Anne-Marie die Schönheit

Produktion Stadttheater Freiburg
ANNE-MARIE DIE SCHÖNHEIT
(Anne-Marie la beauté)
Schauspielmonolog von Yasmina Reza

Übersetzung: Frank Heibert, Hinrich Schmidt-Henkel

ab Herbst 2021

Deutsche Erstaufführung: 29.01.2021, Stadttheater Freiburg

Mit: Robert Hunger-Bühler

Regie: Peter Carp (Intendant des Stadttheaters Freiburg)

Uraufführung: 5.3.2020, Théâtre National de la Colline, Paris
Aufführungsrechte: Agentur Rainer Witzenbacher

»Beim Schreiben von „Anne-Marie die Schönheit“ dachte ich an den französischen Schauspieler André Marcon. Anne-Marie ist eine Frau, aber aus Gründen der Distanz und Allgemeingültigkeit wünsche ich, dass diese Figur von einem Mann interpretiert wird.« Yasmina Reza

Yasmina Reza ist eine Meisterin präziser Sätze, in denen sie die Tragik der menschlichen Existenz in schillernder Plastizität sichtbar macht.
Hanser Verlag/Deutschlandradio
„Anne-Marie die Schönheit“ erschien 2019 als Buch im Hanser Verlag München.

Yasmina Reza in Reinform: Bitter und komisch, zärtlich und unsentimental.
Hanser Verlag

Inhalt
»Auf der Bühne war ich manchmal Anne-Marie die Schönheit« – immerhin auf der Bühne, denn im wirklichen Leben ist Anne-Marie, Schauspielerin aus der französischen Provinz, die es in die Hauptstadt verschlagen hat, nicht unbedingt mit Schönheit gesegnet. Ganz anders als ihre bewunderte und heimlich beneidete Kollegin und – vielleicht – Freundin Giselle, genannt Gigi, die sich immerhin auf die Posen und den Männerverschleiß einer echten Diva verstand. Jetzt ist Gigi schon seit einiger Zeit im ewigen Theaterhimmel, wie so manche Weggefährten, auf die Anne-Marie zurückblickt. Und ein Lebensrückblick ist dieser sowohl anrührende als auch komische Monolog, in dem Yasmina Reza ihre große Stärke ausspielt: kluge, fast mitleidlose Beobachtung, gepaart mit Empathie und einem zärtlichen Blick für die Sehnsüchte und Unvollkommenheiten ihrer Figuren. Anne-Marie hat sowohl knallharte als auch nostalgisch verträumte Seiten. Diese Actrice aus der dritten Reihe sieht Alter und Vergänglichkeit mit kühlem Realismus. Blickt sie jedoch auf ihre Anfänge bei einer Provinzklitsche zurück, so verklärt sie deren Mitglieder zu schieren Halbgöttern. Kein Wunder, war das Theater doch eine Gegenwelt zu der repressiven, freudlosen Familie der jungen Frau.

Bühnenglamour und kleinbürgerlicher Alltag, pralles Leben und Ennui – Anne-Marie ist eine kleine Große ihrer Kunst und grandioses Material für einen Schauspieler.

Pressestimmen
zur Pariser Uraufführung

Dieser bewegende Monolog in Form eines Lobgesangs auf diejenigen Theaterschafenden, die nicht im Rampenlicht stehen, ist mittlerweile die fünfte Zusammenarbeit von André Marcon und Yasmina Reza. (…)
Rezas Text ist subtil und vermeidet die Maßlosigkeit. Wir schmunzeln eher, als dass wir lachen; wir fühlen uns nachhaltig gerührt, ohne in einem Tränenstrom zu versinken, den die Schilderung von katastrophalen Rückschlägen im Leben von Künstler*innen (beispielsweise in der Skandalpresse) oft heraufbeschwören.
PARIS Catherine Robert, la terrasse, 08.03.2020

„Anne-Marie die Schönheit“ – eine ergreifende Lebensskizze
Anne-Marie spricht für all diejenigen, die das Theater zum Leben erwecken; trotz aller Enttäuschungen und allen Kummers hat sie nie aufgehört, es zu lieben. Es treiben sie weder Groll noch Bedauern. Sie weiß, dass sie am Ende ihres Lebens angekommen ist und zeigt gleichermaßen Boshaftigkeit und Zerbrechlichkeit, Humor und Liebe, Dankbarkeit und Ernüchterung. Während sie sich an einen Journalisten/eine Journalistin zu wenden scheint (genau werden wir das nie erfahren), erlebt sie in ihrer Erinnerung erneut einige große Momente ihres Lebens (…). (…) Den großartigen Text von Yasmina Reza zeichnet eine umfassende Fluidität aus, eine rührende Nostalgie und eine Achtung für die Bescheidenen, die andere mit ihrer echten Menschlichkeit überwältigen – ganz ohne Effekthascherei und Übertreibung, einfach mit Harmonie und Gleichgewicht. Mit Hilfe ihrer Heldin hinterfragt Reza die Wertigkeit eines Lebens anhand der Träume, die man in dieses Leben hineinprojiziert. Das Ergebnis ist überwältigende Schönheit. Es ist ihre fünfte Zusammenarbeit mit André Marcon, und selten ist Weiblichkeit in ihrer erschütterndsten Form so auf der Bühne zu sehen gewesen.
PARIS Emilie Darlier-Bournat, artistik rezo, 11.03.2020

zum Buch

Die großen kleinen Leben
Yasmina Reza hat ein sicheres Gespür für die feinen Seelenbewegungen der Enttäuschten, die mehr können und wollen, als sie je dürfen und die gezwungenermaßen Frieden schließen mit dem »kleinen Leben«. Anne-Marie war keine außerordentliche Künstlerin, aber Reza fordert resolut Respekt für Existenzen, die einer Liebe lebenslang treu geblieben sind.
Sigrid Brinkmann, NDR Kultur, 07.01.2020

Ein brillant geschriebener Klagegesang über das Älterwerden. Yasmina Reza hat in ihren weltweit erfolgreichen Romanen und Theaterstücken das gesamte Spektrum menschlicher Ängste, enttäuschter Hoffnungen und Verzweiflungen beschrieben. (…) Reza ist eine Meisterin präziser Sätze, in denen sie die Tragik der menschlichen Existenz in schillernder Plastizität sichtbar macht. (…) In dem Monolog einer alternden Schauspielerin liegt eine ganze Welt aus Verbitterung, ungelebtem Leben, zerstobenen Träumen.
Schneidend ironisch. Anne-Marie stammt aus der französischen Provinz. Sie will unbedingt zum Theater, auch wenn sie nicht gerade eine »Schönheit« ist – der Buchtitel ist schneidend ironisch. Was Anne-Marie gern wäre, ist ihre Kollegin Giselle: schön, von Männern umschwärmt, von Regisseuren mit den besten Rollen überschüttet und sogar beim Film erfolgreich. Noch dazu ist sie umgeben von einer Schar Kinder und Enkel – auch das im Gegensatz zu Anne-Marie, die ihren Sohn für missraten hält, und von ihrem Mann solche Sätze sagt: »Ich langweilte mich mit meinem Mann, aber Sie wissen ja, Langeweile gehört zur Liebe dazu.« (…)
Anne-Marie schwankt zwischen Depression und Illusion: »Ich hatte ein glückliches Leben, wissen Sie. Ich hatte ein Filmgesicht« – natürlich weiß sie selbst am besten, dass genau das Gegenteil der Realität entspricht. Darin liegt die Abgründigkeit dieses Textes, der auch die Schattenseiten der scheinbar Erfolgreichen nicht ausspart: Denn auch die bewunderte Giselle verbringt ihre letzten Tage als einsame, von ihrer Familie genervte Diva.
Auch wer Yasmina Rezas Texte – gerade etwa das Ehedrama „Gott des Gemetzels“ – mitunter für zu „well made“, also zu glatt, zu perfekt, zu sehr in gutsituierten bürgerlichen Verhältnissen angesiedelt hält, kann sich diesem einfühlsamen Porträt einer Frau am Ende ihrer geistigen und körperlichen Kräfte kaum entziehen.
„Anne-Marie die Schönheit“ ist ein innerer Monolog voller poetischer Tiefe. Ein brillant geschriebener Klagegesang .
Dirk Fuhrig, Deutschlandfunk Kultur, 29.10.2019

Im Meer der ungeordneten Erinnerungen
Stücke wie „Gott des Gemetzels“ trugen dazu bei, dass Yasmina Reza als weltweit meistaufgeführte zeitgenössische Dramatikerin gilt. Bei (…) „Anne-Marie die Schönheit“ handelt es sich um den Monolog einer betagten Frau, die langsam ihr Erinnerungsvermögen zu verlieren scheint. In ihrem Buch erzeugt Reza einen Bewusstseinsstrom à la James Joyce – dabei macht ihr Instinkt sie zu einer der intelligentesten Autorinnen ihrer Generation. (…). Ab 1998 erweiterte sie ihr Themenspektrum durch Prosa. (…)
Bei „Anne-Marie die Schönheit“ handelt es sich um den Monolog einer betagten Frau namens Anne-Marie. Einst war sie Schauspielerin, ist aber nach einer Operation am Knie gehandicapt, läuft am Stock und kann nicht mehr auftreten. (…)In ihrer Jugend sammelte sie Bilder von Brigitte Bardot und klebte sie in ein Album, in dem sie ständig blätterte. Aber auch dadurch wurde aus ihr nicht „Anne-Marie die Schönheit“. (…)
Berühmtheiten wie Anton Tschechow, August Strindberg und Samuel Beckett stellten unter Beweis, wie gut das Monodrama auf der Bühne funktioniert. Und in die Gesellschaft dieser Schriftsteller gehört Yasmina Reza vom Niveau her. Im Wissen um die Theatertauglichkeit ihres Textes sicherte sie sich Aufführungsrechte. (…) Yasmina Reza erweist sich hier einmal mehr als Grenzgängerin zwischen Epik und Dramatik. Beide Gattungen beherrscht die Bestsellerautorin famos, in beiden ist sie zu Hause.
(…) Anne-Marie treibt im Meer ihrer ungeordneten Erinnerungen. Ein Gedanke entspringt spontan aus dem anderen. Das Fabulieren folgt keinem logischen Modell, keiner klar definierten Choreografie. (…) Und doch zeichnet sich eine geheime grammatische Ordnung in ihrem Buch ab. Man entdeckt sie ganz schnell, wenn man sich auf den Rhythmus des Textes einlässt.(…)
Yasmina Reza beweist hier nicht nur literarischen Instinkt, sondern zeigt sich als eine der intelligentesten Autorinnen ihrer Generation.
Ulf Heise, MDR KULTUR, 23.10.2019

Yasmina Rezas Text ist ein offener Erinnerungsraum, den Anne-Marie noch nicht vollständig aufgeräumt hat und der deshalb verschiedene Deutungen des Gewesenen zulässt.
Dina Netz, SWR 2 Lesenswert, 13.12.2019

Es ist der typisch beiläufige Reza-Tonfall, der auch diesen Erinnerungsmonolog durchzieht.
Ute Büsing, rbb kultur, 01.12.2019

Anne-Marie selbst ist die Erzählerin, sie quasselt sich ohne Punkt und Komma durch ihr Leben, lässt Gründe und Abgründe ihres Dasein aufscheinen, sie verstrickt sich in ein kaum zu entwirrendes Knäuel aus Erfahrenem und Erfundenem, Realität und Traum, aus Wunsch und Wirklichkeit. (…) Ob dieser ebenso bittere wie komische, zärtliche und sentimentale Monolog ein Selbstgespräch ist oder ihre Antworten auf die Fragen von Journalisten und Teile eines fiktiven Interviews sind, bleibt unklar. (…) Anne-Marie ist in allen ihren widersprüchlichen Gefühlen und ihren chaotischen Gedanken ein wunderbares Beispiel dafür, dass das Lebensglück nicht unbedingt nur im hellen Scheinwerferlicht und im großen Abenteuer zu finden ist, sondern oft auch in der beruhigenden Routine des Alltags, in den Gewissheiten der überschaubaren privaten Ereignisse und in den unaufgeregten kleinen Erlebnissen. (…) Ein vor Lebenslust strahlendes und – selbst in seinen melancholischen Momenten – herrlich komisches Buch (…), eine leichthändige Lebensbilanz, die man nur allzu gern auf einer Bühne hören und sehen möchte.
Frank Dietschreit, rbbKultur, 24.10.2019

Biografien

Yasmina Reza (c) rechtefreiYASMINA REZA
»Sie hat ein lebhaftes Gesicht mit Katzenaugen (…) und den Vornamen einer Prinzessin aus Tausend-und eine-Nacht«, schreibt Marion Thébaud in Le Figaro über die Theater-, Roman- und Drehbuchautorin. Yasmina Reza, Tochter eines in Moskau geborenen, iranischen Vaters und einer ungarischen Mutter, wird 1959 in Paris in eine Künstlerfamilie … mehr

Robert Hunger-Buehler (c) Elena ZauckeROBERT HUNGER-BÜHLER
Robert Hunger-Bühler, geboren 1953 in Sommeri-Hefenhofen, Schweiz, gehört zu den vielseitigsten Theaterkünstlern im deutschsprachigen Raum. Er ist Theater-, Film- und Fernsehschauspieler, Aktionskünstler und Regisseur, Produzent von Videos und Hörbüchern. Seine Theaterrollen sind zahlreich, die besuchten Bühnen renommiert und die Zusammenarbeit mit bekannten Regisseuren spektakulär… mehr

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