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Wir trauern um Cordula Trantow

Mit Cordula Trantow ist in Frankreich eine der bedeutenden deutschen Schauspielerinnen ihrer Generation gestorben. Wir verlieren mit ihr zugleich eine langjährige künstlerische Weggefährtin und eine Freundin.

Bereits als Sechzehnjährige wurde sie durch Bernhard Wickis Antikriegsfilm „Die Brücke“ berühmt – einen Film, der längst zur deutschen Filmgeschichte gehört. Für ihre Darstellung der Franziska erhielt sie das Filmband in Gold. André Cayatte engagierte sie anschließend als Partnerin von Charles Aznavour für „Jenseits des Rheins“. In der Hollywood-Produktion „Hitler“ spielte sie Geli Raubal und wurde für den Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin nominiert. Später stand sie unter anderem mit Maximilian Schell in Rudolf Noeltes Kafka-Verfilmung „Das Schloß“ vor der Kamera. Millionen Fernsehzuschauer kannten sie aus dem legendären Krimidreiteiler „Babeck“ sowie aus zahlreichen großen Fernsehspielen und Serien.

Ihre eigentliche künstlerische Heimat aber war das Theater. Cordula Trantow spielte am Bayerischen Staatsschauspiel und an den Münchner Kammerspielen, am Württembergischen Staatstheater Stuttgart, bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen und an der Freien Volksbühne Berlin. In den legendären Inszenierungen Rudolf Noeltes verkörperte sie große Rollen der klassischen Literatur: Irina in Tschechows „Drei Schwestern“, Anja im „Kirschgarten“, Eve in Kleists „Der zerbrochne Krug“, Frau John in Hauptmanns „Die Ratten“ und vor allem Nora in Ibsens „Ein Puppenheim“.

Mit dieser „Puppenheim“-Inszenierung begann Ende der 1970er-Jahre unsere jahrzehntelange Zusammenarbeit. Die am Renaissance-Theater Berlin entstandene Produktion wurde von Rudolf Noelte inszeniert, Werner Kreindl war Cordula Trantows Partner, Bühne und Kostüme schuf Jürgen Rose. Unsere Tournee führte unter anderem an das Ernst Deutsch Theater Hamburg, an die Münchner Kammerspiele und an das Schauspielhaus Zürich. Sie wurde zu einem der größten künstlerischen Erfolge unserer Theatergeschichte.

Insgesamt entstanden sieben eigene Produktionen mit Cordula Trantow. Fast jede von ihnen wurde wegen ihres Erfolges über mehrere Spielzeiten wiederaufgenommen. So kamen im Laufe der Jahrzehnte mehr als 1.000 gemeinsame Vorstellungen zusammen – eine außergewöhnliche Kontinuität und ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte unseres Tourneetheaters.

Es folgte „Duett für eine Stimme“ von Tom Kempinski mit Heinz Drache als Partner und in der Regie von Krzysztof Zanussi. Cordula Trantows Darstellung der an Multipler Sklerose erkrankten Geigerin gehörte zu ihren bewegendsten Bühnenarbeiten. Die Produktion wurde über mehrere Jahre immer wieder aufgenommen.

Eine besondere Zusammenarbeit war auch Martin Walsers „Die Zimmerschlacht“ mit Cordula Trantow und Peter Striebeck. Regie führte Karl Fruchtmann, der als Jude von den Nationalsozialisten verfolgt und in Konzentrationslagern inhaftiert worden war. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er zu einem der bedeutenden Regisseure und Erzähler des deutschen Fernsehens. „Die Zimmerschlacht“ war seine letzte Theaterinszenierung – für uns und für Cordula Trantow eine Arbeit von besonderem Rang.

In Arthur Millers „Talfahrt“ spielte sie an der Seite von Uwe Friedrichsen. Neil Simons „Ein ungleiches Paar“ vereinte sie mit Doris Kunstmann, einer weiteren prägenden Schauspielerin unseres Hauses. Regie führte Herbert Herrmann, der als einer der bekanntesten Schauspieler des deutschen Boulevardtheaters hier auch als Regisseur hervortrat.

Ein später Höhepunkt unserer Zusammenarbeit war Moisés Kaufmans „33 Variationen“. Jane Fonda hatte die Rolle der todkranken Musikwissenschaftlerin Katherine Brandt mit großem Erfolg am Broadway gespielt. Mit Cordula Trantow in dieser Rolle und unter der Regie von Frank Matthus brachten wir das außergewöhnliche Schauspiel in Deutschland auf Tournee. Cordula Trantow machte die Katherine Brandt zu ihrer ganz eigenen Figur: eine Frau im Wettlauf mit dem Tod, erfüllt von der Leidenschaft, Beethovens Geheimnis noch zu ergründen.

Auch „Die Möwe“, eine Übernahme vom Weilheimer Theatersommer in ihrer eigenen Regie, und schließlich „Arsen und Spitzenhäubchen“, in dem sie gemeinsam mit Veronika Faber spielte und ebenfalls Regie führte, gehören zu unseren unvergessenen gemeinsamen Arbeiten.

1988 hatte Cordula Trantow den Weilheimer Theatersommer gegründet und mit Inszenierungen wie „Die Möwe“, „Wir sind noch einmal davongekommen“, „Romeo und Julia“ und „Faust“ weit über die Region hinaus bekannt gemacht. Später setzte sie diese Arbeit in Garmisch-Partenkirchen fort. Für ihr künstlerisches Wirken wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Cordula Trantow besaß eine seltene Verbindung aus Kraft und Verletzlichkeit, Intelligenz und Leidenschaft. Sie suchte niemals nur den schnellen Erfolg oder den äußeren Effekt. Sie wollte den Figuren auf den Grund gehen und bestand auf der Wahrheit des Theaters. Darin konnte sie kompromisslos sein – und gerade das machte jede Arbeit mit ihr zu etwas Besonderem.

Aus einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit war längst Freundschaft geworden. Wir sind dankbar für ihre Kunst, ihre Treue und für viele unvergessliche Theaterabende.

Wir werden Cordula Trantow sehr vermissen.

Birgit und Joachim Landgraf und alle Mitarbeiter der Konzertdirektion Landgraf