Liebe und andere Unglücksfälle

Liebe und andere Unglücksfälle © Fritz MeffertDominique Horwitz / Jourist Quartett
LIEBE UND ANDERE UNGLÜCKSFÄLLE 
Konzerttangos aus Russland von Efim Jourist
und russische Erzählungen von Iwan Bunin

Mit
Dominique Horwitz – Sprecher
Edouard Tachalow – Violine
Jakob Neubauer – Bajan, Bandoneon
Andreas Dopp – Gitarre
Johannes Huth – Kontrabass

ca. 10.03.2021 –25.03.2021

Literatur-Nobelpreisträger IWAN BUNIN (1870-1953)
Der Zauber russischer Erzählungen vergeht nicht. Auch nach ein paar Menschenaltern erscheinen sie frischer als das meiste, was der Trend verlangt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie vom Wichtigsten im Leben, vom Unvorhergesehenen handeln.
Im Jahr 1933 erhielt der russische, im Pariser Exil lebende Schriftsteller Iwan Bunin, dessen Geburtstag sich 2020 zum 150. Mal jährt, den Nobelpreis für Literatur. Bunin war mit Tschechow, Turgenjew und Gorki befreundet. Als Sohn eines Gutsbesitzers aus der Provinz begann er mit Dorfgeschichten, die zur Idylle neigten und ein lyrisch geschöntes Bild vom Landleben boten. Erst nach der Revolution von 1917, als er nach Frankreich emigrieren musste, fand seine Prosa zu einer federnden, rücksichtslosen Kraft, und seine Geschichten wurden immer abgründiger. Fern von den Illusionen des Symbolismus sprechen sie von Chaos, Melancholie, Begierde und Wahnsinn.
Aus Bunins bester Zeit, den Jahren 1916 bis 1944, stammen die Novellen dieses Bandes. Als Kosmopolit wider Willen kannte er die Côte d’Azur und das algerische Constantine so gut wie die sommerlichen Boulevards von Moskau und die Absteigen und Gerichtssäle von Sankt Petersburg. Kleinstädte am Ende der Welt, dunkle Alleen, kaukasische Kurorte sind die Schauplätze der plötzlichen Leidenschaften und der unerklärlichen Verbrechen, von denen er erzählt. Und immer wieder findet sich der Leser an Bord eines Schiffes, eines Wolga-Dampfers, der träge dahingleitet, in einer Luxuskabine auf der Fahrt zur Krim.

D. Horwitz und Jourist Quartett - Johannes Huth - Ensemble (c) Fritz MeffertDas JOURIST QUARTETT
In Russland hat das Knopf-Akkordeon – das Bajan – eine ebenso eigenständige Klangentwicklung wie bedeutende Kultur hervorge- bracht. Efim Jourist, der Gründer des Quartetts und einer der inter- national herausragendsten Bajanvirtuosen, sowohl im klassischen Bereich wie in der Moderne, starb Anfang 2007. Seine leidenschaft- liche Musikalität, seine Lebensfreude und seinen schier unerschöpf- lichen Kompositionsreichtum lässt das Jourist Quartett in seinen Programmen weiterleben und entwickelt aus diesem Fundus Perspektiven für die Zukunft. Die vier Musiker an Bajan, Violine, Gitarre und Kontrabass spielen russischen Konzerttango. Auf wunderbare Weise vereinen Jourists Kompositionen die Melodien der russischen Seele mit südamerikanischen Rhythmen — und das Publikum ist überrascht und begeistert. Das Quartett war bereits zu Gast in Finnland und Österreich, in Italien bei den Meraner Festwochen sowie in Deutschland u. a. bei renommierten Festivals wie dem Beethoven Festival Bonn, Rheingau Musik Festival oder dem Schleswig-Holstein Festival. Für die Bewahrung der künstlerischen Integrität im Sinne des Gründers stehen Edouard Tachalow, Violine, und Johannes Huth, Kontrabass, die mit Jourist bis zu seinem Tod eng zusammenarbeiteten. Seit Anfang 2007 ist Johannes Huth Leiter des Jourist Quartetts.

Dominique Horwitz (Copyright: Ralf Brinkhoff)Der Schauspieler und Sprecher DOMINIQUE HORWITZ
Der in Paris geborene Charakterdarsteller zog als Jugendlicher mit seiner Familie nach Berlin. Mit 19 Jahren erhielt er sein erstes Schau- spiel-Engagement in der TV-Produktion „Eine Jugendliebe“. Es folgte mit Peter Lilienthals preisgekröntem Film „David“ seine erste Kino- produktion. Seitdem spielte er Hauptrollen in so wichtigen Filmen wie „Stalingrad“ (Regie: Josef Vilsmaier), „Stammheim“, „Nachtgestalten“, „Strayk – Die Heldin von Danzig“ (Regie: Volker Schlöndorff) oder „Die Frau des Friseurs“. In Fernsehspielen wie „Der große Bellheim“ (Regie: Dieter Wedel) begeisterte er ein großes Publikum und erhielt für seine Rolle in Oliver Hirschbiegels „Trickser“ 1998 den Goldenen Löwen. Im Jahr 2000 wurde ihm der Internationale Fernsehpreis für seine Arbeit in Michael Verhoevens „Enthüllung einer Ehe“ verliehen, in der er einen transsexuellen Familienvater spielt. Im TV war Horwitz in letzter Zeit in den Weimarer „Tatorten“ „Die Fette Hoppe“ (2013) und „Der irre Iwan“ (2015) zu sehen.
Trotz seiner über achtzig Film- und TV-Produktionen fühlt er sich aber vor allem im Theater zu Hause: 1978 debütierte er im Berliner Cabaret des Westens (CaDeWe) und wechselte ein Jahr später an das Tübinger Zimmertheater. 1983 holte ihn Frank Baumbauer an das Münchner Residenztheater. Am Hamburger Thalia Theater, an dem er von 1985 bis 1988 fest engagiert war, schrieb er unter der Regie von Robert Wilson als charismatischer, diabolischer Stelzfuß in der Uraufführung von William S. Burroughs/Tom Waits Musical „The Black Rider“ Theatergeschichte. Weitere Bühnenerfolge waren u. a. 1993 die Uraufführung von „The Dreigroschenoper“ an den Hamburger Kammerspielen, 1995 Harold Pinters Stück „Moonlight“ am Berliner Ensemble (Regie: Peter Zadek), 1997 Brechts „Im Dickicht“ am Deutschen Theater Berlin, 2000 Falk Richters „Polaroids“ am Zürcher Schauspielhaus und 2005 die Uraufführung von Moritz Rinkes „Café Umberto“ am Düsseldorfer Schauspielhaus. 2010 inszenierte Dominique Horwitz am Südthüringi- schen Staatstheater in Meiningen mit großem Erfolg William Shakespeares „Ein Sommer-nachtstraum“. Im selben Jahr stand er in der Titelrolle des populären Versdramas „Cyrano de Bergerac“ (eine Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen) auf der Bühne des Hamburger Schauspielhauses. 2012 gab er sein Opernregie-Debüt mit Webers „Der Freischütz“ am Theater Erfurt.
Auch als Sprecher und Sänger ist der Schauspieler mit dem ausgeprägten Musik-Gespür gefragt. Sein Talent im musikalisch-literarischen Genre konnte er u. a. beim Strawinski-Abend „Geschichte vom Soldaten“ (mit Daniel Barenboim) und „Oedipus Rex“ (mit Valery Gergiev) unter Beweis stellen. In der Saison 2014/2015 wurde mit ihm bei den Bochumer Symphonikern erstmals ein Schauspieler Artist in Residence. Nach seinen Erfolgen mit dem Monodrama „ich mach ja doch was ich will“ von Doug Wright und John Logans Künstlerdrama „ROT“, dem Chanson-Abend „Jacques Brel! Theater als Chanson“, dem teuflisch-musikalischen Abend „Me and the Devil“ (nominiert für den INTHEGA-Preis 2017) sowie den musikalischen Produktionen „Liebe und andere Unglücksfälle“ und „DEUTSCHE MÄRCHEN“ geht Dominique Horwitz in der Spielzeit 2020/21 nun erneut mit der Konzertdirektion Landgraf auf Tournee.

Pressestimmen

Anfällig für die Liebe
Horwitz liebt wunderbar erzählte Geschichten, erst recht solche über große menschliche Leidenschaften. Aus den 30 Bunin-Novellen wählt Horwitz drei (…) aus: „Der mordwinische Saratan“, „Sonnenstich“ und „Der Sohn“ (…).
(…) Nun balanciert der Schauspieler mit den Texten aus einer anderen Zeit in unsere medial strapazierten Ohren und bahnt sich, geschickt Worte und Pausen abwägend, den Weg ins Herz.
FRANKFURT (Oder) Silvia Fichtner, Märkische Oderzeitung, 7.3.2019.

Enge Verbindung zwischen Sprache und Musik
Dominique Horwitz und das Jourist-Quartett spüren (…) mit Liebesgeschichten von Iwan Bunin und passender Musik der russischen Seele nach. (…) Die Produktion war künstlerisch herausfordernd, besaß Tiefgang und bot sowohl schauspielerisch, literarische und musikalische Anreize zugleich. (…) Die Gestik, Mimik und Deklarationskraft Horwitz‘ (…) machten die ausgewählten Novellen gut nachvollziehbar und hielten (…) den Spannungsbogen (…) immer aufrecht. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leistete das Jourist-Quartett. (…) Die eigentliche Leistung der Musiker bestand (…) darin, parallel zur Lesung eine enge Beziehung zum Text herzustellen und ihn nicht nur zu begleiten, sondern diesen auch zu interpretieren, auszudeuten und zu vertiefen. Das ist den vier Musikern hervorragend gelungen. (…) Fazit: Wenn fünf Männer gleichzeitig Liebesgeschichten erzählen, kann dies ausnahmsweise auch einmal sehr unterhaltsam sein.
ISERLOHN Hubert Schmalor, Iserlohner Kreisanzeiger u. Zeitung/Westfälische Rundschau, 19.11.2019.

Kammerspiel über die Liebe
Dominique Horwitz brachte diese [die Liebe und ihre Abgründe, Anm. d. Red.] den gebannt lauschenden Zuhörern (…) mit drei Novellen des russischen Nobelpreisträgers Iwan Bunin (…) zu Gehör oder besser zu Gemüte. Denn er gestaltete seine Lesung (…) als szenisches Kammerspiel mit seiner eindringlichen Stimme, facettenreicher Gestik sowie Mimik und ebenso imposanter Musik. (…) Der (…) tosende Beifall am Ende zeigte, dass das Publikum (…) Horwitz‘ Reise nach innen bereitwillig mitging.
ITZEHOE Gabriele Knoop, Norddeutsche Rundschau, 25.11.2019.

Horwitz begeisterte
Da kam im voll besetzten Saal große Begeisterung auf (…).
SCHORTENS (WAN), Wilhelmshavener Zeitung, 13.11.2019.

Dominique Horwitz ließ sich bei der Lesung vom Jourist-Quartett musikalisch begleiten, was der Lesung noch einmal besonderen Zauber gab. Die Musiker (…) untermalten die Lesung auf hochvirtuose Weise.
SCHORTENS (IDE), Nord-West-Zeitung, 13.11.2019.

Das hätte ein lockeres Nebeneinander von Text und Musik sein können, doch es kommt wesentlich besser – nämlich zum gekonnten Miteinander.
Das Melodram wird neubelebt und mit einem ganz besonderen Geist versehen. (…) Mit Dominique Horwitz stellt sich in Steinhagen ein ausgezeichneter Rezitator vor. (…) Bei aller Leidenschaft seines Vortrags bleibt auch eine ironische Distanz zum Text.
STEINHAGEN Reiner Schmidt, Haller Kreisblatt, 3.12.2019.

Dominique Horwitz und das Jourist Quartett fesseln bis zum Schluss
Das Jourist Quartett spielte sie [Konzerttangos] in einer beeindruckenden Weise. Geiger Edouard Tachalow wahrte die Balance zwischen technischer Perfektion und Salonatmosphäre. Jakob Neubauer entlockte dem Bajan, der russischen Variante des Bandoneons, glitzernde und perlende Läufe und Figuren im Wechsel mit sehnsuchtsvollen Melodien, während Gitarrist Andreas Dopp für besondere Akzente sorgte. Der Kontrabassspieler und musikalische Leiter Johannes Huth war auch für die geschickten Arrangements verantwortlich, die als Begleitmusik die Stimmung ausmalten. Besonders eindrucksvoll war das Zitat des Brahms-Liedes „Meerfahrt“ auf Worte von Heinrich Heine. (…) Die exzellente schauspielerische Leistung fesselte das Publikum bis zum Schluss.
STEINHAGEN Armin Kansteiner, Westfalen-Blatt, 3.12.2019.

Die gefühlvolle russische Seele
Der Zauber russischer Erzählungen vergeht nicht, hieß es in der Ankündigung. Das zeigte sich auch bei der Aufführung. Zumal mit einem Vorleser wie Horwitz, der in die Seele dieses Landes einzutauchen verstand, der die menschlichen Facetten abrief und mit Stimme und Gestus Personen entstehen ließ. (…) Die Musiker vollendeten das Programm mit technischem und gefühlvollen Können. Mit der Vielfalt des Tangos (…) sorgten  sie für einen besonderen Abend.
SYKE (iv), Kreiszeitung, 4.3.2019.

Zauberhaft
Der Zauber vergangener Zeiten scheint nicht zu vergehen. Das gilt insbesondere dann, wenn Literatur von Iwan Alexejwitsch Bunin sowie Efim Jourists Konzerttangos meisterhaft präsentiert werden und folglich Dichtung und Musik vorzüglich harmonieren. Das geschah am Freitag im Konzertsaal der Syker Kreissparkasse, der ausnehmend gut besucht war. (…) Temperament und Melancholie intonierte er [Horwitz] glaubhaft und sinnlich erfassbar. Ein Zuschauer bezeichnete das Dargebotene begeistert als »Erzählkino«, in dem alles vor Augen geführt und sogar sinnlich wahrnehmbar werde. Wodurch selbst das Empfinden der Gerüche möglich sei. (…) Die Musik griff den roten Faden der Liebesthematik und Motivik fortwährend auf, verstärkte und trug ihn oder führte ihn fort.
SYKE Rita Behrens, Regionale Rundschau, 4.3.2019.

Das Jourist-Quartett und Dominique Horwitz begeisterten bei ihrem außergewöhnlichen Konzert in der Max-Reger-Halle.
Das Melodram – gesprochener Text mit Instrumentalmusik – ist auf den Bühnen selten geworden; Horwitz rehabilitiert es mit raffinierter Meisterschaft. (…)
Edouard Tachalow an der Violine mit sinnlich schwelgendem Ton und lässig sprudelnder Virtuosität (…). Auf Augenhöhe alternierend Jakob Neubauer mit den schillernden Farben seines Bandoneons. Die rhythmische und harmonische Basis legen Gitarrist Andreas Dopp und Spiritus Rector Johannes Huth am Kontrabass.
Wie sie Stimmungen vorbereiten, psychische Vorgänge begleiten und überhöhen, Szenen trennen oder verbinden – und das alles mit akribisch genauem Timing – das hat Klasse und erinnert an die besten Tugenden von Filmmusik. (…) Horwitz erweist sich wieder einmal als Meister der Erzählkunst, fasziniert folgt das Publikum im voll besetzten Haus.
WEIDEN Peter K. Donhauser, Der Neue Tag, 11.11.2019.

Dominique Horwitz und das Jourist Quartett öffneten ein Schmuckkästchen voller Perlen der Lyrik und konzertanter Tangomelodien. Die Musik des Jourist Quartetts war kongenial auf den Vortrag zugeschnitten. Edouard Tachalow (Violine), Jakob Neubauer (Bajan), Christian Schulz (Gitarre) und Johannes Huth (Kontrabass) verbanden Klänge russischer Seele mit dem Rhythmus südamerikanischer Tangos – alles Kompositionen des berühmten verstorbenen Bajan-Spielers Efim Jourist – als wären sie Iwan Bunin beim Schreiben seiner Texte auf Schritt und Tritt gefolgt.
Johannes-Christoph Weis, Badische Neueste Nachrichten, 27.10.2015.

 

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