Heilig Abend

EURO-STUDIO Landgraf
HEILIG ABEND
Schauspiel von Daniel Kehlmann
(Autor von „Die Vermessung der Welt“)

ca. 03.12.2018 – 17.12.2018
ca. 06.01.2019 – 05.02.2019
ca. 25.02.2019 – 05.03.2019

Mit Jacqueline Macaulay, Wanja Mues
Regie: Jakob Fedler
Ausstattung: Dorien Thomsen

Februar 2017 – Umjubelte Uraufführung im Theater in der Josefstadt Wien

UK-Premiere: 19. Oktober 2017, Theatre Royal, Bath (unter dem Titel „Christmas Eve“)
Deutsche Erstaufführung: 26. Januar 2018, am Residenztheater München

Aktueller Stoff 
Ein Stück mit Erfolgspotential auch für deutsche Bühnen. Ähnlich wie Schirachs „Terror“.
Denn an Aktualität, so ist zu befürchten, wird es beiden Stücken in absehbarer Zeit nicht mangeln.
Claus Heinrich, SWR2, Kultur Info, 03.02.2017

In Kehlmanns politisch brennend aktuellem, eine diffuse Beunruhigung auslösendem Stück gibt es in nicht einer einzigen Minute das im Titel suggerierte besinnliche Friedensfest.

Inhalt
Es ist der 24. Dezember, halb elf Uhr abends. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt: Nur genau 90 Minuten hat er Zeit, der Verhörspezialist Thomas, um von einer Frau namens Judith zu erfahren, ob sie tatsächlich, wie er vermutet, um Mitternacht einen – gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Peter geplanten – terroristischen Anschlag verüben will. Sie wurde auf dem Weg zu ihren Eltern aus einem Taxi geholt und zur Polizeistation gebracht. Thomas weiß offensichtlich nicht nur theoretisch alles über sie, ihre Arbeit und ihre gescheiterte Ehe, sondern auch praktisch,
z. B. dass ihr Ex-Mann am Tag davor von 14.30 Uhr nachmittags bis 22:52 Uhr am Abend bei ihr war. Was haben sie da besprochen?
Im Nebenzimmer wird Peter schon fast zwölf Stunden lang befragt. Ermittler Thomas versucht, wie das bei parallel geführten Vernehmungen üblich ist, den einen über die Aussagen des anderen zu überführen.
Aber wo endet List, und wo beginnt unzulässige Täuschung, wenn unbelegte Vorwürfe wie Fakten behandelt werden? Ist das Ganze doch nur eine Übung für eines von Judiths Seminaren, wie die Philosophie-Professorin behauptet?
Thomas setzt alles daran, Judith aus der Reserve zu locken. Doch da hat er mit ihr, die sich mit dem französischen Psychiater, Politiker und Autor Frantz Fanon und seinen Thesen über die Rechte Unterdrückter auseinandergesetzt hat, kein leichtes Spiel. Im Gegenteil: Sie beginnt, ihr Gegenüber mit gezielten Fragen aus dem Konzept zu bringen.
Die Situation spitzt sich zu. Und die Zeit läuft…

In dieser spannenden Psycho-Studie spielt Kehlmann durch die scharfkantige Figurenzeichnung und die wechselnde Beziehungsdynamik geschickt mit den Erwartungen und Ängsten der Zuschauer. Er stellt wieder Fragen, die zum Weiterdenken zwingen, weil sie nicht einfach und nicht eindeutig zu beantworten sind, die aber eine Antwort verlangen, weil wir nicht sicher sein können, dass sie nur unser Privatleben betreffen und nicht auch – mehr als uns lieb ist – das unserer Kinder.

Daniel Kehlmann zu seinen Motiven, „Heilig Abend“ zu schreiben
Daniel Kehlmann: Seit meiner Kindheit habe ich „High Noon“ geliebt, und zwar nicht so sehr wegen Gary Cooper oder der Revolverduelle, ja nicht einmal wegen Grace Kelly, sondern wegen der Uhr. (…) Man weiß, dass zur Mittagsstunde die Mörder kommen werden (…). „High Noon“ ist einer der wenigen perfekten Filme – nicht zuletzt weil er in Echtzeit stattfindet, weil in ihm die erzählte Zeit und die Zeit, in der der Film selbst vergeht, auf die Sekunde identisch sind. So etwas wollte ich auch machen, immer schon. Das war der eine Antrieb zu „Heilig Abend“: die Idee von einer Uhr an der Wand, deren Zeiger sich auf den entscheidenden Moment zu bewegen, offen und groß, im Blickfeld der Bühnenfiguren wie des Publikums.
Der andere Antrieb war meine Verblüffung über die Dinge, die Edward Snowden aufgedeckt hatte: das Ausmaß der staatlichen Überwachung in der elektronischen Welt, die Willkür der Geheimdienste, die Möglichkeit der Polizei, unsere Leben in einem Ausmaß zu beobachten, wie wir es uns früher nicht hätten vorstellen können.
Also schrieb ich zum ersten Mal etwas im weitesten Sinn Aktuelles, ein Stück, das auf die Ereignisse in den Schlagzeilen reagieren sollte – wenn auch auf eine verschobene, gewissermaßen spiegelverkehrte Art. Aber wichtiger noch: Ich wollte die Reduktion auf die Grundsubstanz des Theaters. Ein Konflikt zwischen zwei Menschen. Eine Gefahr, eine Ermittlung. Und die wie immer zu schnell vergehende Zeit.

Der Schauspieler WANJA MUES
Der Vater des vielseitigen Schauspielers war der Schauspieler und Schriftsteller Dietmar Mues, Wanjas Bruder Jonas ist ebenfalls Schauspieler, sein jüngster Bruder Woody absolviert zur Zeit in Hamburg sein Theaterregie-Studium und arbeitet nebenbei am Hamburger Schauspielhaus als Regieassistent. Nach dem Abitur studierte Wanja Mues 1995-1998 in New York Schauspiel beim ‚Actors Studio MFA Program‘ an der New School for Social Research und beim Robert Lewis Theatre Workshop in New York.
Erstmals vor der Kamera stand er schon 1986 als Jugendlicher im ZDF-Dreiteiler „Jokehnen“, der zur Zeit des Nationalsozialismus in einem fiktiven ostpreußischen Dorf spielt. 2002 folgte für Mues die Rolle, die ihn als Fernsehschauspieler bekannt machen sollte: In 21 Episoden der ARD-Vorabendserie „Absolut das Leben“ war er Malte Reetkoven, der nach dem Unfalltod der Eltern die Verantwortung über seine jüngeren Geschwister übernahm. Schon vorher war er in mehreren durchgehenden Serienrollen, u. a. 1991-1994 in „Unsere Hagenbecks“ (35 Folgen), in „Vater wider Willen“ mit Christian Quadflieg und Suzanne von Borsody, in „girl friends – Freundschaft mit Herz“ u. a. mit Mariele Millowitsch und Walter Sittler zu sehen. Außerdem stand Mues von 2002-2007 in drei Staffeln von „Der Fürst und das Mädchen“ als Neffe des Fürsten (Maximilian Schell) vor der TV-Kamera, ab 2008 in der 2. Staffel der spannenden Actionserie „GSG 9 – Ihr Einsatz ist ihr Leben“ (10 Folgen) und ab 2010 in 20 Folgen der ZDF-Krimiserie „Kommissar Stolberg“ als Kriminalkommissar Nico Schreiber. Von 2009-2014 kabbelte er sich in 14 Folgen der beliebten Krimiserie „Stubbe – Von Fall zu Fall“ als Lebensgefährte von Stubbes Tochter mit seinem zukünftigen Schwiegervater (Wolfgang Stumph). 2001 war Mues in Heinrich Breloers preisgekröntem Fernsehereignis „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ der Student und spätere Architekt Fritz Riemerschmidt, der Vorbild für die Figur des Max Hergesell in Manns Novelle „Unordnung und frühes Leid“ war. Als Ermittler Max Morolf stand Mues außerdem in der ZDF-Krimireihe „Stralsund“ (Folgen 5-10) vor der Kamera.
Seit 2014 spielt Mues als Nachfolge-Rolle von Claus Theo Gärtners Matula die Rolle des Privatdetektivs Leo Oswald in der Kult-ZDFSerie „Ein Fall für zwei“ mit Antoine Morot jr. als Anwalt. 2016 besetzte ihn Regisseur und Drehbuchautor Andreas Kleinert (zweimaliger GRIMME-Preisträger, mit dem Mues zuvor bereits beim Münchner „Polizeiruf“ an der Seite von Edgar Selge sowie beim Kölner „Tatort“ an der Seite von Anna Loos zusammenarbeitete) in seiner eindringlichen Filmadaption „Hedda“ nach Ibsens Theaterstück „Hedda Gabler“ als Heddas große Liebe Eilert Lövborg (Titelrolle: Susanne Wolff). Dieses Filmdrama war beim Filmfest Hamburg für den Preis der Hamburger Filmkritik nominiert. 2013 lief David Dietls beim Filmfest München uraufgeführter Film „König von Deutschland“ im Kino, in dem Mues eine Hauptrolle an der Seite von Olli Dittrich spielt.
Einer der ersten Regisseure, der das schauspielerische Potenzial von Wanja Mues entdeckte und ihn in Rollen besetzte, die ganz unterschiedliche Anforderungen stellten, war der auch international vielfach ausgezeichnete Dokumentar- und Spielfilmregisseur Rolf Schübel, der ihn für eine mehrjährige Zusammenarbeit an sich band. Während Mues 1996 in der auf einer wahren Begebenheit basierenden, preisgekrönten TV-Produktion „2 1/2 Minuten“ den betrunken randalierenden Anführer einer rechtsradikalen Gang spielte, der während einer S-Bahn-Fahrt getötet wird, besetzte Schübel ihn 1999 als den Juden Mendel in dem auch international mehrfach ausgezeichneten Kinofilm „Gloomy Sunday – Ein Lied von Liebe und Tod“, einer Verfilmung des bekannten Romans „Das Lied vom traurigen Sonntag“ des ungarischen Autors Nick Barkow. In dem TV-Thriller „Eine öffentliche Affäre“ (auch „Der Anchorman“) stand er 2001 erneut mit Christian Quadflieg vor der Kamera, ein Jahr später in dem TV-Psychodrama „Kollaps“ mit Sebastian Koch. Große Aufmerksamkeit erregte 2004 der Sci-Fi-Kinofilm „Blueprint“ nach dem preisgekrönten Klon-Roman der deutschen Autorin Charlotte Kerner, in dem Mues den Ziehbruder von Franka Potente spielte. Im selben Jahr besetzt Schübel ihn auch in dem Zweiteiler „Goldsucher“. Außer in den Schübel-Filmen spielte Wanja Mues in Roman Polanskis „Der Pianist“ (2001) einen Offizier im Warschauer Ghetto, war 2004 im internationalen Kinohit „Die Bourne-Verschwörung“ (2. Teil der Bourne-Thrillerverfilmungen) an der Seite von Matt Damon und Franka Potente zu sehen. 2007 spielte er in Christian Petzolds Thriller „Yella“ mit Nina Hoss. Neben Moritz Bleibtreu stand er 2012 in dem Spielfilm von Dennis Gansel „Die vierte Macht“ als russischer Verhörspezialisten vor der Kamera.
Medienpräsenz zeigte Wanja Mues nicht nur in allen einschlägigen Krimireihen von „Tatort“ (sechs Mal), „Polizeiruf 110“, „SOKO“ (Köln, Leipzig und 3 Folgen Wismar) über „Der Staatsanwalt“, „Wilsberg“ bis zu „Die Chefin“ (zwei Mal), sondern auch in vielen unterhaltsamen TV-Formaten, wie „Heimatgeschichten“ mit Inge Meysel, in „Ein unverbesserlicher Dickkopf“ mit Fritz Wepper in der Titelrolle, in der Ehekomödie „Einmal Malaga und zurück“ mit Elmar Wepper und Gila von Weitershausen. Den bewegenden Mehrteiler „Schicksalsjahre – Eine deutsche Familiengeschichte“ drehte er mit Maria Furtwängler, den spannenden Thriller „Mord in den Dünen“ mit Anna Loos. Neben seiner Tätigkeit vor der Kamera arbeitet Wanja Mues auch als Hörbuchsprecher.
Fünf Jahre lang stand er in New York auf den Brettern, die die Welt bedeuten, bevor er 2007 sein deutsches Theaterdebüt gab. Die mit Mues, Alexander Schröder und Ronald Zehrfeld besetzte Uraufführung von Morten Feldmanns „Männergespräche“ wurde am Renaissance-Theater Berlin und am St. Pauli-Theater Hamburg gezeigt. Seit 2013 spielt Mues auch an den Hamburger Kammerspielen in Moritz Rinkes Beziehungsstück „Wir lieben und wissen nichts“ (Regie: Ulrike Maack).
Wanja Mues lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in Berlin.

Die Schauspielerin JACQUELINE MACAULAY
Für ihre Darstellung der Luise in Schillers „Kabale und Liebe“ unter der Regie von András Fricscay wurde sie 1994 zur besten Nachwuchsschauspielerin NRW gewählt und nur ein Jahr später für ihre Doppelrolle im Stück „Oleanna / Musik“ (Regie: Harald Clemen) von Theaterheute als Nachwuchsschauspielerin des Jahres ausgezeichnet. 1996 war die Produktion „Der große Knall“ (Regie: David Mouchtar-Samourai) mit ihr zum Berliner Theatertreffen eingeladen; beim NRW-Theatertreffen wurde die gebürtige Schottin, die in England und Holland aufwuchs, mit dem Ensemble-Preis geehrt.
Ihre Schauspielausbildung absolvierte sie an der Staatlichen Schauspielschule in Stuttgart. Schon ihre ersten Theaterengagements führten sie an erste Theater wie das Stadttheater Luzern, das Schauspiel Bonn, das Schauspielhaus Zürich, das Théâtre National du Luxembourg, das Deutsche Theater Berlin. 1998 bis 2006 war sie festes Ensemblemitglied am Maxim Gorki Theater Berlin. Seit 2006 arbeitet sie frei, u. a. am Hans Otto Theater Potsdam, am Staatstheater Dresden, am Berliner Ensemble, am Schauspiel Frankfurt – und seit 2007 immer wieder bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen und am Théâtre National du Luxembourg.
Macaulay ist nicht nur eine vielbeschäftigte Bühnenschauspielerin, sondern ebenso gefragt bei Film-, Fernseh- und Hörspielproduktionen.
Das EURO-STUDIO-Landgraf-Publikum kennt sie schon aus der Tourneeproduktion „Der Gott des Gemetzels“. Überregionales Aufsehen erregte ihre Interpretation der Titelrolle in Hauptmanns „Rose Bernd“. Die Aufführung der Ruhrfestspiele Recklinghausen begeisterte 2014/15 auch das Tourneetheater-Publikum (Tourneeleitung: Konzertdirektion Landgraf).

Der Regisseur JAKOB FEDLER
Der gebürtige Kölner wuchs in Wuppertal auf und studierte 2001-2005 Theaterregie an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich. Bereits während seines Studiums realisierte er verschiedene Theaterprojekte, u. a. gemeinsam mit David Bösch. 2006-2009 folgte eine Regieassistenz am Deutschen Theater Berlin, wo Fedler u. a. Dimiter Gotscheff und Jan Bosse assistierte, aber auch schon erste eigenständige Arbeiten zeigte, z. B. Koltès‘ „Roberto Zucco“ und Ewald Palmetshofers „wohnen. unter glas“. Seit 2009 arbeitet Jakob Fedler nun als freier Regisseur, u. a. an den Wuppertaler Bühnen, am Theater Heidelberg (Roland Schimmelpfennigs „Die vier Himmelsrichtungen“), Theater Erlangen (u. a. Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“, Ingrid Lausunds „Benefiz – jeder rettet einen Afrikaner“), am Deutschen Nationaltheater Weimar („Tschick“ nach Wolfgang Herrndorfs Romanerfolg) sowie am Staatstheater Nürnberg. 2008 war er zum Theaterfestival „radikal jung“ am Volkstheater München eingeladen, 2009 wurde er in der Kritikerumfrage der Theaterzeitschrift Theater heute als Nachwuchskünstler Regie nominiert. Seine Inszenierung des Felicia-Zeller-Stücks „Kaspar Häuser Meer“ wurde 2010 bei den Bayerischen Theatertagen ausgezeichnet. Gemeinsam mit dem Schauspieler Wolfram Koch erarbeitete er 2015 aus vier Erzählungen von Einar Schleef den Monolog „Ich bins deine Mutter“, der bislang u. a. bei den Ruhrfestspielen, am Schauspielhaus Bochum, an der Berliner Volksbühne und am Staatsschauspiel Hannover gezeigt wurde. Neben seiner Tätigkeit als Regisseur arbeitet er immer wieder in Schauspielworkshops und Projekten mit Jugendlichen. Seit 2013 hat Jakob Fedler auch einen Lehrauftrag für Schauspielregie an der Folkwang Universität der Künste.

Der Bestsellerautor DANIEL KEHLMANN
Daniel Kehlmann wurde 1975 als Sohn der Schauspielerin Dagmar Mettler und des Regisseurs Michael Kehlmann in München geboren. (Beim EURO-STUDIO Landgraf lief Michael Kehlmanns eindrucksvolle, in der Charakterisierung des Sultans Saladin – als gefährlicher, angsteinflößender Herrscher – zukunftsweisende Inszenierung von Lessings „Nathan der Weise“ mit Attila Hörbiger in der Titelrolle und „Komm wieder, kleine Sheba!“ des Pulitzerpreisträgers William Inge mit u. a. Inge Meysel, Siegfried Lowitz.) Daniel Kehlmanns Großvater war der expressionistische Schriftsteller Eduard Kehlmann. 1981 zog Daniel Kehlmann mit seiner Familie nach Wien, wo er nach dem Abitur auf einer Jesuitenschule an der Universität Wien Philosophie und Germanistik studierte.
1997 erschien sein Debüt-Roman „Beerholms Vorstellung“, die fiktive Lebensgeschichte des Magiers Arthur Beerholm auf der Suche nach einer höheren, magischen Existenz. Für dieses Erstlingswerk erhielt Kehlmann den Förderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Da war er gerade 22 Jahre alt.
Der erste Roman, mit dem er überregional Aufsehen erregte, war „Ich und Kaminski“ (2003). Er wurde auch ein internationaler Erfolg. Sein bisher in 40 Sprachen übersetzter, über zwei Millionen Mal verkaufter Bestseller „Die Vermessung der Welt“ (2005) zählt zu den erfolgreichsten deutschen Romanen der Nachkriegsliteratur. 2009 erschien sein Roman „Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten“. Im Oktober 2017 kommt sein neuestes Werk heraus, „Tyll“, eine Neuerfindung des Tyll-Ulenspiegel-Mythos.
Auch als Bühnenautor hat Daniel Kehlmann Erfolg. Sein 2012 mit dem NESTROY-Theaterpreis als Autor ausgezeichnete Debütstück „Geister in Princeton“, das 2011 als szenische Lesung im Rahmen der Salzburger Festspiele vorgestellt wurde, kam im gleichen Jahr im Schauspielhaus Graz zur Uraufführung. Die Uraufführung seines zweiten Stücks „Der Mentor“ über Schriftsteller, deren Eitelkeiten und die Abgründe des Literaturbetriebs fand 2012 im Theater in der Josefstadt Wien statt. Nach dem Theatererfolg in Bath ist es ab Juni 2017 auch am Londoner West End (Vaudeville Theatre) zu sehen. Kehlmanns neuestes Stück „Heilig Abend“, wie „Der Mentor“ eine Auftragsarbeit für das Theater in der Josefstadt Wien, wurde dort am 2.2.2017 uraufgeführt und spielt ab Herbst 2017 ebenfalls am Londoner West End (Theatre Royal).
Zu Publikumsmagneten wurden auch Kehlmanns hoch gelobte, fundiert ausgearbeitete Poetikvorlesungen (z. B. über Tolkien, Ingeborg Bachmann, Shakespeare, Karl Kraus, Büchner), die er u. a. in Mainz, Wiesbaden und Göttingen hielt. 2012 war er außerdem Gastprofessor am German Department der University of New York. Kehlmanns Rezensionen und Essays erschienen in zahlreichen Magazinen und Zeitungen (Der Spiegel, The Guardian, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Literaturen, Volltext u. a.).
Kehlmann wurde mit diversen Auszeichnungen gegehrt, u. a. 2005 mit dem Candide-Preis, 2006 mit dem Preis der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Heimito-von-Doderer-Preis und dem Kleist-Preis; 2007 erhielt er den WELT-Literaturpreis und 2008 den Per-Olof-Enquist- sowie den Thomas-Mann-Preis.
Kehlmann lebt als freier Schriftsteller in Wien, Berlin und New York, ist mit einer spanischen Diplomatin verheiratet und hat einen Sohn.

Presseauszüge
zur Uraufführung am 02.02.2017 im Theater in der Josefstadt, Wien

Verhörthriller
Zu erleben ist ein spannender, interessanter, von Daniel Kehlmann ausgezeichnet und sehr klug geschriebener Theaterabend.
Guido Tartarotti, KURIER, 03.02.2017.

Klar gearbeiteter Text
Daniel Kehlmann verhandelt in seinem Text die Überwachungsmechanismen zur Terrorbekämpfung sowohl aus staatlicher wie philosophischer Sicht, die drohende Bombe steht zwar im Zentrum der Befragung, das Thema ist jedoch weniger die konkrete Bedrohung als das Verhandeln von Privatsphäre in Zeiten des gläsernen Menschen.
Sonja Harter, APA, 03.02.2017.

Die große Leistung von Kehlmanns Well-Made-Play „Heilig Abend“ besteht nicht nur darin, dass es das Dilemma ob der Zweck die Mittel heiligt, so spannend ausbreitet, sondern dass es richtige und wichtige Fragen stellt, die möglichen Antworten aber als gleichwertig gegeneinander stellt. Und weil sich der Autor Sympathien und einfachen Worten entschlägt, ist der Zuschauer aufgefordert, sich auseinanderzusetzen.
Etwas Besseres kann Theater kaum leisten.
Patric Blaser, Die Furche, 09.02.2017.

Tadellos gebauter Verhörthriller
Der fast unmerkliche Abbau demokratischer Freiheitsrechte hat ein bedenkliches Maß erreicht. Die Terrorangst hält unsere Sicherheitsapparate in Atem, und immer mehr Kollateralschäden sind zu beklagen. (…) Man muss dieses kleine Requiem auf unsere liberalen Denk- und Lebensgewohnheiten schon auch als das nehmen als was es ist: ein tadelloses Stück. Man kann sich aber auch von den zahlreichen Feinheiten des (…) Dialogs prächtig amüsieren lassen.
Ronald Pohl, Der Standard, 3.2.2017.

Für Kehlmann ist sein Stück – unter anderem – auch so etwas wie eine Hommage an den Filmklassiker „High Noon“. Nur dass die Handlung bei ihm nicht um zwölf Uhr mittags, sondern um zwölf Uhr Mitternacht kulminiert. Und dass sich (…) zwei Menschen (…) mit Worten statt mit Waffen duellieren. (…)
Seine Sprengkraft gewinnt der Text aus der Kollision zweier Standpunkte, die auf je eigene Weise an aktuell drängenden Problemen rühren.
In beiden Fällen stellt sich die Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt. Wie weit darf einerseits der Staat dabei gehen, Grundrechte zu verletzen im Namen der allgemeinen Sicherheit? Und wann ist damit andererseits ein Punkt überschritten, ab dem sich Bürger – notfalls mit Gewalt – gegen diesen Staat zur Wehr setzen können.
Die Stärke von Kehlmanns Stück ist es, dass der Autor sich auf keine Seite schlägt, sondern die potentielle Terroristin mit der gleichen argumentativem Kraft ausstattet wie ihr Gegenüber.
Christoph Leibold, Bayern2, Kultur, 03.02.2017.

Ein Stück als Albtraumszenario
Kehlmanns Zweipersonenmanifest gegen den Überwachungsstaat ist klug ins Kafkaeske überhöht. (…) Der Plot ist spannend und der Dialog geschliffen.
Hans Sichrovsky, Kronen Zeitung, 01. und 02.02.2017.

Eisiger Schlagabtausch
Kehlmann denkt (…) nicht in Schwarz und Weiß, er bewegt seinen Text durch die Grauzone dessen, was das Allzumenschliche vom Unmenschlichen trennt. [„Heilig Abend“] ist ein starkes Stück, eines, das aktueller nicht sein könnte (…), (…) Kehlmann war noch nie so dezidiert politisch wie diesmal. (…) Ein einwandfreier Thriller, man meint mitzufühlen, wie (…) die Feindseligkeiten zunehmen. (…) Bravo!
Michaela Mottinger, Mottingers Meinung, 03.02.2017.

Daniel Kehlmann antwortet auf die Fragen der Zeit von Terror und totaler Überwachung mit einem kompakten, exzellent gebauten Thriller.
Die Einfachheit des Geschehens ist bestechend, der Text ingeniös.
(…) Die Ausgewogenheit eines wohl dosierten Quantums an Humor und beklemmender Thrillerspannung zeichnet diesen Text aus.
Susanne Zobl, NEWS, 07.02.2017.

Presseauszüge zur Britischen Erstaufführung am 19. Oktober 2017
am Theatre Royal Bath 

Die kafkaeske Grundsituation ist faszinierend.
(…) Das Stück bietet eine intelligente Debatte.
Lyn Gardner, The Guardian, 4.11.2017.

[Das Stück] bringt den Zuschauer dazu, fälschlicherweise anzunehmen, es handele sich um eine altbekannte Geschichte über ein Ungleichgewicht an Macht (…), bevor es am Schluss eine unerwartete, aber befriedigende Wendung liefert.
Rosemary Waugh, The Stage, 3.11.2017.

Dialektischer Showdown
Ian Shuttleworth, Financial Times, 6.11.2017.

[Der Erfolg des Abends] beruht auf einer aufregenden Verbindung aus großartigem Text und wachem, virtuosen Regisseur, der genau weiß, wie kraftvoll ein einfaches Bühnenbild, zwei exzellente Schauspieler und gekonnt-intelligente Dialoge sein können. (…)
Als Zuschauer versteht man beide Kontrahenten, wenn sie ihre Argumente anführen; oft stimmt man auch heimlich Meinungen zu, von denen man nie offen zugeben würde, dass man sie hegt.
In der Zwischenzeit tickt die Uhr. Mitternacht rückt näher. Fragen müssen beantwortet, Entschlüsse gefasst, Maßnahmen ergriffen werden. (…)
Ein subtil-kraftvolles, geschickt-wirkungsvolles Stück, das einem noch lange in Erinnerung bleibt, nachdem die Uhr aufgehört hat zu ticken.
Melissa Blease, The Bath Magazine, November 2017.

„Heilig Abend” ist eine zeitgemäße Erinnerung daran, dass wir im Hinblick auf unsere Demokratie allezeit wachsam bleiben müssen, niemals annehmen dürfen, dass andere die nötigen Debatten für uns führen oder dass diejenigen, die damit betraut sind uns zu beschützen, auch wissen, was sie da beschützen.
Es ist ein geschliffenes Juwel von einem Stück (…).
Graham Wyles, Stage Talk Magazine, 26.10.2017

Dieses fesselnde Katz-und-Maus-Spiel muss man gesehen haben.
Ein seltenes Glanzstück des Theaters.
Marion Sauvebois, Swindon Adverstiser, 31.102017.

Der in Realzeit ablaufende Thriller bietet ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zweier starker Gegenspieler. Beide glauben, ihr Land zu retten.
Nur einer von beiden kann gewinnen.
Anne Cox, Stage Review, 13.10.2017.