Best of Dreigroschenoper 2071

Best of Dreigroschenoper 2071 - Dominique Horwitz und EnsembleDominique Horwitz & Friends
BEST OF DREIGROSCHENOPER 2071
Ein furios-musikalischer Theaterabend
von und mit Dominique Horwitz

ca. 06.11.2019 – 30.11.2019

Mit Dominique Horwitz
und der siebenköpfigen „Me and the Devil“-Band
Musikalische Leitung: Johannes Huth

»Und der Haifisch, der hat Zähne…«
Nach dem fulminanten Erfolg ihres teuflisch-musikalischen Theaterstreichs „Me and the Devil“ setzen sich Dominique Horwitz und seine siebenköpfige Band nun ein neues Ziel – und erfinden kurzerhand Brecht/Weills „Die Dreigroschenoper“ neu. Zu diesem Zweck erzählen sie von Sehnsucht und Widerstand im Heute und Morgen und spielen musikalisch mit dem 20. Jahrhundert, um das Publikum mit Verve ins 21. zu begleiten. Sich ständig verändernde soziale Gegebenheiten fordern von uns eine sich ebenfalls immer wieder verändernde Sicht auf Gesellschaft, Kunst und Kultur. Länder und kulturelle Grenzen verschwimmen, eine Neuorientierung tut not: auch (oder gerade) in der Musik. Und so bahnt sich die beunruhigende und aufregende „Dreigroschenoper“ des letzten Jahrhunderts hier als »neue« Dreigroschenoper, die im Jahr 2071 spielt, ihren Weg in die Zukunft – aufwühlend und kämpferisch wie eh und je.

Eine erste Brecht-Weill-Dreigroschenoper-Hommage stellte Dominique Horwitz bereits 1993 an den Hamburger Kammerspielen vor; zu der er 1998 einen Live-Mitschnitt auf CD veröffentlichte. Seitdem lässt ihn das 1928 uraufgeführte Stück nicht mehr los; zahlreiche erfolgreiche Gastspiele seines anarchischen „Best of Dreigroschenoper“-Querschnitts folgten. Nun also eine in der nicht mehr allzu fernen Zukunft spielende Neufassung – Brecht und Weill hätten sicherlich ihre diebische Freude daran…

Mit so bekannten Dreigroschenoper-Liedern wie „Moritat von Mackie Messer“, „Kanonen-Song“, „Barbara-Song“, „Anstatt-daß-Song“, „Die Seeräuber-Jenny“, „Eifersuchtsduett“, „Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“, „Zuhälterballade uvm. 

Best of Dreigroschenoper 2071 - Dominique Horwitz und Ensemble Best of Dreigroschenoper 2071 - Dominique Horwitz und Ensemble Best of Dreigroschenoper 2071 - Dominique Horwitz und Ensemble

Dominique Horwitz
Der in Paris geborene Charakterdarsteller zog als Jugendlicher nach Berlin. Mit 19 Jahren erhielt er sein erstes Schauspiel-Engagement in der TV-Produktion „Eine Jugendliebe“. Es folgte mit Peter Lilienthals preisgekröntem Film „David“ seine erste Kinoproduktion. Seitdem spielte er Hauptrollen in so wichtigen Filmen wie „Stalingrad“ (Regie: Josef Vilsmaier), „Stammheim“ oder „Strayk – Die Heldin von Danzig“ (Regie: Volker Schlöndorff). In Fernsehspielen wie „Der große Bellheim“ (Regie: Dieter Wedel) begeisterte er ein großes Publikum und erhielt für seine Rolle in Oliver Hirschbiegels „Trickser“ 1998 den Goldenen Löwen. Im Jahr 2000 wurde ihm der Internationale Fernsehpreis für seine Arbeit in Michael Verhoevens „Enthüllung einer Ehe“ verliehen, in der er einen transsexuellen Familienvater spielt. Außerdem war Horwitz 2013 und 2015 im Weimarer „Tatort“ zu sehen.
Trotz seiner über 80 Film- und TV-Produktionen fühlt er sich aber v. a. im Theater zu Hause: 1978 debütierte er im Berliner Cabaret des Westens und wechselte ein Jahr später an das Tübinger Zimmertheater. 1983 holte ihn Frank Baumbauer an das Münchner Residenztheater. Am Hamburger Thalia Theater, an dem er von 1985 bis 1988 fest engagiert war, schrieb er unter der Regie von Robert Wilson als diabolischer Stelzfuß in der Uraufführung von Tom Waits’ Musical „The Black Rider“ Theatergeschichte. Weitere Bühnenerfolge waren u. a. 1993 die Uraufführung von „The Best of Dreigroschenoper“ an den Hamburger Kammerspielen, 1995 Harold Pinters Stück „Moonlight“ am Berliner Ensemble (Regie: Peter Zadek), 1997 Brechts „Im Dickicht“ am Deutschen Theater Berlin, 2000 Falk Richters „Polaroids“ am Zürcher Schauspielhaus und 2005 die Uraufführung von Moritz Rinkes „Café Umberto“ am Düsseldorfer Schauspielhaus. 2010 inszenierte Dominique Horwitz in Meiningen mit großem Erfolg Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Im selben Jahr stand er in der Titelrolle des populären Versdramas „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand auf der Bühne des Hamburger Schauspielhauses. 2012 gab er sein Opernregie-Debüt mit Webers „Der Freischütz“ am Theater Erfurt. Auch als Sprecher und Sänger ist der Schauspieler gefragt. Sein Talent im musikalisch-literarischen Genre konnte er u. a. beim Strawinski-Abend „Geschichte vom Soldaten“ (mit Daniel Barenboim) und „Oedipus Rex“ (mit Valery Gergiev) unter Beweis stellen. In der Saison 2014/2015 wurde mit ihm bei den Bochumer Symphonikern erstmals ein Schauspieler Artist in Residence.

Nach seinen Erfolgen mit John Logans Künstlerdrama „ROT“, dem Chanson-Abend „Jacques Brel! Theater als Chanson“, dem teuflisch-musikalischen Abend „Me and the Devil“ (nominiert für den INTHEGA-Preis 2017) sowie den beiden Gastspiel-Produktionen der Spielzeit 2018/19 („Liebe und andere Unglücksfälle“ und „Dominique Horwitz und Murat Parlak erzählen DEUTSCHE MÄRCHEN“) wird Dominique Horwitz in der Spielzeit 2019/20 nun bereits zum sechsten Mal für die Konzertdirektion Landgraf auf Tournee gehen.

Pressestimme

FRISCHZELLENKUR FÜR BERTOLT BRECHT
Rumms! Das sitzt. Das Siebensegel-Schiff, auf dem Bertolt Brecht und Kurt Weill als neugierige,  blinde Passagiere mitreisen, das der Schauspieler und Sänger Dominique Horwitz und seine „Me an the Devil“-Band steuern, hat seine Munition abgefeuert. Volle Breitseite hinein in unsere Selbstgefälligkeit. Die Widerhaken, mit denen wir geentert wurden,  stecken nun in unserem Fleisch.
Horwitz und „Me and the Devil“ in ihren chinesischen Seidenjacken laden das Publikum in der Silvesternacht 2070/71 ein, das neue Jahr zu begrüßen – mit den neuen Verhältnissen. China hat längst die alten Weltmächte an den Rand der Bedeutungslosigkeit gedrängt, die Europäische Union ist auseinandergebrochen (…).
Was das alles mit der Dreigroschenoper von Brecht und Weill zu tun hat? In einem Selbstinterview hatte sich Brecht zu Beginn der 1930er Jahre gefragt, was wohl den enormen Erfolg der „Dreigroschenoper“  ausmache, und er konstatierte: »Ich fürchte all das, worauf es mir nicht ankam: die romantische Handlung, die Liebesgeschichte, das Musikalische.« Und worauf wäre es ihm angekommen? »Auf die Gesellschaftskritik. Ich hatte zu zeigen versucht, dass die Ideenwelt und das Gefühlsleben der Straßenbanditen ungemein viel Ähnlichkeit mit der Ideenwelt und dem Gefühlsleben des soliden Bürgers haben.«  Klingelt‘s?
Horwitz‘ Einstieg ist kein Kunstgriff. Er meint es ernst. (…) Wie verhält man sich zu den Umbrüchen in unserer Zeit? Machen wir die Augen zu? Glauben wir, das einfach aussitzen zu können?«, fragt der weltoffene  Künstler. Und da sind wir bei Brecht und Weill und Horwitz‘ Sicht auf die „Dreigroschenoper“. Wie steht es auf diesem Planeten? Mit dieser Welt? Mit dieser Gesellschaft, deren Politikern, wie mit uns? In diesen Kontext stellt  Horwitz Brechts Texte. Heraus kommt (…) ein musikalisches Juwel aus Fleisch und Blut, aus  Schweiß und frischem Wind, aus Tränen und Lebensfreude. Und nicht nur einmal lösen sich in die Sekundenstille nach den Songs hinein Töne des verblüfften Entzückens  aus den Mündern der Zuschauer.
Man weiß ja längst um die künstlerische  Bandbreite  von Horwitz. (…) So wie er (…) die Brecht-Weill’schen Songs mixt unter anderem mit welchen von David Bowie und Steve Wonder, mit Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“, mit Irving Berlins „Cheek to cheek“, mit Musik aus „Fluch der Karibik, mit „Get Lucky“ von Daft Punk, gewinnt Horwitz den Brechttexten neue Denkdimensionen ab.
Weills Musik scheint durch den Abend wie der Mond von Soho in wolkenverhangenen Nächten. Aber die „Me and the Devil“-Sterne funkeln aus einem anderen All: (…) [sie] treiben nicht nur Horwitz zu Höchstleistung, das Publikum gibt ziemlich schnell seine vornehme Zurückhaltung auf. Ja, das ist rockig, soulig, funkig, jazzig, salonmusikalisch, eingängig, frisch, lakonisch, traurig, feurig-final. Vor allem aber geht diese Musik sofort ins Blut.
(…) Seeräuberjenny, warte! Nimm uns mit auf das Schiff!
Silvia Fichtner, Märkische Oderzeitung, 24.9.2018.