Hexenjagd

EURO-STUDIO Landgraf
HEXENJAGD
(The Crucible)
Schauspiel von Arthur Miller
„Hexenjagd“ wurde u. a. ausgezeichnet mit dem ANTOINETTE PERRY AWARD
und dem TONY AWARD als BESTES STÜCK.

ca. 15.09.2018 – 10.11.2018

Regie: Volkmar Kamm
Bühnenbild: Rolf Spahn
Kostüme: Marie Landgraf
Musikalische Einrichtung: Alexander Kuchinka

Mit Wolfgang Seidenberg (als John Proctor), Iris Boss (als Elizabeth Proctor),
Carsten Klemm (als Richter Danforth), Sophie Schmidt (als Mary Warren), Hannah Prasse (als Abigail), Rebecca Selle, Ralf Grobel, Christian Meyer, Alexander Kuchinka  und Ines Reinhard

insges. ca. 12 Schauspieler (Doppelbesetzungen)

„Hexenjagd“ behandelt mit der Hexenverfolgung des 17. Jahrhunderts in Amerika zwar einen historischen Stoff, die Zusammenhänge zwischen religiösem und politischem Fanatismus werden aber vom Autor bewusst auch auf seine Gegenwart – die Kommunistenhatz des berüchtigten Senators McCarthy – bezogen.
Die Überraschung: Über 60 Jahre nach der Uraufführung ist „Hexenjagd“ thematisch plötzlich wieder das Stück der Stunde. Denn garantierte und selbstverständlich gewordene Rechte und Errungenschaften werden durch Trump/Erdoğan/Orbán/Kaczyński als Nachfolger des US-Senators McCarthy und dessen Jagd auf »subversive Elemente« zunehmend außer Kraft gesetzt.

Ein Beweis für diese Aktualität des Stücks ist seine in letzter Zeit zu beobachtende Spielplanpräsenz. An rund 20 Bühnen in Groß- und Kleinstädten steht „Hexenjagd“ in den Spielzeiten 2016/17/18 auf dem Spielplan – von Staatstheatern (Berliner Ensemble, Burgtheater Wien, Bayerisches Staatsschauspiel München, Staatstheater Dresden, Schauspielhaus Düsseldorf) über Stadttheater (Heidelberg und Koblenz) bis hin zu Freilichtbühnen wie Bad Hersfeld.

Inhalt
Für den Zustand pubertierender Mädchen, die nach einem nächtlichen Tanz im Wald sonderbar reagieren, gibt es im puritanischen Salem des 17. Jahrhunderts nur eine Erklärung: Teufelswerk. Man ruft den bekannten Hexenspezialisten Pastor Hale zu Hilfe. Bei den von ihm geleiteten Verhören geben die Mädchen als Ausrede an, verführt und verhext worden zu sein. Sie merken schnell, dass sie der Strafe entgehen können, wenn sie andere der Teufelsbuhlerei beschuldigen. Und so denunzieren sie munter drauf los, bezichtigen unliebsame Gemeindemitglieder und genießen ihre neu gefundene Macht. Eine Hexenjagd beginnt.
Als dann aber die junge Abigail vor dem von Richter Danforth eigens einberufenem Hexengericht die Frau des Bauern John Proctor der Hexerei anklagt, hat sie eine Grenze überschritten. Bis allerdings klar ist, dass sich hinter Wahn und Massendenunziation nur eigennützige Ziele verbergen, werden einige Unschuldige hingerichtet…

Mit seiner außergewöhnlichen Bühnenwirkung und den messerscharfen Charakterporträts bis in die kleinste Nebenfigur hinein, ist Millers Stück „Hexenjagd“ auch heute noch ein Lehrstück über jegliche Art von Massenhysterie und politisch bzw. religiös motivierte Wahnvorstellungen. In „The Crucible“ (zu Deutsch ‚Schmelztiegel’, im übertragenen Sinne auch svw. ‚Feuerprobe’) führt Miller exemplarisch vor, wie leicht ein demokratisches System durch Intoleranz, Ignoranz und Fanatismus mit den Mitteln seiner eigenen Ordnungs- und Rechtsdisziplin ausgehebelt werden kann. Zu Recht gehört „Hexenjagd“ immer noch zu den erfolgreichsten und meistgespielten Dramen des Autors.

Arthur Miller
Ich habe eine schreckliche Angst vor Menschen mit zu viel Macht. Ich vertraue den Menschen nicht mehr. Früher dachte ich, daß wenn Menschen die richtige Idee haben, sie die Dinge auch entsprechend in Bewegung setzen könnten. Heute müssen wir Tag für Tag kämpfen, nur um Schreckliches zu verhindern.

Arthur Miller 
Überall dort, wo die Ablehnung des politischen Gegners grausame Formen annimmt, wo man ihn mißhandelt und austilgt, weil man in ihm nicht mehr den Menschen sehen kann – überall dort wirkt auch in unserem Jahrhundert der alte Hexenwahn.

McCarthy, seine Gesinnungsschnüffelei und Millers „HEXENJAGD“
Zwischen 1947 und 1952 bemächtigte sich ein hysterischer Antikommunismus der amerikanischen Öffentlichkeit, der seinen Höhepunkt mit der Kampagne des Senators McCarthy gegen „subversive Elemente“ erreichte, die der Senator überall, insbesondere unter den führenden Persönlichkeiten und Intellektuellen vermutete.
McCarthys paranoide Gesinnungsschnüffelei, die das öffentliche Leben der Vereinigten Staaten verseuchte, bildet Motiv und Hintergrund zu Millers „Hexenjagd“. Die Parallelen sind verblüffend. In beiden Fällen handelt es sich um Anschuldigungen, die dank der Irrationalität der angeblichen Verbrechen weder eindeutig bewiesen, noch widerlegt werden können, lauten sie nun auf Illoyalität gegenüber dem Staat oder Umgang mit dem Teufel.
Aus Rainer Lübbren: Arthur Miller. Friedrich Verlag, Velber 1966 

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Der Regisseur VOLKMAR KAMM
Als Regisseur, Dramaturg und Oberspielleiter ist er in allen Theaterbereichen zu Hause. Nach seinem Studium der Germanistik, Publizistik und Theaterwissenschaft in Berlin führten ihn Engagements u. a. nach Stuttgart, Salzburg, Bremerhaven, St. Gallen, Regensburg, Ingolstadt, Linz. Eine besondere Begabung hat er für Romandramatisierungen, bei denen er oft auch Regie führt: u. a. Kafkas „Der Prozess“, Tucholskys „Schloss Gripsholm“ und „Kohlhaas 21“, eine moderne Adaption der Kleist-Novelle. Auf große Begeisterung bei Presse und Publikum stieß Kamms Stuttgarter Inszenierung von „Der Kaufmann von Venedig“. Die Tournee mit dem Tournee-Theater THESPISKARREN wurde für den INTHEGA-Preis 2015 nominiert. Ebenso erfolgreich waren an den Schauspielbühnen in Stuttgart so unterschiedliche Regiearbeiten wie u. a. Kleists „Der zerbrochne Krug“, Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ und „Kopenhagen“ von Michael Frayn. Kamms auch in Stuttgart gezeigte Inszenierung der eigenen Adaption des Max-Frisch-Romans „Homo Faber“ wurde am Landestheater Salzburg die Erfolgsproduktion der Saison 2009/10. Weitere Inszenierungen: Tennessee Williams’ „Die Glasmenagerie“, Urs Widmers „Top Dogs“ oder „The King’s Speech“ nach dem gleichnamigen Film.
Als Kooperation mit den Schauspielbühnen in Stuttgart zeigt die Konzertdirektion Landgraf „Jeder stirbt für sich allein“ (2. INTHEGA-Preis 2015) sowie Kamms Bühnenfassung und Inszenierung von Günter Grass’ Roman „Die Blechtrommel“ (1. INTHEGA-Preis 2016). „Die Blechtrommel“ ist zuletzt im Jan./Feb. 2018 im Spielplan. „Jeder stirbt für sich allein“ läuft wieder im März 2019.

Der Schauspieler WOLFGANG SEIDENBERG
Der gebürtige Siegburger absolvierte seine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. In dieser Stadt hatte er auch seine ersten Theaterengagements, u. a. am Schauspielhaus, am Burgtheater und an der Kleinen Komödie. Unter der Intendanz von Peter Lotschak spielte er über 12 Jahre bei den Bad Hersfelder Festspielen und war vielfach auf Tournee. Am Landestheater Niederösterreich arbeitete er mit dem renommierten Regisseur Jérôme Savary zusammen und hatte Auftritte am Alten Schauspielhaus Stuttgart (u. a. als Zampano in „La Strada“). 2015 spielte er bei den Salzburger Festspielen in „Mackie Messer – Eine Salzburger Dreigroschenoper“.
Daneben arbeitet Wolfgang Seidenberg vermehrt auch für Film- und Fernsehproduktionen, so u. a. 1993 als SS-Aufseher in Steven Spielbergs Erfolgsfilm „Schindlers Liste“ oder 2007 neben Mira Gittner in dem Kinofilm „Mein Traum oder Die Einsamkeit ist nie allein“. Einem breiten TV-Publikum wurde er bekannt durch die Rolle des Klempnermeisters Frank Töppers in der ARD-Vorabendserie „Marienhof“, die er von 1995 bis 2011 übernahm.
Für das EURO-STUDIO Landgraf ging Seidenberg erstmals 1999 auf Tournee als Richard III. in Shakespeares gleichnamigem Stück. 2010/11 folgte dann die EURO-STUDIO-Produktion „Zweifel“ von John Patrick Shanley, in der er als Pater Flynn an der Seite von Renan Demirkan zu sehen war. Seit 2013/14 ist er auch mit Lutz Hübners „Frau Müller muss weg“ unterwegs. Für das Tournee-Theater Thespiskarren (TTT) geht er zusätzlich seit 2010/11 in „Die Legende vom heiligen Trinker“ nach Joseph Roth (Regie: Silvia Armbruster) auf Gastspielreise, 2015/16/17 spielt(e) er Alexej Iwanowitsch Weltschaninow in „Der ewige Gatte“ nach Dostojewski (Bühnenfassung: Wolfgang Seidenberg; Regie: Silvia Armbruster).
Als Dramaturg betreut er Produktionen des Berliner Theater Wahlverwandte, u. a. die Deutsche Erstaufführung von Miguel del Arcos Monolog „HELENA. Plädoyer für eine Schlampe“ mit Georgette Dee (DE 2015, Renaissance Theater Berlin), die mit der Konzertdirektion Landgraf 2015/16/17/18 auf Tournee ging. Für das von Silvia Armbruster seit 2015 geleitete Theater in Kempten, stand er 2016 in dem Schauspiel „Die Judenbank“ von Reinhold Massag auf der Bühne und rezitierte 2016/2017 beim „Meisterkonzert 3“ Briefe von Schubert.

Pressestimmen

Einer der stärksten Abende, die das Stadttheater je erlebt hat.
Arthur Millers Schauspiel (…) packt ganz schnell zu auf die Psyche der Zuschauer, bohrt sich tief ins Gemüt und knüpft Verbindungen zu heutigen Feindbildern. (…)
Volkmar Kamm (…) entflechtet alte Zöpfe und entrümpelt verstaubten Geisterglauben. Seine Inszenierung ist modern wie das Bühnenbild (…). (…) Mit Liebe zum Detail formt er kernige Charaktere und baut starke Szenen. (…) Absolut stimmig auch die Bühnenmusik. (…)
Exzellent spielt Wolfgang Seidenberg den Ehebrecher John Proctor und Iris Boss seine betrogene Ehefrau Elizabeth. Carsten Klemm liefert als gnadenloser Richter Danforth und als Großgrundbesitzer Putnam eine starke Leistung. Sophie Smidt spielt die wankelmütige Mary Warren mit exzessivem Einsatz, Alexander Kuchinka gefällt als unbedarfter Querulant Giles Corey (…).
AMBERG  Marielouise Scharf, Amberger Zeitung, 24.10.2018.

Mahnung vor der Aushöhlung der Demokratie
Eine gelungene Tournee-Premiere
ISERLOHN Torsten Tulliuus, Iserlohner Zeitung, 21.9.2019.

In der Gewalt von Jägern
Eine auch in der Gegenwart des Jahres 2018 bestehende Aktualität des Stückes, das der amerikanische Dramatiker 1952 unter dem Eindruck der Kommunistenverfolgung durch Joseph McCarthy geschrieben hatte, [wird] deutlich gemacht. „Hexenjagd“ – das ist die wie mit dem Schneeballsystem funktionierende Verfolgung Andersdenkender oder –handelnder, die sich aus einem System von Denunziation und korrupter Rechtsprechung speist. (…)
Die Schauspieler um Wolfgang Seidenberg (John Proctor), Hannah Prasse (Abigail), Alexander Kuchinka (Giles Corey, John Willard) und Iris Boss (Elizabeth Proctor) schafften es umgehend, das zahlreiche Idsteiner Publikum (…) in ihren Bann zu ziehen. (…) Nicht ohne Grund nennen die Theatermacher das Stück aus den 50er Jahren »brandaktuell«.
IDSTEIN Beke Heeren-Pradt, Aar-Bote, 22.9.2018.

Als John Proctor gefällt Wolfgang Seidenberg – ein Zweifler, der seine Frau Elizabeth (stark: Iris Boss) mit der jungen Abigail betrogen hat. Abigails (…kraftvoll: Hannah Prasse) Lügen, die eine eigene Sünde verbergen, fruchten – auch die schwankende Mary (anrührend: Sophie Schmidt) hält ihr nicht stand. (…9 Diabolisch gibt sich Carsten Klemm als Gottes Richter (…).
NETTETAL (busch-), Westdeutsche Zeitung, 24.9.2018.

Inszenierung mit Leidenschaft
„Hexenjagd“ (…) verzichtet auf Historisierung – atemberaubende Produktion
Ein großes weißes Kreuz beherrscht die Bühne, nach der Pause ist es rot vom Blut der hingerichteten Opfer der Hexenprozesse und umrahmt von kleinen weißen Kreuzen – ein starkes Bild. (…) In der eindringlichen und atmosphärisch dichten Inszenierung von Volkmar Kamm sind eindeutige Bezüge zur Gegenwart zu erkennen. (…) Kamm setzt in seiner Inszenierung auf Leidenschaft, er zeigt Menschen aus Fleisch und Blut, die ihre Emotionen zum großen Teil nicht mehr unter Kontrolle haben, und das grandiose Ensemble lässt die Menschen lebensecht erscheinen. Bei aller Dramatik geht es Kamm auch um gute Unterhaltung: Livemusik und komische Momente lockern die Inszenierung auf. Großer Applaus!
LINGEN Elisabeth Tondera, Lingener Tagespost, 26.9.2018.

Langanhaltender Applaus belohnte eine großartige Aufführung und ein hervorragendes Ensemble mit Wolfgang Seidenberg und Carsten Klemm an der Spitze. Seidenberg hatte dem bis zuletzt aufrechten Bauern John Proctor wahre Größe verliehen und Carsten Klemm dem Großgrundbesitzer Putnam sympathische Züge gegeben. Alexander Kuchinka überzeugte außerdem als Dorfbewohner Giles Corey (…). Ebenfalls großartig gespielt hat Hannah Prasse die Rolle der Abigail (…).
GELNHAUSEN (mes), Gelnhäuser Neue Zeitung, 27.9.2018.

Arthur Millers Drama ist eine Parabel auf die 1950er Jahre. Das EURO-STUDIO Landgraf zeigt, dass es viele Bezüge zur Gegenwart gibt.
Am anrührendsten ist die Szene, als er [Wolfgang Seidenberg als John Proctor] mit seiner verhärmten Frau (Iris Boss) über den Ehebruch spricht. (…) Proctor könnte sich dem Todesurteil nur durch ein falsches Geständnis entziehen. Ringt darüber mit seiner schwangeren Frau und zerreißt dann doch das Papier, das er bereits unterschrieben hat. Diese Schlussszene ist ergreifend. Das Publikum dankt mit langanhaltendem Applaus.
SCHWEINFURT (kör), Main-Post, 28.9.2018.

Wenn die Angst vor dem Fremden grassiert – Intensität der Inszenierung fasziniert Zuschauer
Zwei Stunden atemloser Stille (…): Das Schauspiel „Hexenjagd“ von Arthur Miller wurde von einem großartigen Ensemble mit solch fiebriger Intensität umgesetzt, dass dem Publikum Schauer des Entsetzens über den Rücken jagten. Jeder der Schauspieler lebte förmlich auf in seiner Rolle, nahm die Zuschauer (…) gefangen (…). Nicht enden wollender Applaus für das mit Intensität gespielte Stück.
LENNESTADT-MEGGEN Julia Eiden, Westfälische Rundschau, 3.10.2018.

Hexenjagd geschieht auch heute
Man muss nur eine unbewiesene Behauptung mit dem Brustton der Überzeugung, besserwisserischer Attitüde und sogar marktschreierisch vortragen, dann wirkt sie glaubhaft: Und schon lassen sich ängstliche Menschen vor den Karren spannen. Es werden immer mehr und am Ende glauben die Menschen alles. Weil sich so viele doch nicht irren können. Der Dramatiker Arthur Miller hat 1952 in seinem Stück „Hexenjagd“ diesen Mechanismus beschrieben. (…)
Beklemmend inszeniert: Die Dramatik auf der Bühne breitet sich jetzt im ganzen Saal aus.
REMSCHEID Bernd Geisler, Bergische Morgenpost, 6.10.2018.

„Hexenjagd“ hat in all den Jahren an Aktualität nichts verloren
Unter der Regie von Volkmar Kamm gelang es den zwölf Ensemblemitgliedern, ihr Publikum von der ersten bis zur letzten Minute zu fesseln. (…) Ein Theaterabend, den man so schnell nicht vergessen wird.
REMSCHEID Sabine Naber, Remscheider Generalanzeiger, 6.10.2018.

Millers Klassiker mit erschreckend aktuellem Bezug
Viel Beifall bekommt Wolfgang Seidenberg.
DÜREN (wey), Dürener Zeitung, 8.10.2018.

Der historische Stoff ist auch nach 70 Jahren immer noch aktuell
Die Strukturen aus Angst und Hysterie, aus Denunziantentum und Machtmissbrauch, aus ideologischer Verblendung und privaten Rachegelüsten haben sich nicht verändert und beweisen auf erschreckende Weise gerade heute wieder ihre Wirksamkeit. Das zeigt eindrucksvoll (…) die Inszenierung von Volkmar Kamm für das EURO-STUDIO Landgraf. (…)
Die wilden Auftritte des Mädchens [Abigail] (Hanna Prasse) wurden zu theatralischen Höhepunkten (…). (…) Am Ende ist der schreckliche Spuk vorbei – und hinterlässt die bedrückende Ahnung, dass der jederzeit wiederkehren kann.
VILLINGEN (garai), Südwest Presse, 9.10.2018.

Aktuelle und beklemmende Inszenierung einer Hexenjagd
Die Inszenierung von Volkmar Kamm für das EURO-STUDIO Landgraf überzeugte voll. (…) Leider sind Hexenjagden ein zeitloses Phänomen – das Stück ist ausgesprochen aktuell und beklemmend. Land anhaltender Beifall folgte.
VILLINGEN´Wolfgang Tribukait, Schwarzwälder Bote, 9.10.2018.

Wie die „Hexenjagd“ die Demokratie bedroht
Vor ausverkauftem Haus ist das Abo I (…) in die Saison gestartet. Arthur Millers „Hexenjagd“ überzeugte als düsteres Lehrstück, wie ein demokratisches System ausgehöhlt werden kann. (…) Auch heute ist Millers Klassiker hoch aktuell: in Zeiten, in denen Presse- und Meinungsfreiheit an vielen Orten der Erde eingeschränkt wird und Machthaber tatsächliche oder vermeintliche politische Gegner unter fadenscheinigen Gründen inhaftieren lassen. (…) Volkmar Kamm bleibt in seiner Inszenierung (…) nah an Millers Text. (…) Ansprechend, dass sich die Kostüme (…) modern und unaufdringlich ins Bild fügen. Das starke Bühnenbild (…) besticht durch Reduktion: ein übergroßes graues Kreuz, daneben Sitzwürfel. (…) Ein unheilvoller, beklemmender Abend, untermalt von dramatischer Spinett-Musik am E-Piano (Alexander Kuchinka). Zehn Schauspieler lieferten eine überzeugende Ensembleleistung (…).
SCHÜTTORF Dagmar Thiel, Grafschafter Nachrichten, 16.10.2018.

„Hexenjagd“ macht betroffen
Wie hochaktuell ein Theaterstück sein kann, das 1953 uraufgeführt wurde, konnte das Publikum (…) im Festsaal (…) erleben.
Pikanterweise agiert die Nichte des Kirchenmannes, Abigail – hervorragend in Szene gesetzt von Hannah Prasse –, als Anführerin der Mädchen. (…)
Beklemmend nah kamen die Charaktere des Stückes der Jetztzeit. (…) Intoleranz und Angst vor vermeintlichen Fremden schüren Feuer, die schnell zum Flächenbrand ausufern können. All das scheint in der Geschichte der Menschen unausrottbar zu sein. (…) Hannah Prasse und Wolfgang Seidenberg bekamen den meisten Applaus.
MELLE Conny Rutsch, Meller Kreisblatt, 17.10.2018.

Schauspiel von Arthur Miller besticht durch erschreckende Aktualität
„Hexenjagd“(…) zeigte eindrücklich, wie zerbrechlich die Demokratie ist.
Die Inszenierung ließ das Publikum mit ihren Bezügen zur heutigen Gegenwart nachdenklich zurück.
DELMENHORST Jasmin Johannsen, Delmenhorster Kreisblatt, 18.10.2018.

Zeitübergreifende Fabel über Macht
Dezente Inszenierung (…) stellt Inhalte in den Mittelpunkt.
Denkt man sich die Geschichte, die 1692 in Salem, Massachusetts spielt, ins 21. Jahrhundert, so muss man feststellen, dass die Bedingungen für „Hexenjagd“ nie so gut waren wie in unserer Zeit der angeblich sozialen Medien, die zur Denunziation regelrecht einladen, die es tausendfach ermöglichen, jemanden zu verdächtigen, an den Pranger zu stellen, und dabei auch noch anonym zu bleiben. Eine Zeit, in der eine gerade immer größer werdende Partei die Denunziation per Internet wieder salonfähig machen will, in der ein amerikanischer Präsident mit planvollen Lügen und ‚alternativen Fakten‘ den Begriff der Wahrheit ins Wanken bringt. Eine Zeit, in der sich viele von unkontrollierbaren dunklen Mächten bedroht fühlen und der Mob auf den Straßen zwar nicht für die Teufelsaustreibung plädiert, sich aber die Politikeraustreibung sehr wohl auf die Fahnen geschrieben hat. (…)
Christian Meyer ist (…) Hale mit lauerndem Blick und schräg gelegtem Kopf, der sich später zum hellsichtigen Wahrheitssucher wandelt. Rebecca Selle (mit einem höchst bühnenwirksamen hysterischen Ausbruch) als Parris‘ Tochter Betty, Sophie Schmitt als Mary (…), Hannah Prasse als Abigail (…) spielen die Rollen der bösen Mädchen (…) mit intensiver darstellerischer Ausstrahlung. Ralf Grobel gibt den Pfarrer Parris mit wahrhaft teuflischem Ton Dabei hat seine oft so gebückte Haltung etwas durchaus Hexenhaftes. Carsten Klemm lässt Thomas Putnam seinen Rang als Großgrundbesitzer am Stock voll Überheblichkeit gehörig ausspielen. Carsten Klemm spielt auch den Richter Danforth, macht ihn zu einem dröhnenden Ausbund an rechthaberischer Macht. (…)
Wolfgang Seidenberg gibt den John Proctor (…) als einen, der hellsichtig im Besitz der Wahrheit ist. (…) Iris Boss spielt [seine Frau Elizabeth] mit verletzlicher Gelassenheit. Alexander Kuchinkas Giles Corey besitzt in seiner Darstellung auch diese Hellsichtigkeit, die wir heute in unserern ‚Hexenängsten‘ so oft vermissen lassen. Es gab langen Applaus für spannendes Theater mit politischem Hintersinn.
DELMENHORST Günter Matysiak, Delmenhorster Kurier, 18.10.2018.

Viel Applaus
Die Inszenierung von Volkmar Kamm beeindruckte durch die gute schauspielerische Leistung und das (…) Bühnenbild. Das große omnipräsente Christenkreuz, das sich im Verlaufe des Stücks blutrot färbte, trug sehr zur beklemmenden Stimmung des Stücks bei. (…) Unter dem gesellschaftlichen Eindruck von immer offener gezeigtem Antisemitismus und Hass auf Flüchtlinge wirkt das Stück auch heute noch. Die zahlreich im Publikum vertretenen Schüler zeigten sich jedenfalls beeindruckt.
WOLFSBURG (rst), Wolfsburger Allgemeine, 19.10.2018.