Geschichten von der allgemeinen Undurchschaubarkeit

mmmusic/Manuel Munzlinger
Geschichten von der allgemeinen Undurchschaubarkeit
Ein Musik/Hör/Spiel mit Götz Schubert und Manuel Munzlinger
Idee, Einrichtung, Leitung: Manuel Munzlinger
Texte: Kathrin Passig, Kai Weyand, Philipp Weiss
(Teilnehmer des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs Klagenfurt)
Komposition, Soundtrack: Manuel Munzlinger

ca. 11.01.2020 – 19.01.2020
ca. 08.02.2020 – 16.02.2020
Einzeltermine in der ganzen Spielzeit Sa/So möglich

Geschichten von der allgemeinen Undurchschaubarkeit (c) Guido Werner

Sprecher: Götz Schubert
Oboe: Manuel Munzlinger

Künstlerische Gestaltung: Götz Schubert und Manuel Munzlinger
Musikaufnahme, Mix und Mastering: mmmusic

Uraufführung: 29.10.2017, Staatsschauspiel Dresden
Gastspiele u. a. am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz, Theater und Konzerthaus Solingen, Staatstheater Cottbus, Theater Chemnitz

Humorvolle Fusion aus Schauspiel, Live-Musik und Soundtrack

Geschichten von der allgemeinen Undurchschaubarkeit (c) Guido Werner

Schauspieler Götz Schubert und Musiker Manuel Munzlinger begeisterten
Die Texte, Geschichten von der allgemeinen Undurchschaubarkeit (…) befassen sich mit den Unwägbarkeiten des Lebens, Entscheidungen, die zu tragischen, komischen, irrwitzigen Resultaten führen. (…) Die Zuschauer hatten ihre Freude an diesem geistreichen, anregenden, erheiternden und nachdenklich stimmenden Abend, bedankten sich mit viel Beifall.
Renate Marschall, Lausitzer Rundschau, 22.1.2018.

STOP! ZURÜCK! ALLES NOCHMAL AUF ANFANG!
Eine winzige Entscheidung – und schon hat man sich verrannt. Jeder kennt wohl diesen Moment: Noch vor einem Augenblick hätte alles anders laufen können, doch jetzt ist es zu spät und das Chaos in vollem Gang… Lustiges Scheitern ist das Thema in den „Geschichten von der allgemeinen Undurchschaubarkeit“. Geschrieben von drei jungen Autoren, die alle an dem renommierten Bachmannwettbewerb in Klagenfurt teilnahmen. Das Besondere: es ist ein Musik/Hör/Spiel – Schauspiel, Text, Musik und Soundtrack verschmelzen zu einer humorvollen Performance und versprechen einen außergewöhnlichen Theaterabend.

Götz Schubert – einer der profiliertesten Schauspieler Deutschlands – schlüpft in die jeweiligen Rollen und bringt mit wandlungsfähiger Stimme und seiner hochgelobten Schauspielkunst die Charaktere eindrucksvoll auf die Bühne. Für den passenden Soundtrack sorgt Manuel Munzlinger, der mit Oboe, Keyboard und Computer neue musikalische Räume öffnet und Kompositionen von Klassik, Jazz und Funk zu einem spannenden Klangteppich ausrollt. »Ein feiner, anregender Abend« urteilten die Dresdner Neueste Nachrichten zur Uraufführung im Staatsschauspiel Dresden.

Mit den Texten dieses unterhaltsamen Musik/Hör/Spiel-Abends haben die Autoren Kathrin Passig (Bachmann-Preisträgerin 2006), Kai Weyand und Philipp Weiss am renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teilgenommen. Mit einer genialen Mischung aus Tiefsinnigkeit und Humor wird das seelische Chaos der Helden entblößt.

2013 machte der Comedian Bastian Pastewka im deutschsprachigen Raum ein neues Theaterformat bekannt: das Live-Hörspiel. Vorgestellt hat er es während der Live-Krimi-Hörspiel-Tour „Paul Temple und Der Fall Gregory“. Mit der von Mike Harting neu arrangierten Originalmusik von Hans Jönsson brachten Pastewka und seine vier Kabarettkollegen zu einer parallel erzeugten untermalenden Geräuschkulisse einen Text des englischen Autors Francis Durbridge auf die Bühne.
Diese Produktion war bundesweit eine Initialzündung für diese neue Theaterform, u. a. auch in Hamburg. In kürzester Zeit Kultstatus erreichte dort die – 2016 auch zum Berliner Theatertreffen eingeladene – als Radiohörspiel inszenierte Produktion des Deutschen Schauspielhauses „Effi Briest – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“. Zu Livemusik der 1960er bis 1990er Jahre bot dieses Live-Hörspiel alle wesentlichen Schlüsselszenen aus Fontanes berühmtem Roman als eine Episode der Serie „Berühmte Seitensprünge der Weltliteratur“ dar. Inszeniert wurde die kluge Mischung aus Radio/Theater/Show von dem Musiker Clemens Sienknecht und Barbara Bürk.

Götz Schubert schlüpft in die Figuren der jeweiligen Geschichten. Durch seine Ausdrucksstärke lässt er die Zuhörer in die Handlung eintauchen. Da er nicht liest, sondern spielt, verleiht er den Protagonisten einfühlsam und wandlungsfähig Charakter und Profil. Der bekannte und beliebte Darsteller war/ist an den ersten Bühnen engagiert, u. a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Berliner Ensemble, am Maxim Gorki Theater und am Deutschen Theater Berlin, bei den Salzburger Festspielen und den Nibelungenfestspiele Worms, und begeistert Publikum und Presse nicht nur in populären TV-Formaten („Tatort“, „Polizeiruf“, „Wilsberg“), sondern auch in herausragenden Fernsehfilmen, u. a. in der hochbesetzten Serie „KDD – Kriminaldauerdienst“ (ausgezeichnet mit dem GRIMME-Preis und dem Deutschen Fernsehpreis). Mit Volker Hesses Inszenierung von Henning Mankells immer noch aktuellem Flüchtlings- und Migrantenstück „Zeit im Dunkel“ war Götz Schubert nach der Aufführung am Maxim Gorki Theater in Berlin 2003 schon einmal auf Tournee mit der Konzertdirektion Landgraf. In „Geschichten von der allgemeinen Undurchschaubarkeit zeigt er die große Palette seiner Schauspielkunst.

Manuel Munzlinger, der für die Idee und die Auswahl der Texte verantwortlich ist, liefert zu den Geschichten den passenden Soundtrack. Mit seiner ihm eigenen Mischung aus Klassik und Jazz verwandelt er Stimmungen in Töne und lässt die Figuren lebendig werden. Der Oboist und Komponist, der schon viele Konzertlesungen konzipiert und vertont hat, gilt als Garant für mitreißende Klänge und hochwertigen Crossover.

Die Geschichten

1. „Sie befinden sich hier“ von Kathrin Passig
Mit dieser Erzählung gewann die bis dato nur als Sachbuchautorin bekannte Kathrin Passig 2006 souverän den mit 25.000 € dotierten 30. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Ihr Text ließ, wie Daniel Haas am 22.6.2006 in SPIEGEL Online schrieb »Jauchzer des Entzückens durch den Blätterwald schallen«, weil er »Humor mit philosophischer Raffinesse« verbindet.
Für die Geschichte eines Mannes, der sich während einer Wanderung zu einer Berghütte im Riesengebirge verirrt (und vielleicht auch in einen Mordfall verwickelt ist), wurde sie nicht nur mit dem Hauptpreis, sondern außerdem mit dem per – genau begründeter – Internet-Stimmabgabe ermittelten Preis des Publikums ausgezeichnet.

2. „Paso Doble“ von Kai Weyand
Diesen Text, mit dem der Autor 2006 für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert wurde, veröffentlichte er in seinem 2008 erschienenen Romandebüt „Schiefer eröffnet spanisch“:
Obwohl er ihn schon am Telefon schrecklich unsympathisch fand und auf gar keinen Fall mit ihm als Untermieter leben möchte, lädt ein frühpensionierter Lehrer, der aus Geldnot ein Zimmer vermieten muss, einen Interessenten zur Besichtigung ein und versucht nun, ihn durch provozierendes Benehmen abzuschrecken.
Da es sich in diesem mit viel Witz wiedergegebenen Dialog um eine Anfangsszene des Romans handelt, ist vorhersehbar, dass alles ganz anders kommt und wir die Geburtsstunde einer wundervollen Freundschaft zweier Außenseiter erleben.

3. „Blätterliebe“ von Philipp Weiss
Mit Unterleibskrämpfen geht der 33jährige Schriftsteller Oskar um fünf Uhr morgens in die Notaufnahme eines Krankenhauses. Eine wie er findet perfekte Uhrzeit, weil »die Tagesschichtärzte zwar noch müde und schlecht gelaunt, doch weniger müde als die Nachtschichtärzte und auch weniger schlecht gelaunt« sind.
Bei der Magenspiegelung stellt sich heraus, dass Oskar nicht nur – wie Philipp Weiss nach der Lesung seiner Erzählung „Blätterliebe“ beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2009 – die letzte Seite des Manuskripts, sondern den ganzen »Blätterhaufen« seines nach langer Zeit endlich beendeten Textes verschlungen hat.

Pressestimme zur Uraufführung am Staatsschauspiel Dresden

Bachmanns schreibende Erben
Schubert (…) gab den Texten durch Stimme und Ausstrahlung Größe wie Wertschätzung. Überhaupt ergänzen sich die beiden jeanstragenden ranken Gestalten mit sportlichen Charakterköpfen auch optisch hervorragend. Munzlinger, der schon einige ähnliche Programme erschuf, (…) [fand] hier als Klammer einen äußerst subtilen Kern (…): Die Geschichten erzählen von Suchenden als Helden, die dank Undurchschaubarkeit ihrer Lage in seelisches Chaos stürzen und leiden. (…) Ein feiner, anregender Abend (…).
Andreas Herrmann, Dresdner Neueste Nachrichten, 1.11.2017.