Dada Masilos SCHWANENSEE

The Dance Factory Johannesburg
Suzette Le Sueur
Dada Masilos SCHWANENSEE
Freche Neuinterpretation des Klassischen Balletts aus südafrikanischer Sicht
Mit Kompositionen von Peter I. Tschaikowsky, Camille Saint-Saëns, Arvo Pärt und Steve Reich
Konzept und Choreografie: Dada Masilo

ca. 20.11.2017 – 15.12.2017

Lichtdesign: Suzette Le Sueur
Kostüme: Dada Masilo, Suzette le Sueur, Ann Bailes, Kirsten Bailes, Karabo Legoabe

Mit dem Ensemble von The Dance Factory Johannesburg
ca. 12-14 Tänzer

Dada Masilos „Schwanensee” ist ein Auftragswerk für das National Arts Festival (Südafrika) und wurde dort 2010 uraufgeführt.

So frech, so laut, so rasend schnell kann der Schwanensee interpretiert werden.
M. David-Wenk, Badische Zeitung, 05.05.2014

„Schwanensee“ mal anders: Dada Masilo, Shootingstar der südafrikanischen Tanzszene, schafft mit Talent, Humor und hervorragenden Tänzern eine hinreißende Dekonstruktion des europäischen Ballettklassikers – weiße Tutus, schwanenhafte Grazie und romantische Liebesgeschichte inbegriffen. Ihr „Schwanensee“ thematisiert auch aktuelle Themen wie Geschlechterrollen, Homophobie oder AIDS und verbindet klassische mit zeitgenössischer und afrikanischer Bewegungssprache. Ein „Schwanensee“-Crashkurs aus afrikanischer Sicht, der den Dualismus von ‚weißem’ und ‚schwarzem’ Schwan mit Witz und zugleich Respekt für die Vorlage konterkariert.

Dada Masilo über „Schwanensee“
»Als ich meine Tanzausbildung im Alter von 12 Jahren aufnahm, war „Schwanensee” das erste Ballett, das ich sah. Ich verliebte mich total in dieses Werk, besonders in die Tutus. Ich schwor mir, eines Tages meinen eigenen „Schwanensee“ zu choreografieren. 2009 saß ich dann im Tanzstudio und hörte mir die Musik zum berühmten Pas de deux aus „Schwanensee“ von Peter I. Tschaikowsky an. Ich glaube, das war der Anfang. (…)
Ich bin mir nicht ganz sicher, wann ich auf die Idee kam, Klassisches Ballett mit afrikanischem Tanz zu verschmelzen, aber irgendwie fühlte es sich richtig an. (…)
In meiner Choreografie singen die Tänzerinnen und Tänzer auch und sprechen eine ganze Menge. Ich wollte, dass alles echt ist, kein Phantasiebild wie im Klassischen Ballett. Wir singen in der Brautpreis- und der Hochzeits-Szene, genau so wie das bei traditionellen afrikanischen Festen der Fall ist. Es gibt auch jede Menge Rufe, Schreie und Geheul. Dieser ‚Lärm’ ist Teil unserer Kultur. Südafrikaner vokalisieren alles. Meist halten uns andere Menschen für laut und sehr energiegeladen. Mit diesen Wahrnehmungen und Vorurteilen spiele ich. (…)
In „Schwanensee“ geht es nicht nur um das Verschmelzen zweier Tanz-Techniken. Es geht auch darum, zwei unterschiedliche Kulturen und Ästhetiken zu verschmelzen.«

DADA MASILO
Dada Masilo ist im südafrikanischen Johannesburg geboren und aufgewachsen. Mit 11/12 Jahren nahm sie ihr Tanztraining bei The Dance Factory auf. Sie besuchte außerdem die National School of the Arts in Johannesburg und schloss ihre dortige Ausbildung mit 17 ab. Nach einem Jahr als Elevin am Jazzart Dance Theatre in Kapstadt wurde sie an den Performing Arts Research and Training Studios in Brüssel aufgenommen, wo sie zwei Jahre blieb. Nach ihrer Rückkehr nach Südafrika 2006 begann sie mit dem Choreografieren. 2008 wurde sie mit dem renommierten Standard Bank Young Artist Award im Bereich Tanz ausgezeichnet. Vom National Arts Festival bekam sie den Auftrag, drei Werke zu schaffen: „Romeo und Julia“ (2008), „Carmen“ (2009) und „Schwanensee“ (2010). 2011 lud man sie ein, das von ihr choreografierte Solo „The Bitter End of Rosemary“ (eine „Hamlet“-Paraphrase über Ophelias Tod) beim Festival Anticodes im französischen Brest zu zeigen. Danach durfte sie mit ihren Choreografien auf Europa-Tournee gehen. Bislang war „Schwanensee“ u. a. in Frankreich zu sehen, in sechs italienischen Städten (darunter auch in Rom), in der Schweiz, in Stockholm, Innsbruck, Luxemburg, Düsseldorf und Hamburg.
Im September 2014 eröffnete Masilo die Biennale in Lyon mit einer Neuinszenierung ihrer „Carmen“, was eine ausgedehnte Europa-Tournee nach sich zog, u. a. fünf Wochen in Paris. 2015 tourte sie mit „Schwanensee“ und „Carmen“ und zeigte diese Werke in Norwegen, Griechenland, Russland und den Niederlanden. Im November 2015 tanzte sie an der BAM (Brooklyn Academy of Music) in New York, an der Yale University und 2016 auch beim australischen Perth Festival ihre eigene Choreografie zu William Kentridges Stück „Refuse The Hour”. 2016 führte sie „Schwanensee“ in Ottawa, Montreal und vier US-amerikanischen Städten auf, darunter sechs Vorstellungen im New Yorker The Joyce Theater.
Masilo liebt die Klassiker sehr – von Shakespeare bis Tschaikowsky, von Ballett bis Flamenco. Als Tänzerin beeindruckt sie mit der für sie typischen Schnelligkeit und damit, wie sie ihre Rollen auf theatralische und frühreife Art auflädt. Als Choreografin geht sie mutig die ‚großen’ Stoffe an, verschmilzt kühn die verschiedensten Tanztechniken und mischt Originalpartituren mit denen moderner Komponisten.

THE DANCE FACTORY
The Dance Factory wurde 1992 in Johannesburg mit dem erklärten Ziel gegründet, dem südafrikanischen Tanz eine Heimstatt zu geben. Seit 1994 ist The Dance Factory mit großem Tanzstudio und einem angeschlossenen 220-Plätze-Theater in einem ehemaligen Lagerhaus im Stadtzentrum von Johannesburg untergebracht, das für Tänzerinnen, Tänzer und Publikum aus Stadt und Kommune gut zu erreichen ist.
Von 1993-2001 organisierte The Dance Factory für das städtische Projekt Arts Alive insgesamt neun jährlich stattfindende Festivals, die zu einer Plattform für Projekte verschiedenster Tanzformen wurden: von renommierten internationalen Gästen wie z. B. Donald Byrd/The Group (New York), Rosas (Brüssel), Scapino Ballet (Rotterdam), über südafrikanische Companys bis hin zu Hochschul-Tanzprogrammen und kommunalen bzw. Jugend-Tanzgruppen mit Tanzstilen von Klassischem Ballett bis Gumboot-Dance, von Physical Theatre bis Pantsula.
Die am Festival teilnehmenden Jugend-Ensembles brachten The Dance Factory viele talentierte Nachwuchskünstler und -künstlerinnen – wie z. B. die damals 11-jährige Dada Masilo von der Gruppe The PeaceMakers aus Soweto. Auf Initiative der Gruppenleiter institutionalisierte The Dance Factory auch ein anerkanntes Ausbildungsprogramm für Tanz. Was als Treffen einmal pro Woche begann, entwickelte sich zu einem intensiven Sieben-Tage-die-Woche-Kurs für bis zu 60 Jugendliche unter 18 Jahren, die in Ballet und zeitgenössischem Tanz ausgebildet wurden und Werke von Südafrikas besten Nachwuchs-Choreografen aufführten. Die Finanzierung durch die National School of the Arts und andere Institutionen garantierte einen qualitätvollen akademischen Unterricht. Den Jugendlichen wurde geholfen, ihre Ausbildung nach Abschluss des Dance-Factory-Programms in Südafrika oder anderswo fortzusetzen. Nach ihrer Ausbildung am Performing Arts Research and Training Studios (p. a. r. t. s.) in Brüssel kehrte Dada Masilo als Artist-in-Residence zu The Dance Factory zurück und erhielt hier die Chance, ihre Karriere weiterzuführen.

Pressestimmen

Nicht nur durch ihren frischen, schnellen Stil, der um Afrikanischen Tanz, komödiantisches Theater und Karneval erweitert wird, hebt sich Dada Masilos Neufassung von so vielen anderen Versionen ab, sondern vor allem durch Masilos Witz und Ernsthaftigkeit im Umgang mit den ursprünglichen Themen des Balletts.
Judith Mackrell, The Guardian, 18.6.2014.

Es gibt immer diese eine Festival-Produktion, über die alle reden und um deren Eintrittskarten sich alle schlagen. Dieses Jahr war das Dada Masilos „Schwanensee“ – ein Hochgenuss für Tanz-Liebhaber.
The Star

Masilos Körpervokabular ist faszinierend. In die Konventionen des Klassischen Balletts webt sie starke Stränge von energiegeladenem, bodenständigem südafrikanischen Pantsula- und Gumboot-Dance. Das ergibt eine sich gegenseitig verstärkende und belebende Kombination, die von dem bezaubernd jungen, meist schwarzen bzw. gemischten Ensemble auch noch erfrischend getanzt wird.
Mark Monahan, The Telegraph, 18.6.2014.

Der Pas de deux zwischen Siegfried (…) und Odile (…) ist in der Unmöglichkeit dieser Liebe ergreifend schön.
Brian Seibert, New York Times, 4.2.2016.

Dada Masilo ist eine mutige und wunderbar kreative Choreografin. Kühn beansprucht ihr „Schwanensee“ einen Platz auf der Liste wichtiger neuer Werke.
Andrew Blackmore-Dobbyn, bachtrack.com, 4.2.2016.

Dada Masilos brillante Choreografie zeigt die Schönheit zeitgenössischen Tanzes (…).
Sifi so Sikhakhane, Artsmart

Dada Masilo re-imaginiert Klassisches Ballett aus afrikanischer Sicht und übersetzt es in etwas Kraftvolles, Herzzerreißendes, das aber trotzdem auch Momente von großer Komik und Menschlichkeit aufweist.
Jess Levy, Richard Moor

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