Auerhaus

EURO-STUDIO Landgraf in Zusammenarbeit mit
THEATER JUNGE GENERATION (TJG) DRESDEN
AUERHAUS
Schauspiel nach dem Romanbestseller von Bov Bjerg
in der Bühnenfassung von Kathi Loch

ca. 15.03.2019 – 30.04.2019

Mit Charlotte Mednansky u. a.
Regie: Philippe Besson
Ausstattung: Ulrike Kunze

Musik: „Our House“ von Madness

Über Bov Bjergs Überraschungsbestseller hieß es in Deutschlandradio:
»Bov Bjerg erzählt mit hinreißendem Ton und größtem Gespür für seine jungen Protagonisten von Freundschaft, Lebensmüdigkeit, Trost und Liebe. Jeder Satz sitzt. Jeder Satz trifft. (…) Die Wärme, der Klang und vor allem die Kraft dieses Romans wirken noch lange nach.«

Inhalt
„Auerhaus”: das neue „Tschick”
Ende der 1980er in der Provinz. Sechs Freunde und ein Versprechen: Ihr Leben soll nicht in Ordnern mit der Aufschrift »Birth – School – Work – Death« abgeheftet werden. Deshalb ziehen sie gemeinsam ins Auerhaus, das so heißt, weil die Nachbarn von dort ständig den Hit „Our House“ von Madness hören, aber kein Wort Englisch verstehen. Also: Auerhaus wie Auerhahn (oder doch wie Aua-Haus?).
Eine Schüler-WG auf dem Land – unerhört.
Aber die Auerhaus-Bewohner wollen nicht nur ihr eigenes Leben leben, sondern vor allem das ihres Freundes Frieder retten, der schon einmal versucht hat, sich umzubringen – und immer noch nicht sicher ist, warum er überhaupt leben sollte.
Die Verantwortung teilt sich Frieders bester Freund Höppner mit seiner ab-und-zu-Freundin Vera, die weder in Bezug auf Liebe noch auf Eigentum an Exklusivität glaubt. Mit von der Partie sind außerdem Cäcilia, die sich weigert, das Leben ihrer reichen Eltern zu erben, die bildschöne Brandstifterin Pauline und der womöglich schwule Dealer Harry.
Zwischen süßem Imiglykos, Fertignudeln und Musterungsakte proben die sechs das Leben, das Stehlen und den Aufstand. Es ist die Zeit ihres Lebens.
Und gegen die Angst um Frieder wird angelebt – mit voller Kraft. Gemeinsam.
Aber das kann natürlich nicht ewig so weiter gehen…

Der Autor Bov Bjerg heißt mit bürgerlichem Namen eigentlich Rolf Böttcher und wurde 1965 in Heiningen bei Stuttgart geboren. Er studierte Linguistik und Politik in Berlin und Amsterdam. In den Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung war er Initiator und Autor mehrerer Berliner Lesebühnen: „Dr. Seltsams Frühschoppen“, „Mittwochsfazit“ und „Reformbühne Heim & Welt“. Bei dieser literarischen Veranstaltungsform trägt ein Autorenensemble im wöchentlichen oder monatlichen Rhythmus eigene, oft unterhaltsame Texte vor – ein subkulturelles Phänomen der 1990er Jahre, das bald die Aufmerksamkeit überregionaler Presse erregte und einigen Autoren den Sprung in den klassischen Literaturbetrieb ermöglichte. 1989 gründeten Bjerg und einige Studienfreunde die Literaturzeitschrift „Salbader“, in der u. a. Texte aus dem Umfeld der Berliner Lesebühnen veröffentlicht wurden. Als Redakteur war Bjerg zudem für die Satirezeitschriften „Eulenspiegel“ und „Titanic“ tätig. Bis 2002 verfasste er – im Wechsel mit Hans Duschke – die Kolumne „Nachgefragt“ für die Berliner Stadtzeitung „scheinschlag“. Als vielfach ausgezeichneter Kabarettist ist Bjerg einem breiten Publikum bekannt durch das Musikkabarett „Zwei Drittel“. Seit 1997 ist er Mitglied des „Kabarettistischen Jahresrückblicks“. Bjergs Karrierebeginn als Schriftsteller war 2004 gleich ein Knaller: Seine Kurzgeschichte „Howyadoin“ wurde mit dem MDR-Literaturpreis ausgezeichnet.
Sein inzwischen vergriffener Debütroman „Deadline“ war eigentlich seine Diplomarbeit, mit der er 2008 ein spätes Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig abschloss. Sein zweiter Roman „Auerhaus“ avancierte 2015 zum Bestseller und fand auch bei der Kritik großen Anklang. Zuletzt erschien 2016 der Band „Die Modernisierung meiner Mutter“ mit Geschichten und Erzählungen der letzten zwanzig Jahre.

Für Regisseur Philippe Besson, Sohn des Schweizer Schauspielers, Regisseurs und Theaterleiters Benno Besson und Halbbruder der Schauspielerin/Regisseurin Katharina Thalbach sowie des Schauspielers Pierre Besson spielte Theater bereits früh eine entscheidende Rolle. Ab 1986 sammelte er Hospitanz-Erfahrung am Wiener Burgtheater, am Schauspielhaus Zürich und an der Comédie de Genève. Von 1989-1992 war er als Regieassistent am Schauspielhaus Zürich engagiert, 1994-1996 als Oberspielleiter am Ulmer Theater. 1999 übernahm er die Kinder- und Jugendtheatersparte am Hans-Otto-Theater Potsdam, die er bis 2007 leitete. Von 2009-2011 war er Oberspielleiter am Theater Junge Generation Dresden und arbeitet seitdem wieder als freier Regisseur. u. a. am Salzburger Landestheater oder an den Staatstheatern Schwerin und Istanbul. Seine Inszenierung des Stücks „Wir alle für immer zusammen“ wurde zum Deutschen Kinder- und Jugendtheatertreffen 2007 eingeladen, Besson war für den Theaterpreis FAUST (Beste Regie Kinder- und Jugendtheater) nominiert. Seine bejubelte Theater-am-Kurfürstendamm-Inszenierung „Roter Hahn im Biberpelz“ (u. a. mit Katharina, Anna und Nellie Thalbach sowie Pierre Besson) war 2016 erfolgreich auf Tournee.

Pressestimme zur Dresdner Premiere:

EINER FLIEGT RAUS
„Auerhaus“ feierte Premiere im tjg [theater junge generation Dresden]
Als der deutsche Autor Bov Bjerg 2015 seinen Jugend-Roman „Auerhaus“ veröffentlichte, war ihm ein großer Wurf gelungen. Die Geschichte der sechs sehr unterschiedlichen Jugendlichen, die auf einem Dorf in Hinter-Deutschland in ein verwaistes Haus ziehen und dieses mit einem radikal-alternativen Lebensentwurf füllen, beunruhigte und berührte die Leserschaft sofort. (…) So ist es sicher kein Zufall, dass das tjg unter der Intendanz von Felicitas Loewe „Auerhaus“ (…) ausgewählt hat. (…)
Und dann leben sie, genau wie Jugendliche vermutlich zu allen Zeiten leben wollen. (…) Es gibt Nudeln mit Ketchup, Zweiliterflaschen Wein, die Musterungsakte im Tiefkühlfach, Joints, Partys und Ladendiebstähle für die Aufbesserung der Gemeinschaftskasse sowie des Freiheitsgefühls. Es ist herrlich einfach und erschreckend kompliziert, unglaublich befreiend und extrem grenzverletzend. Regisseur Philippe Besson und Dramaturgin Kathi Loch lassen die Musterungsszene ganz von oben herab sowie im regionalen Dialekt spielen. So als gäbe es noch das Königreich Wüttemberg als Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation oder gar das Deutsche Reich vor 1945. In der Welt der Jugendlichen aber wird Hochdeutsch gesprochen – ein guter Einfall, der den „geteilten Himmel“ in ein Bild übersetzt.
Ganz hervorragend gelungen ist auch die Einbindung der Songs, nicht nur des namengebenden „Our House“ von Madness. Keiner der Songs wirkt zufällig, jeder wird von den Schauspielern in Bewegung umgesetzt. Bis es zum Schluss einfach „groovt“ und das „coole“ Gefühl auch noch auf dem Nachhauseweg da ist. (…)
Wie die Gemeinschaft scheitert, ist noch einmal sehenswert, ein „ganz großes Kino“ mit Spritztour im Amischlitten, Pistolenattrappe und Gerichtverhandlung.
Andrea Rotte, Dresdner Neues Nachrichten, 22.07.2017