Archiv der Kategorie: Biografien

Ella Road

Am Ostersonntag 2022 begeisterte „Legend of the Sea Devils“, das Frühlingsspecial der von Ella Road geschriebenen Episode der britischen Kult-Science-Fiction-Serie von „Doctor Who“ (auf BBC One in Großbritannien und BBC America in den USA), das TV-Publikum. Das war der Beweis, dass Ella Roads 2018 im Hampstead Theatre uraufgeführtes Debütstück „Die Laborantin“ kein Zufallstreffer war.
Auch mit „Fair Play“, ihrem zweiten Stück, gelang ihr ein »atemberaubendes« (WhatsOnStage) Werk. In diesem 2021 im Bush Theatre produzierten Stück geht es um die verletzliche Freundschaft zweier junger Mittelstreckenläuferinnen und die Kehrseiten einer Leichtathletikkarriere.
Bereits mit ihrem Debütschauspiel bewies die »vielversprechendste junge Dramatikerin Großbritanniens« (The Telegraph) in der Kombination einer berührenden Liebesgeschichte mit hochbrisanten, medizinisch-ethischen Forschungsthemen sowohl ihren Theaterinstinkt als auch ihr Gespür für Dialoge mit nachdenklichen Zwischentönen. Darin zeigt sich ihre Erfahrung als ausgebildete Schauspielerin. Mit dem hochgelobten Bilderbuchstart wird Ella Road zum Shooting-Star der Londoner Theaterszene: ★★★★ »Rasanter Thriller« The Guardian; ★★★★ »Parallelen zu Ibsen und Miller« Financial Times; ★★★★ »Ergreifend« The Telegraph; ★★★★ »Brillant. Cleveres Stück« über »eine neue Weltordnung« The Stage; ★★★★ »Faszinierend« The Times; ★★★★ »Wichtige Themen« The Evening Standard; ★★★★ »Sehr aktuell« Metro.
Ein Jahr nach der Uraufführung im Frühjahr 2018 im Hampstead Theatre Downstairs wird „Die Laborantin“ wegen der großen Publikumsnachfrage in das Haupthaus verlegt. Das ist ein Zeichen dafür, dass Ella Road ein generationenübergreifend fesselndes Stück gelungen ist. Die provozierende Zukunftsvision in der – auch durch die vier unterschiedlichen Charaktere – am Ende einer Szene nie vorhersehbar ist wie es weitergeht, wird nicht nur 2019 für den Olivier Award nominiert, sondern 2019 steht auch auf der Shortlist der zehn Finalistinnen des renommierten Susan-Smith-Blackburn-Preises. Der nach der bekannten amerikanischen Schauspielerin und Autorin benannten (2019 aus mehr als 450 Stücken internationaler Dramatikerinnen* ausgewählten) in Houston, New York und London vergebenen Preis würdigt Werke von herausragender Qualität für das englischsprachige Theater.
Die 1991 in London geborene Autorin schließt ihr Studium am Somerville College der Oxford University mit einem BA in Englisch und einem MA in Schauspiel an der Oxford School of Drama ab. Wie sie Jonathan Marshall bei einem Interview in der BroadwayWorld am 16.7.2020 berichtet, merkt sie schon während ihres Studiums, dass sie sich »nicht nur verkleiden und Julia spielen«, sondern selbst für Theater, Radio, Film und Fernsehen schreiben möchte.
Einen ersten Entwurf von „Die Laborantin“ stellt Ella Road Autor*-, Regisseur*- und Schauspieler*innen in der zum Flux Theatre gehörenden Schreibwerkstatt vor, in dessen Kreativteam sie – ebenso wie seit 2018/2019 bei den Emerging Writers (Programm für Nachwuchsautor*innen) des Bush Theatres – inzwischen auch mitarbeitet. Seit 2019/2020 ist sie auch Mitglied des BBC Drama Writers TV-Drama-Autorenprogramms.
Als sich durch die Corona-Pandemie viele Theatervorhaben zerschlagen, ergeben sich während des Lockdowns auch unvorhersehbare Projekte: Aus dem für das Almeida Theatre geplanten Stück zum Thema Klimawandel entsteht der unter strengen Covid-Regeln gedrehte Kurzfilm „Something will Disappear“, der 2020 bei ‚Shifting Tides’, dem in dem Theater laufenden ersten digitalen, die globale Erwärmung reflektierenden Festival, gezeigt wird.
Während der Isolationspflicht erweitert Ella Road ihr sozialpolitisches Engagement durch Online-Kurse: Für das Synergy Theatre Project leitet sie Workshops in Gefängnissen, gibt einen »Kreatives-Schreiben«-Online-Kurs für an Mukoviszidose erkrankte Jugendliche und unterstützt Sozialprogramme und Wohltätigkeitsprojekte wie BBC Children in Need. Sie gehört seit 2018 zu dem Konsortium des von Londoner Theaterkünstler*innen und Kulturschaffenden initiierten Klimalabors und zu den Teilnehmer*innen der Good Night Out Reading Group, in der aktuelle Themen vorgestellt und diskutiert werden. Für Stand Up to Cancer, zur Bekämpfung von Krebs, schreibt sie 2018 das Buch für einen Video-Kurzfilm. Seit 2021 ist Ella Road als Autorin für unterschiedlichste Theaterprojekte im Gespräch, hat für Radio BBC eine Folge von „Road to Oxford“ abgeschlossen und schreibt fürs Fernsehen an einer Pilotfolge für eine Originalserie bei Channel 4, an zwei Episoden zu „Call my Agent“, dem UKRemake des französischen TV-Serien-Dauerbrenners „Dix pour cent“. Vor der Kamera stand sie u. a. in einer Folge der neuen Staffeln der beliebten, auch bei der Ausstrahlung in Deutschland hochgelobten Krimi-TV-Serie „Broadchurch – Ein Dorf unter Verdacht“, in der populären „Waterloo Road“-BBC-Serie und in der elften Staffel des von 2012 bis 2020 auch bei uns ausgestrahlten britisch-französischen TV-Hits „Death in Paradise“. Außerdem schreibt sie an den Radio- (BBC) und TV-Adaptionen von „Die Laborantin“.

Aktuelle Produktionen: „Die Laborantin“

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Su Sigmund

Su Sigmund, geboren in Salzburg, studierte zunächst Musik am Mozarteum ihrer Heimatstadt und dann Bühnen- und Kostümgestaltung in Wien bei Erich Wonder, einem der renommiertesten Bühnenbildner im deutschsprachigen Raum. Bereits während ihres Studiums wurde Su Sigmund Assistentin von Erich Wonder. Ihr erstes eigenes Bühnen- und Kostümbild entwarf sie für die Produktion „Vampyr“ beim Junge Hunde Festival auf Kampnagel in Hamburg. Im Jahr 2000 zeichnete sie verantwortlich für das Kostümdesign der Inszenierung von Ian McEwans „Der Zementgarten“ beim Regiewettbewerb der Wiener Festwochen.
In den Jahren 2002 bis 2012 arbeitete sie mit eng Tina Lanik zusammen, für die sie u. a. am Bayerischen Staatsschauspiel die Kostüme für Rainer Werner Fassbinders „Tropfen auf heiße Steine“ entwarf. Für diese Produktion wurde Tina Lanik 2002 mit dem Gertrud-Eysoldt Förderpreis ausgezeichnet. Es folgten viele weitere Arbeiten am Bayerischen Staatsschauspiel, u. a. Grabbes „Gothland“, Brechts „Im Dickicht der Städte“, Büchners „Woyzeck“, Shakespeares „Romeo und Julia“, sowie an fast allen großen Theaterhäusern in Deutschland und im Ausland. Auftraggeber waren unter anderem das Wiener Burgtheater (Turrini: „Mein Kampf“), das MusikTheater an der Wien (Strawinsky: „The Rake‘s Progress“, Puccini: „Tosca“), das Deutsche Theater Berlin, die Schauspielhäuser Bochum und Hamburg, das Staatstheater Stuttgart, das Schauspielhaus Zürich (Jelinek: „Der ideale Mann“), das Het Muziektheater in Amsterdam, das Bayerische Staatsschauspiel München, das Opernhaus Zürich (Strawinsky: „The Rake‘s Progress“), das Staatstheater Mainz (Hindemith: „Mathis der Maler“, Verdi: „Don Carlos“), die Oper Graz (Mozart: „Don Giovanni“), die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf (Tschaikovsky: „Die Jungfrau von Orleans“), Akademietheater Wien (Ravenhill: „Pool“; Mouawad: „Vögel“, Kirkwood: „Moskitos“) und viele mehr.
Su Sigmund arbeitete mit Regisseuren wie Martin Kušej, Tina Lanik, Jürgen Flimm, Johannes Schaaf, Markus Dietze, Frank Lorenz Engel, Elisabeth Stöppler und Itay Tiran zusammen.
Neben Ihrer Theaterarbeit ist Su Sigmund als bildende Künstlerin tätig erhielt das Förderstipendium der Sommerakademie Salzburg für Malerei bei Bruce McLean und wurde mit dem Förderpreis der Stadt Wien ausgezeichnet. Es folgten Ausstellungen in Graz, Wien, Koblenz, und Zürich. Su Sigmund lebt und arbeitet in Wien.

Aktuelle Produktionen: „Achtsam morden“

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