Hexenjagd

EURO-STUDIO Landgraf
HEXENJAGD
(The Crucible)
Schauspiel von Arthur Miller
„Hexenjagd“ wurde u. a. ausgezeichnet mit dem ANTOINETTE PERRY AWARD
und dem TONY AWARD als BESTES STÜCK.

ca. 15.09.2018 – 10.11.2018

Regie: Volkmar Kamm

Mit Wolfgang Seidenberg (als John Proctor),
Carsten Klemm (als Richter Danforth) u. a.
insges. ca. 12 Schauspieler (Doppelbesetzungen)

„Hexenjagd“ behandelt mit der Hexenverfolgung des 17. Jahrhunderts in Amerika zwar einen historischen Stoff, die Zusammenhänge zwischen religiösem und politischem Fanatismus werden aber vom Autor bewusst auch auf seine Gegenwart – die Kommunistenhatz des berüchtigten Senators McCarthy – bezogen.
Die Überraschung: Über 60 Jahre nach der Uraufführung ist „Hexenjagd“ thematisch plötzlich wieder das Stück der Stunde. Denn garantierte und selbstverständlich gewordene Rechte und Errungenschaften werden durch Trump/Erdoğan/Orbán/Kaczyński als Nachfolger des US-Senators McCarthy und dessen Jagd auf »subversive Elemente« zunehmend außer Kraft gesetzt.

Ein Beweis für diese Aktualität des Stücks ist seine in letzter Zeit zu beobachtende Spielplanpräsenz. An rund 20 Bühnen in Groß- und Kleinstädten steht „Hexenjagd“ in den Spielzeiten 2016/17/18 auf dem Spielplan – von Staatstheatern (Berliner Ensemble, Burgtheater Wien, Bayerisches Staatsschauspiel München, Staatstheater Dresden, Schauspielhaus Düsseldorf) über Stadttheater (Heidelberg und Koblenz) bis hin zu Freilichtbühnen wie Bad Hersfeld.

Inhalt
Für den Zustand pubertierender Mädchen, die nach einem nächtlichen Tanz im Wald sonderbar reagieren, gibt es im puritanischen Salem des 17. Jahrhunderts nur eine Erklärung: Teufelswerk. Man ruft den bekannten Hexenspezialisten Pastor Hale zu Hilfe. Bei den von ihm geleiteten Verhören geben die Mädchen als Ausrede an, verführt und verhext worden zu sein. Sie merken schnell, dass sie der Strafe entgehen können, wenn sie andere der Teufelsbuhlerei beschuldigen. Und so denunzieren sie munter drauf los, bezichtigen unliebsame Gemeindemitglieder und genießen ihre neu gefundene Macht. Eine Hexenjagd beginnt.
Als dann aber die junge Abigail vor dem von Richter Danforth eigens einberufenem Hexengericht die Frau des Bauern John Proctor der Hexerei anklagt, hat sie eine Grenze überschritten. Bis allerdings klar ist, dass sich hinter Wahn und Massendenunziation nur eigennützige Ziele verbergen, werden einige Unschuldige hingerichtet…

Mit seiner außergewöhnlichen Bühnenwirkung und den messerscharfen Charakterporträts bis in die kleinste Nebenfigur hinein, ist Millers Stück „Hexenjagd“ auch heute noch ein Lehrstück über jegliche Art von Massenhysterie und politisch bzw. religiös motivierte Wahnvorstellungen. In „The Crucible“ (zu Deutsch ‚Schmelztiegel’, im übertragenen Sinne auch svw. ‚Feuerprobe’) führt Miller exemplarisch vor, wie leicht ein demokratisches System durch Intoleranz, Ignoranz und Fanatismus mit den Mitteln seiner eigenen Ordnungs- und Rechtsdisziplin ausgehebelt werden kann. Zu Recht gehört „Hexenjagd“ immer noch zu den erfolgreichsten und meistgespielten Dramen des Autors.

Arthur Miller
Ich habe eine schreckliche Angst vor Menschen mit zu viel Macht. Ich vertraue den Menschen nicht mehr. Früher dachte ich, daß wenn Menschen die richtige Idee haben, sie die Dinge auch entsprechend in Bewegung setzen könnten. Heute müssen wir Tag für Tag kämpfen, nur um Schreckliches zu verhindern.

Arthur Miller 
Überall dort, wo die Ablehnung des politischen Gegners grausame Formen annimmt, wo man ihn mißhandelt und austilgt, weil man in ihm nicht mehr den Menschen sehen kann – überall dort wirkt auch in unserem Jahrhundert der alte Hexenwahn.

McCarthy, seine Gesinnungsschnüffelei und Millers „HEXENJAGD“
Zwischen 1947 und 1952 bemächtigte sich ein hysterischer Antikommunismus der amerikanischen Öffentlichkeit, der seinen Höhepunkt mit der Kampagne des Senators McCarthy gegen „subversive Elemente“ erreichte, die der Senator überall, insbesondere unter den führenden Persönlichkeiten und Intellektuellen vermutete.
McCarthys paranoide Gesinnungsschnüffelei, die das öffentliche Leben der Vereinigten Staaten verseuchte, bildet Motiv und Hintergrund zu Millers „Hexenjagd“. Die Parallelen sind verblüffend. In beiden Fällen handelt es sich um Anschuldigungen, die dank der Irrationalität der angeblichen Verbrechen weder eindeutig bewiesen, noch widerlegt werden können, lauten sie nun auf Illoyalität gegenüber dem Staat oder Umgang mit dem Teufel.
Aus Rainer Lübbren: Arthur Miller. Friedrich Verlag, Velber 1966 

Der Regisseur VOLKMAR KAMM
Als Regisseur, Dramaturg und Oberspielleiter ist er in allen Theaterbereichen zu Hause. Nach seinem Studium der Germanistik, Publizistik und Theaterwissenschaft in Berlin führten ihn Engagements u. a. nach Stuttgart, Salzburg, Bremerhaven, St. Gallen, Regensburg, Ingolstadt, Linz. Eine besondere Begabung hat er für Romandramatisierungen, bei denen er oft auch Regie führt: u. a. Kafkas „Der Prozess“, Tucholskys „Schloss Gripsholm“ und „Kohlhaas 21“, eine moderne Adaption der Kleist-Novelle. Auf große Begeisterung bei Presse und Publikum stieß Kamms Stuttgarter Inszenierung von „Der Kaufmann von Venedig“. Die Tournee mit dem Tournee-Theater THESPISKARREN wurde für den INTHEGA-Preis 2015 nominiert. Ebenso erfolgreich waren an den Schauspielbühnen in Stuttgart so unterschiedliche Regiearbeiten wie u. a. Kleists „Der zerbrochne Krug“, Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ und „Kopenhagen“ von Michael Frayn. Kamms auch in Stuttgart gezeigte Inszenierung der eigenen Adaption des Max-Frisch-Romans „Homo Faber“ wurde am Landestheater Salzburg die Erfolgsproduktion der Saison 2009/10. Weitere Inszenierungen: Tennessee Williams’ „Die Glasmenagerie“, Urs Widmers „Top Dogs“ oder „The King’s Speech“ nach dem gleichnamigen Film.
Als Kooperation mit den Schauspielbühnen in Stuttgart zeigt die Konzertdirektion Landgraf „Jeder stirbt für sich allein“ (2. INTHEGA-Preis 2015) sowie Kamms Bühnenfassung und Inszenierung von Günter Grass’ Roman „Die Blechtrommel“ (1. INTHEGA-Preis 2016). „Die Blechtrommel“ ist zuletzt im Jan./Feb. 2018 im Spielplan. „Jeder stirbt für sich allein“ läuft wieder im März 2019.

Der Schauspieler WOLFGANG SEIDENBERG
Der gebürtige Siegburger absolvierte seine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. In dieser Stadt hatte er auch seine ersten Theaterengagements, u. a. am Schauspielhaus, am Burgtheater und an der Kleinen Komödie. Unter der Intendanz von Peter Lotschak spielte er über 12 Jahre bei den Bad Hersfelder Festspielen und war vielfach auf Tournee. Am Landestheater Niederösterreich arbeitete er mit dem renommierten Regisseur Jérôme Savary zusammen und hatte Auftritte am Alten Schauspielhaus Stuttgart (u. a. als Zampano in „La Strada“). 2015 spielt er bei den Salzburger Festspielen in „Die Dreigroschenoper” von Brecht/Weill.
Daneben arbeitet Wolfgang Seidenberg vermehrt auch für Film- und Fernsehproduktionen, so u. a. 1993 als SS-Aufseher in Steven Spielbergs Erfolgsfilm „Schindlers Liste“ oder 2007 neben Mira Gittner in dem Kinofilm „Mein Traum oder Die Einsamkeit ist nie allein“. Einem breiten TV-Publikum wurde er bekannt durch die Rolle des Klempnermeisters Frank Töppers in der ARD-Vorabendserie „Marienhof“, die er von 1995 bis 2011 übernahm.
Für das EURO-STUDIO Landgraf ging Seidenberg erstmals 1999 auf Tournee als Richard III. in Shakespeares gleichnamigem Stück. 2010/11 folgte dann die EURO-STUDIO-Produktion „Zweifel“ von John Patrick Shanley, in der er als Pater Flynn an der Seite von Renan Demirkan zu sehen war. Seit 2013/14 ist er auch mit Lutz Hübners „Frau Müller muss weg“ unterwegs. Für das Tournee-Theater Thespiskarren (TTT) geht er zusätzlich seit 2010/11 in „Die Legende vom heiligen Trinker“ nach Joseph Roth (Regie: Silvia Armbruster) auf Gastspielreise, 2015/16/17 spielt(e) er Alexej Iwanowitsch Weltschaninow in „Der ewige Gatte“ nach Dostojewski (Bühnenfassung: Wolfgang Seidenberg; Regie: Silvia Armbruster).
Als Dramaturg betreut er Produktionen des Berliner Theater Wahlverwandte, u. a. die Deutsche Erstaufführung von Miguel del Arcos Monolog „HELENA. Plädoyer für eine Schlampe“ mit Georgette Dee (DE 2015, Renaissance Theater Berlin), die mit der Konzertdirektion Landgraf 2015/16/17/18 auf Tournee geht. Für das von Silvia Armbruster seit 2015 geleitete Theater in Kempten, stand er 2016 in dem Schauspiel „Die Judenbank“ von Reinhold Massag auf der Bühne und wird 2016/2017 beim „Meisterkonzert 3“ Briefe von Schubert rezitieren.