Tod eines Handlungsreisenden

Plakat Tod eines HandlungsreisendenEURO-STUDIO Landgraf
Schauspielbühnen in Stuttgart, Altes Schauspielhaus
TOD EINES HANDLUNGSREISENDEN
Drama in zwei Akten und einem Requiem
von Arthur Miller

ca. 22.10.2017 – 20.12.2017

Mit Helmut Zierl (in der Titelrolle),
Stephanie Theiß, Jonas Baeck, Paul Baeck, Martin Molitor, Richard Erben, Frank Voß  u. a.
Regie: Harald Demmer (Regisseur von „Zweifel“)
Bühnenbild: Oliver Kostecka

Premiere am Alten Schauspielhaus Stuttgart: 10. Februar 2017

Das Stück wurde 1949 als BESTES STÜCK ausgezeichnet mit dem TONY Award und dem New York Drama Circle Critics’ Award. Arthur Miller erhielt 1949 den Pulitzerpreis und den TONY Award als BESTER AUTOR. 

ARTHUR MILLER über die Uraufführung seines Stücks
»Wie bei manchen späteren Vorstellungen gab es bei der ersten Aufführung nach dem Schlussvorhang keinen Applaus. Als der Vorhang fiel, standen einige auf, zogen ihre Mäntel an und setzten sich wieder, andere, besonders Männer, saßen vorgebeugt und vergruben das Gesicht in den Händen, andere weinten unverhohlen. Eine Ewigkeit schien zu vergehen, ehe jemand daran dachte zu applaudieren, und dann hörte der Beifall nicht mehr auf.«
Zitiert nach: Harenberg Schauspielführer. Harenberg Verlag, Dortmund 1997, S. 680.

Inhalt
Der kleine Vertreter Willy Loman wird nach Jahrzehnten zermürbenden Berufslebens von seiner Firma als nicht mehr verwendungsfähig entlassen. Seiner Familie ist der verschuldete Handlungsreisende längst entfremdet. Besonders seine beiden Söhnen Happy und Biff, denen Loman das Streben nach materiellem Erfolg als einzigen Weg zum Glück eingeimpft hat, sind eine Enttäuschung, denn auch sie haben es – wie ihr Vater – zu nichts gebracht. Dabei standen dem früheren Sport-Ass Biff in der Highschool noch alle Wege zum Amerikanischen Traum offen. Als Biff nun gegen die Lebenslügen seines Vaters revoltiert, spitzt sich der Familienkonflikt immer weiter zu, bis Loman schließlich nur noch einen einzigen Ausweg sieht…

Arthur Millers mit Preisen überschüttetes Stück ist eine auch aus heutiger Sicht noch beklemmende Charakterstudie eines Menschen, der in einer rein profitorientierten Gesellschaft zum Verlierer werden muss. In Zeiten von Hartz IV und weltweiter Finanz- und Wirtschaftskrisen ist es aktueller denn je.

Thema Selbstmord
Auch heute noch ist ist Arthur Millers 1949 uraufgeführtes Meisterwerk „Tod eines Handlungsreisenden“ beklemmend aktuell. Jährlich nehmen sich nämlich weltweit etwa eine Million Menschen das Leben. Forscher schätzen, dass 45.000 von ihnen es tun, weil sie arbeitslos sind. Die gescheiterten Suizidversuche nicht mit eingerechnet. Diese erschreckenden Zahlen veröffentlichte die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich im Februar 2015 in einer in der Fachzeitschrift „The Lancet Psychiatry“ publizierten Studie, die Daten aus 63 Ländern ausgewertete. Unberücksichtigt blieben allerdings Selbstmordraten aus China und Indien, da Daten aus diesen beiden Ländern nicht verfügbar waren.

Premierenkritik aus Stuttgart

Überzeugende Ensembleleistung
Der aus dem Fernsehen bekannte Helmut Zierl spielt die Titelrolle als einen Möchtegern, der allen Ambitionen zum Trotz ein armer Wicht geblieben ist. (…)

Harald Demmers behutsam genaue Inszenierung führt mit analytischem Blick vor, wie unrettbar die Figuren miteinander verstrickt sind und nicht voneinander los wollen. Die Hirngespinste, die Willy Loman beherrschen, werden als von Sphärenklängen und Farblichtern begleitete Tagträume visualisiert, die sich mit dem realen Bühnengeschehen verzahnen. (…) Und so überzeugt in der konsequent desillusionistischen Inszenierung nicht nur Helmut Zierl als Hauptdarsteller, der seinen Kollegen viel Raum lässt, sondern das gesamte Ensemble (…).
Julia Lutzeyer, Stuttgarter Nachrichten, 12.2.2017.