Vater


Irene Christ und Dieter Bach

Schauspielbühnen in Stuttgart, Altes Schauspielhaus | EURO-STUDIO Landgraf
VATER
Tragikomödie von Florian Zeller
Ausgezeichnet mit dem Prix Molière 2014 als BESTES STÜCK

ca. 25.09.2017 – 25.10.2017
ca. 11.04.2018 – 28.04.2018

Mit Ernst-Wilhelm Lenik, Irene Christ, Dieter Bach, Juliane Köster, Benjamin Kernen,
Maja Müller
Regie: Rüdiger Hentzschel
Ausstattung: Marcus Ganser

The Times schwärmt: „fantastisch“ und die französische Tageszeitung Le Figaro nennt „Vater“ sogar „eines der besten Stücke von Florian Zeller.“

Und FRANCE INTER, Paris: „Vater“ ist genau das richtige Stück, wenn Sie das Theater lieben, wenn Sie Emotionen lieben, wenn Sie das Lachen lieben, das sich auflöst in Tränen, und wenn Sie die Tränen lieben, die sich in Gelächter verwandeln. 

Inhalt
ANDRÉ: Irgendwas Seltsames passiert. Als hätte ich kleine Löcher. Im Gedächtnis. Kriegt keiner mit. Winzig klein. Mit bloßem Auge nicht zu sehen. Aber ich, ich spüre es …
(Florian Zeller, Vater, 10. Szene)

Der 80jährige André merkt, dass sich etwas verändert. Noch lebt er allein in seiner Pariser Wohnung und versucht, vor Anne, seiner älteren Tochter, den Eindruck aufrecht zu erhalten, alles sei in Ordnung. Wobei ganz offensichtlich ist, dass er allein nicht mehr zurechtkommen kann. Also organisiert sie für ihn Pflegehilfen, mit denen er sich aber ständig zerstreitet. Ein alter Mann, für den sich der Alltag mehr und mehr in ein verwirrendes Labyrinth verwandelt, auf der Spurensuche nach sich selbst. Weil seine Wahrnehmung sich immer mehr verschiebt, gerät er in eine Welt, in der seine Biografie nicht mehr gilt, weil die Welt, in der sie entstanden ist, am Verlöschen ist…

Das Besondere an „Vater“ ist die ungewöhnliche Erzählstruktur. Erlebt wird die Handlung nämlich nicht chronologisch, sondern aus der Erlebniswelt des 80jährigen. Durch diesen hinterhältigen Trick des französischen Erfolgsautors wird der Zuschauer emotional an die Hauptperson gebunden, erlebt mit ihr dieselben Momente des Glücks, teilt mit ihr die Momente des Ausgeliefertseins, erfährt mit ihr die unbegreifbare Veränderung von Personen und Dingen und kann wie sie immer weniger unterscheiden: Was ist Realität, was Wahn oder Wunschvorstellung, was Halluzination oder fixe Idee. Das klingt nach einem traurigen Theaterabend? Das Gegenteil ist der Fall. Zellers Text provoziert das Lachen. Die komödiantische Dynamik ergibt sich aus den abrupten Stimmungsschwankungen der Hauptperson.

Da Autor Zeller, der nicht erst seit „Die Wahrheit“ einen bühnenwirksamen Theaterknüller nach dem anderen schreibt, nicht die Krankheit in den Mittelpunkt stellt, sondern Andrés Versuch, dem ihn beunruhigenden Prozess der Verwirrung zu entkommen, verstummt das Gelächter über Andrés Eigensinn und Wutausbrüche sofort, wenn man begreift: dieser Mensch kämpft um seine Selbstachtung. Er ist nur deshalb diese unberechenbare, aggressive Nervensäge, weil er versucht, seine Angst vor der fortschreitenden Hilflosigkeit zu verbergen. Die tragikomische Gratwanderung endet erst mit dem Schlussbild, dessen nachhaltig beklemmender Wirkung man sich nicht entziehen kann.

„Vater“, Zellers berührendes, 2012 uraufgeführtes Stück, das im Januar 2015 an das Théâtre des Champs-Elysée übernommen wurde, ist nicht nur in Frankreich, sondern auch in England, einer der größten Presse- und Publikumserfolge. „Ein Werk, das die Zuschauer geschickt in seinen Bann zieht. Das Thema mag zwar ernst sein, doch wird es ständig mit Humor aufgelockert.“ (Bristol Post)

Es ist erstaunlich, dass es Zeller, dem erst 35jährigen französischen, auch international inzwischen hoch gehandelten Shooting-Star gelingt, dem brisanten Thema, ein befreiendes Lachen abzugewinnen und trotz verstörender Präzision und gedanklicher Schärfe kein bleierndes Problemstück zu schreiben. Das aufwühlende Stück über einen alten Mann, der an Alzheimer erkrankt ist, spricht gegenwärtige Ängste an.

Pressestimmen zur Tournee

„Vater“ lässt die Zuschauer auf sehr eindringliche Weise in den Abgrund blicken
Florian Zeller (…) bedient sich in „Vater“ eines naheliegenden, aber trotzdem verblüffenden Tricks: Er ‚erzählt’ konsequent aus der Perspektive des alten Mannes, dem die Welt mehr und mehr abhanden kommt. Man sitzt in seinem Kopf, man sieht mit seinen Augen. (…) All das ist unglaublich geschickt in Szene gesetzt – man spürt als Betrachter regelrecht, wie es sich anfühlt, wenn die grauen Zellen sterben (…). Wie der Hauptdarsteller Ernst-Wilhelm Lenik das auf die Bühne bringt, ist ergreifend. (…) Zellers „Vater“ bietet jedenfalls einen unglaublich intensiven Theaterabend (…).
Holger Pöschl, Die Rheinpfalz, 16.3.2017.

Applaus für Tragikomödie
Ernst-Wilhelm Lenik meistert den zerrissenen Charakter des André mit einfühlsamer Contenance. Gerade noch böse und unberechenbar, wechselt er die Stimmungen schlagartig, und das Publikum sieht sich einem Mann gegenüber, der reflexartig kindliche, liebevolle, ja komödiantische Züge annimmt. (…) Zwei Stunden mit beklemmender Aktualität. (…) Keiner der engsten Angehörigen will die Krankheit akzeptieren, und so sind Konflikte zwischen Tochter Anne, hingebungsvoll dargestellt von Irene Christ, und ihrem Vater vorprogrammiert. Ihr Freund Pierre, realistisch gespielt von Dieter Bach, ist der einzige, dem die Situation klar vor Augen ist. (…) Die Hilfe Laura, kokett dargestellt von Juliane Köster, [haucht] André plötzlich wieder Leben ein (…). (…) Krankenschwester und Pfleger, bestechend real gespielt von Maja Müller und Benjamin Kernen, kümmern sich um ihn.
Martin Winrich Becker, Salzgitter-Zeitung, 6.3.2017.

Das Stück geht intensiv unter die Haut
Ernst-Wilhelm Lenik lieferte als André eine exzellente Studie des langsamen Entschwindens in die Welt des Vergessens ab. (…) Ganz intensiv gestalteten er und Irene Christ als seine Tochter das Abrutschen auf der Bahn des Bewusstseins. (…) Entscheidenden Anteil am Gelingen der Inszenierung (Rüdiger Hentzschel) hatte das Bühnenbild (Marcus Ganser): Ein (…) Glaslabyrinth, das wie ein Kaleidoskop Schlaglichter auf den Prozess der Umnachtung warf.
Aber auch die Konstruktion des noch keine fünf Jahr alten Stücks stellt etwas Besonderes dar. So wie André und die Menschen um ihn herum erst allmählich sein Abdriften aus der Wirklichkeit bemerken, begreift das Publikum erst nach und nach, dass das Geschehen aus Andrés Perspektive erzählt wird. Die Katastrophe wird nicht distanziert vorgeführt, sondern das Publikum nimmt unmittelbar teil (…). Diese personale Erzählperspektive macht den künstlerischen Knüller dieses Stücks aus.
pak, Norddeutsche Rundschau, 9.3.2017.

Pressestimmen aus England

„Vater” ist nicht nur ein Fenster in einen sich auflösenden Geist, sondern auch ein verstörender Spiegel, durch den das Publikum mit der alltäglichen Isolation konfrontiert wird, die möglicherweise viele im Alter erfahren werden.
5 von 5 *****
Claire Hayes, The Public Review, 23.10.2014

Ein Stück, das ständig die Erwartungen unterläuft und wie ein Thriller funktioniert.
5 von 5 *****
Lyn Gardner, The Guardian, 23.10.2014