Eine Stunde Ruhe

EURO-STUDIO Landgraf
EINE STUNDE RUHE
(Une heure de traquillité)
Komödie von Florian Zeller (Autor von „Die Wahrheit“)
Aus dem Französischen von Annette und Paul Bäcker

ca. 01.12.2018 – 22.12.2018
ca. 06.01.2019 – 25.01.2019

Mit Timothy Peach, Saskia Valencia, Nicola Tiggeler/Alexa Wiegandt, Benjamin Kernen, Raphael Grosch, Reinhard Froboess, Johannes Lukas

Regie: Pascal Breuer
Ausstattung: Bettina Neuhaus

Schon bei „Die Wahrheit“ macht Florian Zeller etwas scheinbar Konventionelles, für junge Autoren eigentlich Skandalöses: Er schreibt pointengenau zugespitzte Dialoge, die er mit untrüglichem, fast schon musikalischem Gespür für Timing komponiert.
Seine Komödien locken das Publikum ins Theater.

Inhalt
In dieser hinreißenden, durch geschliffene Pointen bestechenden Komödie hat der Jazz-Liebhaber Michel, der seit seiner Jugendzeit für das Album „Me, Myself And I“ seines Jazz-Idols Niel Youart schwärmt, diese LP nun nach Jahren vergeblichen Suchens zufällig auf einem Flohmarkt gefunden. Überglücklich eilt er nach Hause, um sie sofort zu hören. Er verlangt nicht viel: bloß »eine Stunde Ruhe« – doch die ganze Welt scheint sich gegen ihn verschworen zu haben. Niemand gönnt ihm auch nur eine Minute: weder seine Frau, noch ihre beste Freundin (gleichzeitig seine Geliebte). Und auch sein Sohn, sein Nachbar und ein sich als Pole ausgebender portugiesischer Klempner hindern ihn am Hörgenuss.
Dann folgt natürlich Katastrophe auf Katastrophe – eine katastrophaler als die andere. Eheliche, uneheliche, freundschaftliche, väterliche und nachbarlichen Beziehungen gehen zu Bruch – und dank des Klempnerpfuschs, wird auch noch die Wohnung geflutet.
Nach Lügen, Ablenkungsmanövern und Manipulationen könnte Michel eigentlich seine heißgeliebte Platte hören – wenn, ja wenn…

In diesem spritzigen Komödien-Juwel dreht Autor Florian Zeller kräftig an der Chaos-Schraube. Und wenn man denkt, schlimmer könnte es für Michel gar nicht kommen, legt Zeller noch einen Zahn zu (und dann noch einen). Die irrwitzig turbulente, amüsante und mit souveräner Virtuosität geschriebene Katastrophen-Kömödie ist wie der Welterfolg „Die Wahrheit“ Unterhaltung in bester französischer Tradition.

Der Autor FLORIAN ZELLER
So etwas gibt es eigentlich nur im Märchen: Was immer der französische Autor Florian Zeller beginnt – es gelingt ihm! Der am 28.6.1979 in Paris geborene Schriftsteller gehört zu den wenigen, die am renommierten L’institut d’études politiques de Paris zugelassen worden sind. Gleich sein erster Roman „Neiges artificielles“ („Künstlicher Schnee“), den er mit 22 (!) Jahren veröffentlichte, katapultierte ihn an die Spitze der französischen Literaturszene. Er wurde dafür mit dem renommierten Prix de la fondation Huchette ausgezeichnet.
Durch seine Fähigkeit, zündende und temporeiche Dialoge zu schreiben, gelang auch sein Sprung auf die Theaterbühne. Die Pariser Kritik und das Publikum bejubelten schon seine ersten drei Theaterstücke „L’Autre“ („Der Andere“) 2004, „Le Manège“ („Der Dreh“) 2005 und „Si tu mourais“ („Wenn du tot wärst“) 2006.
Die Uraufführung seiner berühmten Komödie „Die Wahrheit“ („La Vérité“) fand 2011 in Paris statt, die Deutsche Erstaufführung war noch im selben Jahr in Hamburg. Das Stück lief auch mehrere Spielzeiten lang beim EURO-STUDIO Landgraf (5. Platz INTHEGA-Preis 2012) mit Helmut Zierl als notorischem Lügner
Seit 2015 gibt es überdies das Gegenstück zu „Die Wahrheit“: „Le Mensonge“ („Die Lüge“). In der in Paris uraufgeführten Komödie geraten dieselben Personen wieder in ein raffiniert-verzwicktes Alibi-Puzzle.
2011 erschien „Le Père“ („Vater“). In dieser tragischen Farce entdeckt man eine ganz neue Seite von Florian Zeller. Zeller erhielt für dieses aus der Perspektive eines an Demenz erkrankten Mannes erzählte Schauspiel den Prix Molière 2014 als BESTES STÜCK und den Prix du Brigadier. Nach Françoise Sagan, Eugène Ionesco und Jean Anouilh ist Zeller erst der vierte Autor, der mit diesem wichtigen Preis geehrt wurde. Das berührende Stück war und ist aber nicht nur in Frankreich, sondern auch in England ein Hit und wurde 2016 in London für den Laurence Olivier Award als BESTES NEUES STÜCK nominiert. Der Olivier Award ist die höchste Auszeichnung des britischen Theaters. Auch die Broadway-Produktion von „Vater“ machte Furore: Sie war sowohl nominiert für den Theater-OSCAR Tony Award als BESTES STÜCK als auch für den Outer Critics Circle Award als HERAUSRAGENDES BROADWAY-STÜCK.
„Vater“, eine Koproduktion der Schauspielbühnen in Stuttgart mit dem EURO-STUDIO Landgraf mit Ernst-Wilhelm Lenik in der Titelrolle ist auch 2018/2019 im Spielplan.
2016 wurde Zellers bisher letztes Stück, eine Beziehungskomödie, uraufgeführt: „L’Envers du décors“ („Hinter der Fassade/Die Kehrseite der Medaille“).
Florian Zeller lebt in Paris und ist mit der französischen Filmschauspielerin und Bildhauerin Marine Delterme, die eine der Hauptrollen in der Pariser Produktion seines Stückes „Le Manège“ spielte, verheiratet. Im Dezember 2008 wurde ihr gemeinsamer Sohn Roman geboren.

TIMOTHY PEACH 
Der britisch-deutsche Schauspieler studierte in München zunächst Germanistik, Geschichte und Theaterwissenschaft, bevor er als Schauspielschüler 1984-1988 an die Staatliche Hochschule für darstellende Kunst in Stuttgart ging. Im Anschluss an seine Ausbildung war er drei Jahre lang Ensemblemitglied am Stadttheater Augsburg, wo er auch seine spätere Frau, die Schauspielerin Nicola Tiggeler kennenlernte.
Seit 1991 ist er als freischaffender Schauspieler in unzähligen Produktionen in den Bereichen Kino, Film, Fernsehen, Theater, Hörbuch und Hörspiel tätig. Bekannt wurde Timothy Peach mit der Rolle des Rudi Grandauer in der bayrischen Kultserie „Löwengrube“ (1989-1992). Zahlreiche Kino- und Fernsehproduktionen folgten, darunter internationale Koproduktionen wie die Tolstoi-Verfilmung „Die Auferstehung“ (2000) der Gebrüder Taviani und „Luther“ (2003, Regie: Eric Till). Dem deutschen Fernsehpublikum ist er durch unzählige TV-Produktionen bekannt; stellvertretend für viele seien genannt „Die Frau des Heimkehrers“ (2006) und „Folge deinem Herzen“ (2007). Immer wieder spielte er in erfolgreichen TV-Dauerbrennern wie „SOKO Köln“ und „SOKO Kitzbühel“, „Die Landärztin“, „Der Bergdoktor“. An der Seite von Christine Neubauer war er in der mehrteiligen Familien-Saga „Im Tal des Schweigens“ zu sehen. Und auch für die Telenovelas „Sturm der Liebe“ und „Rote Rosen“ ist sein schauspielerisches Können immer wieder gefragt.
Trotz allem blieb Timothy Peach auch dem Theater treu, so spielte er z. B. 1994 bei den Salzburger Festspielen in „Antonius und Cleopatra“ (Regie Peter Stein), 1995 bei den Kreuzgangfestspielen Feuchtwangen den Romeo in „Romeo und Julia“, bei den Bad Hersfelder Festspielen den Demetrius im „Sommernachtstraum“ (Regie Peter Lotschak) oder 2012 in „Winnetou II“ bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg. Für das EURO-STUDIO Landgraf war Timothy Peach bereits mit Eric-Emmanuel Schmitts Erfolgsstück „Kleine Eheverbrechen“ auf Tournee. Für das Tournee-Theater Thespiskarren ist er erneut im Frühjahr 2018 als querschnittsgelähmter Philippe in „Ziemlich beste Freunde“ auf Gastspielreise. Die Produktion wurde mit dem 1. INTHEGA-Preis 2015 ausgezeichnet.

NICOLA TIGGELER 
Die Mutter ist Geigerin, der Vater Opernregisseur – da war Nicola Tiggeler schon früh klar, was sie werden wollte: nämlich Opernsängerin. Mit acht Jahren sang sie bereits ihre erste Rolle an der Staatsoper Hannover. Nach dem Abitur studierte sie dann Gesang an der Hochschule für Musik in Hamburg und schloss 1986 mit der Diplom-Prüfung in Oper und Gesangspädagogik ab. In Hannover erhielt sie ihren ersten Gastvertrag in der Traumrolle des Cherubino in Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“. Danach folgte ein Festengagement an den Städtischen Bühnen Augsburg (1986-1992), wo sie auch ihren Mann Timothy Peach kennen lernte. Sechs Jahre lang spielte, sang und tanzte sich Nicola Tiggeler dort quer durch das Opern-, Operetten-,  Musical- und Schauspiel-Repertoire: sie sang z. B. die Partie des Niklas in „Hoffmanns Erzählungen“, Eliza im Musical „My Fair Lady“, Aldonza in „Der Mann von La Mancha“, spielte Myrrhine in „Lysistrate“ von Aristophanes und Meroe in Kleists „Penthesilea“. Es folgten Engagements am Thalia Theater Hamburg, bei den Bayreuther Festspielen und am Staatstheater Wiesbaden (Anina in „La Traviata“, 1992/93).
Seit 1998 arbeitet sie außerdem als Lehrerin für Schauspiel, Gesang, Stimmbildung und Sprecherziehung, u. a. an der Hochschule für Musik und Tanz in Hamburg, an der Hochschule für Musik in München sowie als Sprachcoach an der Bayerischen Staatsoper.
Der Einstieg ins Filmgeschäft gelang ihr 1993 mit der Krimiserie „Der Fahnder“ als Freundin des von Jörg Schüttauf gespielten ‚Fahnders‘ (über 20 Folgen). Seither gehörte Nicola Tiggeler zur Stammbesetzung verschiedener Fernsehserien wie z. B. „Der Mond scheint auch für Untermieter“, „Zwischen Tag und Nacht“ oder „Happy Holiday“. Bei „Unser Charly“ löste sie 2000 Karin Kienzer in der Rolle der Michaela Martin ab. 1995 war sie als Hauptdarstellerin der RTL-Serie „Eine Frau wird gejagt“ besetzt. Daneben übernahm sie auch Gastauftritte in Fernsehserien wie „Ein Fall für zwei“ und bei der Münchner „SOKO 5113“. Einem breiten Fernsehpublikum ist sie allerdings v. a. als Intrigantin Barbara in der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“ bekannt, die Nicola Tiggeler seit 2006 mit kurzen Serienpausen spielt. Ihre erste Gastspielreise für das EURO-STUDIO Landgraf machte sie 2009/2010 an der Seite von Timothy Peach mit Eric-Emmanuel Schmitts „Kleine Eheverbrechen“.

 

Pressestimmen 
zu Stück und Film:

Trubelige Gesellschaftskomödie
Statt Musikerlebnis erwarten Michel die Katastrophen seines Lebens. (…) Einige Desaster (…) wirken wie ein Nachhall (…) des Theaterautors Georges Feydeau, der um 1900 die Doppelmoral des Bürgertums in exakt konstruierten Geschichten entlarvte. Während die Wohnung sich in ein Schlachtfeld verwandelt, wird in (…) lustig pointierten Dialogen der französische Hang zu diskutieren genauso durch den Kakao gezogen wie die Bereitschaft von Etablierten, Schwarzarbeiter zu beschäftigen und ihre Ehepartner zu hintergehen.
dpa, FOCUS online, 09.04.2015

Das Leben ist wie ein Rohrbruch, dessen bedrohliche Signale man überhört, bis das ganze Gebäude zusammenbricht: Das erfährt – tatsächlich und im übertragenen Sinne – der Lebemann Michel in der Boulevard-Komödie „Eine Stunde Ruhe“.
Brigitte Scholz, Hamburger Morgenpost, 20.01.2015

Überraschende Pointen
Der französische Autor Florian Zeller hat mit „Eine Stunde Ruhe“ erneut eine blitzblanke Komödie geschrieben.
Catarina Felixmüller, NDR Kultur, 20.01.2015

„Eine Stunde Ruhe“ garantiert (…) keine Sekunde Ruhe, sondern ein heilloses Chaos, mit einer Prise Sinn. (…) [Zellers] Texte besitzen Tempo und Witz.
H.-M. Koch, Landeszeitung Lüneburg, 20.01.2015

Allerbestes Boulevardtheater
Das Personal dieses filigran ausgeklügelten Plots, der federleicht daherkommt (…) lebt von geistreichen Pointen, raffinierten Dialogen, vielschichtigen Charakteren und Zellers gekonnt verzögerter Taktik im Entwickeln der Geschichte. (…)
Ein Handwerker, der (…) völlig überfordert ist [und] langsam (…) die Wohnung [zerstört, ist] ein Sinnbild dessen, was auch in allen Beziehungen dieser Menschen passiert. (…) Erst gesteht man einen Fehler, am Ende herrscht Chaos.
Armgard Seegers, Hamburger Abendblatt, 20.01.2015