Wunschkinder

EURO-STUDIO Landgraf
WUNSCHKINDER
Schauspiel von Lutz Hübner (Preisträger des INTHEGA-Vorstandes 2014)
und Sarah Nemitz

ca. 07.12.2018 – 25.02.2019

Mit Martin Lindow, Gerit Kling * u. a.
* Die Vertragsverhandlungen sind noch nicht abgeschlossen.

[„Wunschkinder“] ist noch keine zwei Minuten alt, da sind die Zuschauer bereits mitten drin im Grundkonflikt, dem Nervenspiel der Generationen, von dem die Autoren (…) pointiert erzählen.
BOCHUM Sven Westernströer, WAZ, 31.05.2016

Inhalt
ELTERN WERDEN IST NICHT SCHWER, ELTERN SEIN…
Bettine und Gerd haben ein Problem: Ihr Sohn Marc, der vor ein paar Monaten mit Ach und Krach sein Abi geschafft hat, hängt seitdem zuhause rum und tut nichts als schlafen, Fernsehen, kiffen, den Kühlschrank leerfressen und Party – und das natürlich inklusive Wäschewasch-Service in elterlicher ‚Vollpension’.
Keine Initiative, kein Plan in Sicht. Nichts. Das treibt besonders Vater Gerd zur Weißglut, der als leitender Bauingenieur eines internationalen Konzerns lösungsorientiertes Handeln gewöhnt ist. Genauso könnte man einen Pudding nach dem Sinn des Lebens fragen, klagt er.
Doch Druck hilft nicht. Und Diskussionen schon gar nicht! Aber ganz raushalten und einfach machenlassen, wie es Bettines alleinerziehende Schwester Katrin vorschlägt, ist auch keine Lösung. Dabei meinen es Bettine und Gerd doch nur gut.
Was haben sie bloß falsch gemacht?
Aber dann lernt Marc Selma kennen, die in puncto Zielstrebigkeit sein genaues Gegenteil ist: Sie holt an der Abendschule gerade ihr Abi nach, hat zwei Jobs und kümmert sich auch noch um ihre psychisch labile Mutter Heidrun, die als Köchin in einer Werkskantine arbeitet. Aus den beiden ungleichen 19-Jährigen wird ein Liebespaar. Und endlich scheint es auch aufwärts zu gehen mit Marcs Antriebskraft. Er und Selma wollen sogar zusammenziehen.
Doch dann ist Selma plötzlich schwanger.
Sofort startet Bettines und Gerds Fürsorge-Wahn. Sie machen sich an die Zukunftsplanung für Sohn und Enkelkind in spe. Dafür sind Eltern ja schließlich da!
Nur Selma und Marc hat noch niemand gefragt …

Das erfolgreiche Autorenduo Hübner/Nemitz beschäftigt sich in „Wunschkinder“ nicht mehr mit Eltern von Grundschulkindern und ihren Sorgen um den Übergang ins Gymnasium (wie in ihrem Theaterhit „Frau Müller muss weg“). In „Wunschkinder“ geht es um größere Kinder – und entsprechend größere Probleme. Warum sind aus den süßen Sprösslingen so antriebslose Null-Bock-Erwachsene geworden, die nicht wissen wollen, wie es in ihrem Leben weitergehen soll?

 

Der Schauspieler MARTIN LINDOW
Seine Titelrolle in „Der Fahnder“ und die Hauptrolle in „Polizeiruf 110“ haben Martin Lindow zum Fernsehstar gemacht. Aber der vielseitige, im Ruhrpott aufgewachsene Schauspieler kann auch auf eine beachtliche Theaterkarriere zurückblicken. Schon nach seiner Ausbildung an der Folkwang-Hochschule in Essen, bekam er sein Erstengagement am dortigen Schauspielhaus (1989-1991) und wurde danach auch ans Schauspielhaus Düsseldorf (1991-1993) und ans Schauspielhaus Hamburg (1993-1997) engagiert. An diesen Theatern arbeitete er nicht nur mit dem damaligen Who-is-Who der jungen Regiegarde (Werner Schroeter, Herbert König, Anselm Weber, Leander Haussmann, Elke Lang), sondern hatte auch das Glück, noch Rollen mit so legendären Regie-Koryphäen wie Kurt Hübner, B. K. Tragelehn, Hansgünther Heyme, Hansjörg Utzerat und Wilfried Minks zu entwickeln. Ab 1998 führten ihn Gastengagements z. B. an das Schauspielhaus Bochum, das Nationaltheater Luxemburg und das Schauspielhaus Zürich, wo er u. a. unter der Regie von Karin Beier im LaBute-Stück „das maß der dinge“ spielte.
1994 stand er in seiner ersten TV-Episodenrolle neben Hannelore Elsner in „Die Kommissarin“ vor der Kamera. 1995 übernahm er in „Polizeiruf 110“ die Rolle des Dorfpolizisten Sigi Möller – und bekam für die Folge „1A Landeier“ 1996 den Adolf-Grimme-Preis als bester Hauptdarsteller. Gleich für die erste der 36 ausgestrahlten Folgen von „Der Fahnder“ (2001-2005) konnte er sich für seine Darstellung der Titelrolle über eine Nominierung zum Deutschen Fernsehpreis freuen.
1998/99 spielte er in elf Folgen der von Kritik und Publikum geliebten Serie „Die Straßen von Berlin“ und 21 Folgen in der Serie „Am liebsten Marlene“. Weitere Serien folgten: 2007-2010 „Rennschwein Rudi Rüssel“, 2011 die Vorabend-Justizkrimi-Serie „Henker und Richter“ (16 Folgen). Außerdem war er als Gaststar in Serien wie „Wolffs Revier“, „Tatort“, „Ein Fall für zwei“, „Alarm für Cobra 11“, „SOKO Leipzig und Köln“, „Spreewaldkrimi – Phoenix“, „Balko“, „Der Staatsanwalt“ und „Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen“ zu sehen. In „Der Dicke“ und „Sperling“ war er Partner von Dieter Pfaff, in „Lutter“ von Joachim Król. Im Zweiteiler „Eisfieber“ spielte er mit Heiner Lauterbach und in „Willkommen im Club“ mit Senta Berger.
In letzter Zeit dreht Martin Lindow neben Serienepisoden (z. B. für „Die Kanzlei“, „Die Chefin“ etc.) vor allem TV-Spielfilme für ZDF und ARD, darunter 2015 „Freundinnen alle für eine“ (Regie: Jan Ruzicka) an der Seite von Katja Riemann, Nicolette Krebitz, Sophie von Kessel und Ben Becker sowie „Apropos Glück“, 2016 „Nord Nord Mord – Clüver und die Tödliche Afäre“ (u. a. mit Robert Atzorn, Peter Lohmeyer und Annette Frier), „Praxis mit Meerblick“ und „Drei Enkel für Jella“ und 2017 den TV-Krimi „Unter anderen Umständen – Das Haus am Meer“ (u. a mit Natalia Wörner).
Mit dem EURO-STUDIO Landgraf ging Martin Lindow erstmals 2002/2003 auf Theatertournee; in Jaan Tättes Stück „Bungee Jumping oder Die Geschichte vom goldenen Fisch“ spielte er Osvald Koger. Danach konnte er sein nuancenreiches Spiel in der Doppelrolle als Milow/Kommissar in dem Psycho-Thriller „Revanche“ von Anthony Shaffer unter Beweis stellen. Eine seiner Paraderollen auch auf Tournee war Tom in Volker Hesses Inszenierung von Neil LaButes Erfolgsstück „Fettes Schwein“; diese Produktion wurde 2009 mit dem 3. INTHEGA-Preis ausgezeichnet. 2011 folgte dann mit Margit Schreiners „Haus, Frauen, Sex“ seine erste eigene Regiearbeit am Theater im Rathaus Essen, in der er auch selber auf der (Tournee-) Bühne stand. Mit dem Regisseur Ulrich Stark, der mit Lindow schon den Komödienhit „Der Vorname“ von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière sowie die Neil-Simon-Komödie „Der letzte der feurigen Liebhaber“ (2015-2017) für das EURO-STUDIO inszenierte, verbindet Martin Lindow eine zwanzigjährige Zusammenarbeit (gemeinsam drehten sie die Filmkomödie „Diamanten küsst man nicht“ mit Meret Becker und mehrere Folgen des „Polizeiruf 110“). Seit der Spielzeit 2013/14 ist Lindow in „Der Vorname“ als Querulant Vincent auf Tournee zu sehen. 2013 stand er bereits in diesem Stück am Berliner Renaissance Theater auf der Bühne – allerdings damals nicht in seiner Lieblingsrolle Vincent, sondern als Pierre.
Seit 2014 macht Martin Lindow übrigens auch im TV oder auf youtube Furore als liebenswerter Telekom-Werbe-Familienvater Walter Heins.

 

Presseauszüge zur Uraufführung am 29.05.2016 am Schauspielhaus Bochum (Auftragswerk) und zur Produktion am Renaissance Theater Berlin:

Unterhaltend, genau recherchiert, mit vielschichtigen Rollen
Wie immer befindet sich das Autorenduo (…) im direkten Kontakt mit der Alltagsrealität. Von der ersten Szene an funktioniert der (…) Hübner-Nemitz-Effekt. Er besteht im sofortigen Wiedererkennen (…), [weil die] Dialoge (…) lebensecht (…) und zugleich enorm bühnenwirksam sind. (…)
Die erste Hälfte (…) ist Edelboulevard, wie ihn sonst Yasmina Reza schreibt. In Deutschland reißen sich alle Bühnen vom Staatstheater bis zur Komödie um solche Texte. (…) Vater Gerd, ein leitender Ingenieur mit dickem Konto [liefert sich] mit Gattin Bettine die Wortduelle eines in Hassgewohnheit aneinander geschweißten Ehepaares jenseits des Liebesverfalldatums. (…) Mit der Liebesgeschichte bekommen die Figuren Hintergründe und Geschichten, schließlich führen sie Debatten, die ins Grundsätzliche gehen. (…) „Wunschkinder“ ist ein ausgezeichnetes Stück für alle, die sich im Theater mit Alltagsproblemen auseinander setzen wollen.
BOCHUM Stefan Keim, nachtkritik.de, 29.05.2016

Die Uraufführung (…) wird schwer gefeiert, wohl auch weil sich viele im Saal in den handfest gezeichneten Figuren wiedererkennen. Solche Themen hat daheim am Küchentisch schon mancher durchgekaut (…). (…) Die Konflikte sind genau beobachtet, süffisant zugespitzt.
BOCHUM Sven Westernströer, WAZ, 31.05.2016

Hübner und Nemitz können Figuren und Szenen bauen und einen Dialog schreiben, der es in sich hat.
BOCHUM Ulrich Fischer, Huffington Post, 31.05.2016

Reichlich Diskussionsstoff mit pointierten Dialogen.
BOCHUM Andreas Rossmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2016

Well-Made-Play-Dialoge entwickeln Sog
Nach dem Erfolg von „Frau Müller muss weg“ führt Hübner, einer der meistgespielten Autoren, auch in „Wunschkinder“ elterliche Nöte vor. Auf der Premierenfeier wurde kontrovers diskutiert. Das ist mehr wert als jedes Kritikerlob.
BOCHUM Elske Brault, Deutschlandradio Kultur, 29.05.2016

„Wunschkinder“ – großes Theater
Standing Ovations für das publikumsnahe Autoren-Duo.
BOCHUM Max Florian Kühlem, Rheinische Post, 01.06.2016

Alltagssituationen, die jeder irgendwie kennt
In „Wunschkinder“ [geht es] um die Abnabelung der Jugendlichen vom Elternhaus. (…) Der Text ist wie immer bei Hübner ausgefeilt, pointiert und trifft die Sache auf den Punkt. Schon zu Beginn, wenn Vater Gerd dem entspannt Musikhörenden Filius mal auf den Zahn fühlt, wie seine Pläne außer Partys aussehen, und Marc nur leicht genervt fragt: »Was liegt an?«, ist klar, das hier noch einiges zu klären ist. (…) Ein sehenswerter, nachdenklich stimmender Abend.
BOCHUM Antje van Bürck, Theater pur, 01.06.2016

Brillante Dialoge
BERLIN Volkmar Draeger, Neues Deutschland, 21.02.2017

Man wird in diesen Tagen in Berlin auf keiner Bühne ein Stück eines lebenden Autors finden, das so geistreich, so komisch und dabei so tiefsinnig ist wie jene „Wunschkinder.“
BERLIN Peter Raue, B.Z., 02.03.2017

Aus der Hölle der Helikopter-Eltern
Vater Gerd weiß für jedes Problem eine Lösung, was er aber nicht hat, ist Verständnis. Das gibt es umso mehr von Marcs (…) Tante Katrin (…), Bettines älterer Schwester, die selbst auf eine wilde Jugend als Rockerbraut zurückblickt und ihren eigenen Nachwuchs schon gelassen an der langen Leine hat erwachsen werden lassen. Ihr Rat ist nicht schlecht, nur weil er oftmals auch aus nicht viel mehr als Lebensweisheiten besteht. (…)
Die Komödie „Wunschkinder“ (…) bildet einen Generationenkonflikt realitätsnah ab. (…) Das alles ist von Sarah Nemitz (…) und Lutz Hübner (…) genau beobachtet und dem wirklichen Leben abgelauscht. Die Stücke des Autoren-Ehepaares gehören seit einigen Jahren zu den meistgespielten und inzwischen gar fürs Kino verfilmten („Frau Müller muss weg“, 2015) im deutschsprachigen Raum.
BERLIN Boris Kruse, Oranienburger Generalanzeiger, 02.02.2017

Die Autoren glänzen mit sehr genauen Realitätsbeschreibungen
Da rackert man sich für die lieben Kleinen ab, damit ordentlich was wird aus ihnen (…). Doch dann (…) hängen die Teenies im Full-Service-Hotel Mama & Papa ab. (…) Bei Nachfragen hinsichtlich Zukunft, mithin so Sachen wie Studium, Ausbildung, Beruf, da kommt statt einer Idee bloß ein genervter Augenaufschlag. Man redet, man baut goldene Brücken, macht Vorschläge (…), derweil Sohnemann Marc kiffend die Matratze wärmt und die Kopfhörer ihn abschotten von den ätzenden Sorgen der Alten.
BERLIN Reinhard Wengierek, blog.lustaufkultur.de, 13.02.2017

Wunsch und Wirklichkeit
Mit seinen Stücken, die zu den erfolgreichsten der Gegenwart gehören, beackert das Autorenpaar ein ergiebiges Feld zwischen Boulevardkomödie und Problemstück. (…) Mit „Wunschkinder“ erweitert es die bisherige bürgerliche Themenpalette um ein paar aufschlussreiche Problemfelder: Macht Geld Menschen zu besseren Eltern? Ist soziales Engagement nur etwas für junge Leute und Altlinke? Und wie geht man am Besten um mit spätpubertierenden Jugendlichen? Ihnen Angebote machen? Sie sich selbst finden lassen? Sie rausschmeißen? Da müsste man allerdings erst mal mit dem Helikoptern aufhören.
BERLIN Georg Kasch, Berliner Morgenpost, 02.02.2017

Das Publikum folgt mit Anteilnahme und verständnisinnigen Reaktionen dem Gang der Handlung, in der sich viele Situationen abbilden, die man aus eigenem Erleben kennt. Es gibt begeisterten und lärmend zustimmenden Applaus (…).
BERLIN Horst Rödiger, roedigeronline.de, 01.02.2017

Flott geschrieben, witzig formuliert, treffend gezeichnet, regt die Boulevardtragödie zum Smalltalk wie zu echten Debatten an.
BERLIN Irene Bazinger, FAZ, 03.02.2017

Begeistert beklatschte Premiere
Eltern haben es auch nicht immer leicht.
[„Wunschkinder“] handelt von den geballten Projektionen, Erwartungen und Enttäuschungen, die in diesem Clash der Generationen aufeinanderprallen.
BERLIN Patrick Wildermann, Der Tagesspiegel, 02.02.2017