervös: Was passiert, wenn er sich an sie als ehemalige Schülerin an seiner Schule erinnert?
Unter dem Vorwand, Astrid zu »schützen«, möchte Balderkamp den »Vorfall« lieber privat und nicht in der Schule mit ihr besprechen. Wie sich später herausstellt, sind seine Motive nicht ganz so selbstlos, wie er vorgibt. Es geht dabei um den Vorwurf der sexuellen Belästigung, den der Vater der 16-jährigen Ellen telefonisch gegen Astrid erhoben hat. Auf der Klassenfahrt soll Astrid ihre Schülerin Ellen, der nach eigener Aussage »plötzlich schwindlig« war, obwohl sie kaum etwas getrunken hatte, mit K.o.-Tropfen betäubt und unsittlich berührt haben.
Astrid widerspricht. Sie war bereits im Bett, als zwei Mädchen anklopften und sie baten, schnell mit zum Waschraum zu kommen, weil es Ellen so schlecht ging. Da Ellen in einem Hochbett schlief, brachten sie sie gemeinsam in ihr eigenes Zimmer und legten sie in ihr Bett. Dann haben sie ihr »das vollgekotzte T-Shirt« ausgezogen und ihr, nachdem sie sich noch »zwei, dreimal übergeben hatte, Wasser mit Elektrolyt eingeflößt«, sodass sie »am nächsten Morgen wackelig, aber nicht mehr krank war«.
Wird Astrid zu Unrecht des Missbrauchs einer Minderjährigen beschuldigt? Oder möchte die Schülerin ihren Vater davon überzeugen, dass ihr Absturz kein Ergebnis von Komasaufen war, sondern dass ihr Zustand durch äußere Einwirkung verursacht wurde?
Wie eine Spinne webt Balderkamp mit den mehr oder weniger versteckten Drohungen seiner Befragung ein gefährliches Netz, in dem er Astrid fangen will. Als er auch Klara, deren Beziehung zu Astrid auch während einer Klassenfahrt nach Trier begonnen hat, in seine Angriffe einbezieht, geht Astrid zu einem furiosen Gegenangriff über und wirft ihm – nun ihrerseits drohend – nicht nur seine jahrelangen, zunächst noch als »väterliche Fürsorge« getarnten sexuell konnotierten Bemerkungen vor, sondern auch seine aufdringlichen »zufälligen Berührungen«, die sie, wie sie behauptet, penibel in einem Heft notiert hat.

Marius von Mayenburg meistert in seinem Psychokrimi die Herausforderung, die vielen Aspekte und unvorhersehbaren Wendungen des toxischen Konflikts geschickt im Gleichgewicht zu halten. Unvergesslich wird das Stück durch die Kunstfertigkeit der Dialoge und die Fähigkeit, individualisierte Charaktere ins Allgemeingültige zu erheben.

Ellen Babić ist als Schlüsselfigur sowohl ein Symbol für berufliche und private Abhängigkeit als auch dafür, wie Macht ausgeübt und missbraucht wird.
Originalbeitrag von Birgit Landgraf

Ellen Babic-Augen©Gío Löwe

Pressestimmen

Zur Deutschsprachigen Erstaufführung am Berliner Ensemble:
Mayenburg hat (…) ein Kammerspiel vorgelegt, das vielschichtige Figuren entwirft und in ungeheuer schnellen, lebensechten Dialogen Spannung erzeugt wie im Krimi.
BERLIN Barbara Behrendt, rbb24, 25.2.2024

Vor allem das Ungesagte zählt
Das Großartige an diesem Abend ist, dass er den Zuschauer mit vielfältigen Ungewissheiten konfrontiert und ihm Raum für eigene Schlussfolgerungen lässt.
BERLIN Volker Blech, Berliner Morgenpost, 26.2.2024

MeToo mal ganz anders
Endlich mal wieder ein richtiges Konversationsstück. Ein Theaterabend, der seine ganze Spannung aus den Dialogen heraus entwickelt. Aus der Konstellation unterschiedlicher Personen und einem moralischen Problem, das zwischen ihnen erörtert wird. (…) Trotz der leicht zeitgeistigen Schlusswendung gelingt es dem Stück, die Spannung zu halten. Das liegt daran, dass hier nicht eine politische Haltung dargestellt, sondern ein gesellschaftliches Thema umspielt wird, bei dem Gerechtigkeit und Verleumdung oft nah beieinander liegen. Ein bisschen fühlt man sich wie bei einem gelungenen Abend am Londoner Broadway. Hervorragende Schauspieler, bissige Dialoge und ein delikater Fall, über den man sich noch angeregt zwei Dinner-Stunden lang unterhalten kann.
BERLIN Simon Strauss, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.2.2024

Ein Beziehungsthriller von großer psychologischer Genauigkeit. (…) Marius von Mayenburgs Text zeigt, wie schillernd und vielschichtig Personen- und Konfliktzeichnung im Theater sein können.
BERLIN Peter Laudenbach, Süddeutsche Zeitung, 27.2.2024

Wer das Genre des psychorealistischen Kammerspiels mag und zudem Freude an den gar nicht so häufigen Theaterabenden hat, bei denen am Ende nicht alles so ist, wie es bereits in der ersten Minute schien, ist bei „Ellen Babić“ gut aufgehoben.
BERLIN Christine Wahl, Tagesspiegel, 26.2.2024

Der Abend könnte zum Publikumsrenner werden
„Ellen Babić“ ist ein abgründiges Kammerspiel, in dem es keine Engel und keine Teufel gibt, sondern nur Menschen mit ihren Widersprüchen. Das suspendiert keineswegs die Frage der Schuld, sondern macht sie überhaupt erst so spannend wie ein Thriller, weil jede Vorverurteilung unterlaufen wird. Es sind keine plumpen Abziehbilder von „Strukturen“, die hier aufeinandertreffen, sondern Figuren mit Begehren, Sprache und Vorurteilen.
BERLIN Jakob Hayner, Die Welt, 29.2.2024

Wer das Genre des psychorealistischen Kammerspiels mag und zudem Freude an den gar nicht so häufigen Theaterabenden hat, bei denen am Ende nicht alles so ist, wie es bereits in der ersten Minute schien, ist bei „Ellen Babić“ gut aufgehoben.
BERLIN Christine Wahl, Tagesspiegel, 26.2.2024

Zur Aufführung in Stockholm:

Ein nuancenreiches und fesselndes Schauspiel mit Bedrohungen, Verführungen, Komik, Rätseln und großartiger Unterhaltung.
STOCKHOLM Sara Granath, Svenska Dagbladed, 26.1.2024

Biografien

Nina Petri_c_Heiner Orth

NINA PETRI
Nach ihrer Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule in Bochum führten sie Gastrollen u. a. an das Zürcher Schauspielhaus, das Schauspiel Köln und die Hamburger Kammerspiele. Ihr TV-Debüt gab sie 1990 in der Serie „Rote Erde“. 1994 erhielt sie für „Die tödliche Maria“ (Regie: Tom Tykwer) den Bayerischen Filmpreis und wurde 1999 für „Bin ich schön?“… mehr

von Stetten, Heio_c_Christian HartmannHEIO VON STETTEN
Geboren und aufgewachsen ist Heio von Stetten in der Nähe von Augsburg auf dem Hof seiner Eltern. Mit 16 begann er neben dem Abitur mit einer Ausbildung zum Pferdewirt. Nach Abitur und Zivildienst wurde er auf der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München aufgenommen, wo er 1986 seinen Abschluss machte. In der Folge arbeitete Heio von Stetten zunächst in der freien … mehr

MARIUS VON MAYENBURG   Autor
Schon mit seinem ersten Theaterstück „Feuergesicht“, das wie die meisten seiner anderen Werke in mehr als 30 Sprachen – unter anderem ins Litauische und Westflämische -übersetzt und weltweit inszeniert wird, katapultiert sich Marius von Mayenburg an die Spitze der deutschen Dramatik. 1997 wird er nicht nur mit dem Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker geehrt, sondern… mehr